Schauen wir vorwärts!
Die Kirchenglocken läuteten am 9. Januar überall in der Schweiz. Der Gottesdienst für die Opfer von Crans-Montana im Zürcher Fraumünster war am nationalen Trauertag bis auf den letzten Platz besetzt. Die interreligiöse Feier zeigte, wie Religionen zusammenstehen können, wenn es um die grossen Themen im Leben geht.
Doch die quälende Frage bleibt: Wo war Gott in Crans-Montana?
Unsere Leiterin der Spitalseelsorge, Sabine Zgraggen, wurde vor einer Woche ins Radiostudio eingeladen und gab in einem hörenswerten Interview Auskunft über ihr Team: Wie es sich um die Opfer der Brandkatastrophe am Uni- und im Kinderspital kümmert, sich aber auch unter grossen psychischen sowie seelischen Belastungen um die Angehörigen sowie das Spitalpersonal sorgt.

Vergebung und Versöhnung gehören zu den zentralen christlichen Werten. Sie scheinen aber nicht jedermann und -fraus Sache zu sein. Eine solche Unversöhnlichkeit beobachten wir dieser Tage rund um die Person Sanija Ameti.
Die Jungpolitikerin schoss im Herbst 2024 mit einer Druckluftpistole auf ein Marienbild und postete das auf Social Media – sie hatte sich danach sofort für ihre dumme Aktion öffentlich entschuldigt. In der Folge verlor sie ihren Job, ihre Parteizugehörigkeit und erhielt obendrauf zig Morddrohungen.
Nicht genug.
Nächste Woche muss Sanija Ameti sich wegen Störung der Glaubensfreiheit vor dem Strafrichter verantworten. Privatkläger rund um die Junge SVP, den Verein Mass-voll und Abtreibungsgegner fordern eine Verurteilung.
Die Hexenjagd tobt also weiter.
Die kirchlichen Stellen, die sozusagen Direktgeschädigten, haben ihr längst verziehen. Zuerst der katholische Frauenbund (übrigens heute nur noch Frauenbund), etwas später Bischof Joseph Maria Bonnemain, und dann auch der damalige Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist.

Urzentrale christliche Werte greift auch der amerikanische Präsident Donald Trump an. Diese Woche am WEF in Davos.
Mit dem eingebildeten Recht des Stärkeren beleidigt er, droht er, macht er andere lächerlich, verdreht die Fakten und stösst mit seiner Forderung nach dem Besitz von Grönland ganz Europa vor den Kopf.
Und provozierte auch in der Stadt Zürich am Montagabend eine grosse Anti-Trump-Demonstration.
Die Bischöfe in Amerika haben genug von ihrem Präsidenten. Bereits Ende vergangenen Jahres haben sie in einer seltenen Aktion ihrer Besorgnis über das harte Vorgehen der US-Regierung gegen Immigranten Ausdruck verliehen. Mit einer Stimme verurteilten sie Trumps Verhalten als rücksichtslos und amoralisch; Papst Leo gab ihnen Rückendeckung.
Gut so, wenn sich die Kirche in weltliche Themen einmischt, spätestens dann ist sie sogar in der Pflicht, meine ich, wenn sich entmenschlichende Rhetorik und Gewalt breit machen.

Nicht ganz auf der Weltbühne, aber doch in Tann im Zürcher Oberland war unser Bischof Joseph Maria Bonnemain. Dort stellte er sich an einer Podiumsdiskussion mit dem Titel «Die Position der Katholischen Kirche in der modernen Welt» den Fragen der Gläubigen.
Er habe nicht von der Kanzel herab gesprochen, sondern aus der Nähe, lobte ihn die Presse am nächsten Tag. Und noch eine Erkenntnis zogen die Beobachter als Fazit aus dem Abend: Der Glaube hat viele Gesichter.
So haben sich mehrere junge Männer zu Wort gemeldet, die sich wünschten, dass die Gottesdienste wieder einheitlicher und strikter nach römischem Recht abgehalten werden. Auf der anderen Seite aber verschaffte sich eine andere Gruppe Gehör.
So plädierte eine ältere Dame für die Mitwirkung von Frauen in der Bischofskonferenz und in der Liturgie. Alles sei auf gutem Weg, so Bischof Bonnemain dazu, auch im Vatikan bekleideten mittlerweile zwei Frauen hohe Ämter.
Und zu den jungen Männern meinte er, er halte nichts von Verboten und Strafen, sondern setze auf Dialog. «Wer die persönliche Beziehung zu Gott lebt, steckt mit Authentizität an.»

