Eine laute Woche
Als Nichtkirchenrechtlerin blicke ich offen gestanden mittlerweile nicht mehr ganz durch im Fall Müstair. So wie mir geht es sicherlich vielen Aussenstehenden in diesem äusserst komplexen Sachverhalt. Am Montag griff die Südostschweiz den Umgang des Bistums Chur mit dem Priester in Val Müstair, der einen Mann sexuell bedrängt haben soll, nochmals auf und beleuchtete das Thema anhand der Aussagen von drei renommierten Kirchenrechtlern, von denen zwei den Fall gut kennen.
Für zusätzliche Sichtbarkeit und Publicity des Artikels sorgte am Dienstag dann das Bistum Chur selbst mit einer langen Richtigstellung zur Berichterstattung an die Redaktion der Bündner Regionalzeitung, welche sie auch gleichzeitig schweizweit versandte. Die Reaktion des Bistums scheint mir persönlich etwas gar laut und aus kommunikativer Sicht nicht ganz nachvollziehbar. Unweigerlich muss der Verdacht aufkommen: Verteidigt sich nicht derjenige am vehementesten, der selbst ein schlechtes Gewissen hat?

Von solch einem schweren, emotionalem Thema am Anfang zurückzufinden zu den alltäglichen Nachrichten aus der Katholischen Kirche im Kanton Zürich ist schwierig. Deswegen hier nun ein ganz akuter Wechsel zum profanen Black Friday.
Was hat diese ursprünglich aus Amerika stammende Tradition, die mittlerweile weltweit zelebriert wird und bei der es um den reinen Konsum geht, mit der Zürcher Kirche zu tun, werden Sie sich fragen.
Einiges, denn am Freitag beziehungsweise am Wochenende nach dem amerikanischen Thanksgiving-Fest findet in der gesamten Schweiz der «Fair Friday» statt, an dem auch die Caritas beteiligt ist. An besagtem Wochenende können Kunden in zahlreichen teilnehmenden Geschäften ihren Einkaufsbetrag aufrunden oder eine Spende tätigen. Dieses Geld kommt armutsbetroffenen Menschen über verschiedene Projekte, zum Beispiel die Finanzierung von Ausbildungsplätzen, zugute.

Eine weitere unterstützenswerte Aktion der Caritas ist die Weihnachtswunschaktion. Gemeinsam mit dem von Ihnen gespendeten Geld erfüllt die Caritas Zürich Kindern, die aufgrund schwieriger finanzieller Verhältnisse an Weihnachten eher kein Geschenk unter dem Baum finden würden, einen Weihnachtswunsch.
Die Aktion kann nicht nur als Einzelperson unterstützt werden, sondern man kann sich auch als Team in unterschiedlicher Weise einbringen.
Die Wunschbaumaktion ist seit Jahren eine beliebte Art, sich sozial zu engagieren. Bereits am heutigen 28. November wurden über 1600 Wünsche erfüllt.
Diese letzte Novemberwoche stand auch im Zeichen des interreligiösen Dialogs und der Zusammenarbeit. Gleich zwei wegweisende Jubiläen wurden begangen.
Zur Feier des 60. Jahrestages der Konzilserklärung «Nostra Aetate» in der Paulus Akademie am vergangenen Sonntag zeigte sich, dass der jüdisch-katholische Dialog lebendig ist. Die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils definierte 1965 die Haltung der katholischen Kirche gegenüber nichtchristlichen Religionen neu.
Am Mittwoch feierte die VIOZ, die Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich, ihr 30-Jahre-Jubiläum. Seit 1995 ist der Dachverband eine starke, verlässliche Stimme für das muslimische Leben im Kanton und eine wichtige Partnerin in der interreligiösen Zusammenarbeit.
Es hätte passender nicht sein können, dass der jüngsten Entscheid der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Synoden zur Unterstützung nicht-anerkannter Religionsgemeinschaften gerade im Jubiläumsjahr getroffen und damit ein klares Ja zum Dialog und ein Nein zur Ausgrenzung gesetzt wurde.

Neben vielen Festlichkeiten gab es auch einen Abschied. Mit 94 kehrt die Menzinger Schwester Alix Schildknecht nach 31 Jahren Engagement in Zürich zurück in ihren Orden nach Menzingen. Das von ihr gegründete Zentrum für christliche Spiritualität besteht weiterhin und bietet eine «spirituelle Oase» in der Stadt.
Wir wünschen Schwester Alix alles Gute für ihre Zukunft in Menzigen und hoffen, dass «ihr Raum für Spiritualität» mitten im quirligen Zürich noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit erhält. Schauen Sie doch auch einmal vorbei. Unter den vielfältigen Veranstaltungen, die einladen, sich auf die reiche Fülle christlicher Glaubenserfahrungen und Spiritualität einzulassen, findet sich sicher auch für Sie etwas.

Noch ein Hinweis in eigener Sache. In Kürze erscheint die vierte Ausgabe unseres Credo, dem Magazin für Mitarbeitende, Behördenmitglieder und freiwillig in der Kirche Engagierte. In einem persönlichen und sehr nahbaren Interview spricht Bischof Bonnemain über die Zukunft des Bistum Chur, seinen Wunsch nach einem Weihbischof und Kon-Kathedrale sowie die künftige Stellung Zürichs im Bistum.
Ein spannendes Gespräch, geführt von meiner Kollegin Sibylle Ratz in Flüeli-Ranft. Wer Credo noch nicht erhält, kann es gern kostenlos hier credo@zhkath.ch abonnieren.
Zu Ende mit dem Latein als vorgeschriebene erste Amtssprache ist es im Vatikan ein halbes Jahr, nachdem Papst Leo XIV sein Amt angetreten hat. In einem Regelwerk für den Verwaltungsapparat des Kirchenstaats hiess es in dieser Woche, dass Latein ab sofort nicht mehr erste Amtssprache ist.
Wie sich wohl die tägliche Nachrichtensendung in Latein von Vatikan News zukünftig anhören wird?
Am Ende möchte ich mit Blick auf den kommenden Advent wieder stiller werden. Wer Lust und Zeit hat ist eingeladen, sich an den kommenden vier Adventssonntagen unsere Adventsserie auf Instagram und Facebook anzuschauen. Vier interessante Persönlichkeiten aus der Katholischen Kirche im Kanton Zürich lassen uns daran teilhaben, was diese besondere Zeit des Advents für sie bedeutet.
In diesem Sinne wünsche Ich Ihnen einen schönen ersten Advent.
Ihre Saskia Richter

Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.
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