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Stimmen der Kirche

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Gerade in schwierigen Zeiten sind starke Stimmen auch der Kirchen gefragt. Vom Warten auf einen neuen Bischof in Chur, auf den Weg der Erneuerung und vom Fasten.
12. Februar 2021 2 Kommentare

Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn mein Kollege Rudolf Vögele im Generalvikariat Zürich ehrlich und trotzig zugleich meint: «Dieses Jahr habe ich Null Bock auf Fasten!» Grund dafür sind für ihn das coronabedingte Beziehungsfasten und die Einschränkung weiterer Freiheiten. Vor allem aber moniert er das «bischöflich verordnete Fasten», die Tatsache, dass die Menschen eigentlich seit April 2017 auf einen neuen Bischof im Bistum Chur warten. Mehr zur Bischofswahl und zum Fasten später.

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Die zweitägige Online-Konferenz zum Synodalen Weg in Deutschland ist zu Ende. Es war viel die Rede von Aufarbeitung, von Reformprozess und Erneuerung, von Glaubwürdigkeit. Und dies angesichts grosser Reputationsprobleme der Kirche, einer Verschärfung der klerikalen Strukturen und weitflächiger Ermüdungserscheinungen, wie viele prominente Theologinnen und Theologen anmahnen.

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Wir wollen gerne hoffen, dass die «Erneuerung» nicht wirklich abgesagt ist, wie es die Hinweistafel im Kirchenzentrum C66 am Hirschengraben in Zürich suggerieren könnte! Es sind aber nicht etwa die Bischöfe, die sich «glaubensstark auf das Abenteuer Wirklichkeit» einlassen, wie es der Churer Pastoraltheologe Manfred Belok fordert. Es sind andere, die der Kirche eine glaubwürdige Stimme geben. Als aufmerksamer Beobachter verfolgte Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ den Synodalen Weg. Im Interview mit kath.ch spricht er u.a. davon, was er sich von der Schweizer Bischofskonferenz auf dem «Weg der Erneuerung» wünscht. Seine Chefin, die RKZ-Präsidentin Renata Asal-Steger, doppelt in der Zeitschrift SONNTAG nach mit der Erwartung an die Schweizer Bischöfe, den Weg der Erneuerung gemeinsam zu gehen. Denn: «Die katholische Kirche braucht dringend konkrete Veränderungen. Diese dürfen nicht weiter hinausgeschoben werden, wenn wir vermeiden wollen, dass noch mehr Menschen sich enttäuscht und entsetzt von den Vorgängen in der Kirche abwenden.»

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Der Kirche eine glaubwürdige Stimme geben in diesen Tagen vor allem jene Menschen in der Kirche, Angestellte und Freiwillige, die sich an vorderster Front für andere engagieren. Caritas mit ihren Läden und Beratungsangeboten tut es schon immer und in Zeiten der Pandemie verstärkt. Schwester Ariane und der Küsnachter Pfarrer Karl Wolf sind seit dem ersten Lockdown unermüdlich auf den Strassen Zürichs unterwegs. Und jetzt, wo die Winterkälte so richtig durchschlägt, öffnet das Café Yucca seine Türen für einige Tage während 24 Stunden. Menschen ohne Obdach können sich an der Wärme aufhalten und werden gratis mit Suppe und Tee verpflegt. Nach wie vor bieten die Zürcher Kirchen Hilfen an, wenn beten alleine nicht reicht.

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Eine prägende Stimme ist diese Woche für immer verstummt: Im Alter von 87 Jahren ist der Architekt Felix Lötscher gestorben. Er hat den Kirchenbau rund um Winterthur massgeblich geprägt.

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Glaubwürdig Kirche sein bedeutet auch, mit den anvertrauten Kirchensteuern von Mitgliedern und Firmen Gutes zu tun. Die Website kirchensteuerwirkt der Katholischen Kirche im Kanton Zürich zeigt auf, wo und wie die Kirchensteuer Früchte trägt – in nunmehr vier Sprachen.

Zurück zur Fastenzeit und zur Bischofswahl. Wie wir wissen, liessen die Domherren am 23. November die Wahl eines neuen Hirten platzen. Seither herrscht Funkstille. Weder der Vatikan noch der bischöfliche Administrator in Chur haben seither auch nur eine Zeile darüber verlauten lassen, wie es weitergeht. Einfach nichts. Derweil werden mediale Mutmassungen angestellt. So soll der emeritierte Weihbischof Peter Henrici (92) in Rom für Mauro-Giuseppe Lepori, Generalabt der Zisterzienser, als neuen Churer Bischof werben. Ihm soll zusätzlich Gerichtsvikar Joseph Bonnemain als Weihbischof zur Seite gestellt werden.

 

Erstaunlich: Ausgerechnet die Gruppe «Vielstimmig Kirche sein» hat von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ein «freundliches Schreiben» erhalten. Darin drückt der Vatikan aus, dass im Vatikan die Vorgänge im Bistum Chur bekannt seien und sich der Heilige Stuhl sich um einen Bischofskandidaten bemühe, der die bestehenden Gräben überwinden könne.

 

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Könnte also sein, dass in Chur schon bald ein Brückenbauer wirkt und Rudolf Vögele «sein Fasten» nochmals überdenken muss? Dass Ostern schon vor dem 4. April stattfindet? Ich freue mich auf jeden Fall am kommenden Mittwoch auf die erste der insgesamt 40 Klostergeschichten, die mir kath.ch während der Fastenzeit offerieren wird. Vorher ist aber Valentinstag. Vielleicht haben Sie übermorgen Lust, jenseits vom Geschäft mit den Blumen an einer Online-Segensfeier für Liebende teilzunehmen.

 

Der Newsletter geht in die Sportferien. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit in schwierigen Zeiten und grüsse herzlich

 

Aschi Rutz

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.