Eindeutig für sich sprechen die Zahlen der Heiratswilligen in der Kirche: Im Bistum Chur sind im Jahr 2012 929 katholische Trauungen registriert worden, 2021 waren es noch 399. In den anderen Deutschschweizer Diözesen sieht es nicht besser aus. Fest steht: Das Heiraten in der Kirche braucht dringend gute Werbung! Doch ob die Hochzeitsmesse der richtige Ort dafür ist?
Auch bei unserer Präsenz an der Hochzeitsmesse JOSY in Zürich vom vergangenen Wochenende mussten wir leider feststellen, dass die Besucherzahlen rückläufig sind. Dennoch bekamen wir für unseren Begrüssungsstand der Kirchen eine gute Note: Einladendes Design, heisst es im Bericht über den Anlass, mit einer freundlichen roten Sitzgruppe für Gespräche.
Am Stand – wo nebst vielen freiwilligen Seelsorgerinnen und Seelsorgern (danke!) auch Generalvikar Luis Varandas eine Schicht übernommen hatte – gab es vorwiegend Fragen zur interreligiösen Trauung. Seitens der Kirche sind die Möglichkeiten hier zum Glück zahlreicher geworden, ganz im Sinne der Abbildung einer offeneren Gesellschaft, welche die Kirche schliesslich widerspiegeln soll.

Im Scheinwerferlicht stand diese Woche auch mein Kollege Simon Spengler. Indirekt. Denn er betreute das Shooting für die Reputationskampagne, welche nach Ostern im ganzen Kanton gestartet wird. Der Film ist im Kasten, nun ging es um die Plakate.
«Miteinander – füreinander» - drei volle Arbeitstage mit Fotograf, Techniker, Projektleiterin, Art Director, Werbeagentur und gut 25 Statistinnen und Statisten zwischen 1 und 80 Jahren. Am Ende waren über 10'000 Fotos geschossen – und das alles für fünf Plakate.
Der Aufwand sei gigantisch, berichtet er, aber kein Werbeplakat entstehe einfach aus einem zufälligen Schnappschuss. Jede Pose, der Lichtfall, der Gesichtsausdruck, die Kleidung, die passende Umgebung, alles wolle sorgfältig überlegt sein, damit das Plakat am Ende auch überzeugend rüberkommt.
«Wir hoffen, die Botschaft kommt bei den Menschen an», so Spengler, «zumindest war der Goodwill von oben deutlich spürbar: An allen drei Tagen des Shootings leuchtete die Sonne und spendete das schönste Licht.»
Wollen Sie einen Vorpremieren-Blick auf ein Plakat erhaschen? Voila. So jedenfalls könnten die Bilder an allen öffentlichen Orten dann einmal aussehen.

Für die Kirche etwas Tolles auf die Beine stellen: Das geht eigentlich nur gemeinsam. Deshalb hoffe ich sehr, dass wir gute Bewerbungen kriegen für gleich zwei Stellen, die derzeit ausgeschrieben sind. Eine Ausschreibung betrifft die Bereichsleitung der Kommunikation für die katholische Kirche im Kanton, die Frist läuft noch bis Ende Januar.
Die andere Stelle schreibt das Bistum Chur aus, welches eine neue Präventionsbeauftragte- oder -beauftragten sucht. Interessanterweise soll diese Person auch für das Bistum Basel tätig sein, so wie Dolores Waser Balmer heute bereits für das Bistum Chur und das Bistum St. Gallen arbeitet.
Die drei Deutschschweizer Bistümer wollen nämlich in Sachen Prävention intensiver zusammenarbeiten – das macht doch Sinn. Dieser Umstand war sogar dem katholischen Medienzentrum einen Artikel wert.
Werfen Sie unbedingt einen Blick auf das Stellenportal der Kirche: Es sind noch weitere Jobs offen. So suchen wir zum Beispiel auch im Generalvikariat eine Fachperson Pastoral (80 bis 100 Prozent).

Ich bin glücklich darüber, dass wir für den Bistumstag am 31. Mai für die Aufgabe des OK-Chefs schon Ersatz gefunden haben, nach dem bedauernswerten Abgang von Elena Furrer, der wir für ihren wertvollen Einsatz an dieser Stelle herzlich danken. Willkommen Mathias Werfeli! Im Intranet haben wir den Jesuiten, der unter anderem in der Hochschulgemeinde aki in Zürich arbeitet, schon vorgestellt.
Werfeli verstärkt das motivierte OK-Team bestehend aus Natascha Rüede (Dienststellenleiterin Jugendseelsorge Zürich), Franz-Xaver Hiestand (Leiter der katholischen Hochschulgemeinde aki Zürich), Andreas Kopp (Synodalrat Zürich), Heinz Haab (kath. Kirche Wädenswil und kant. Seelsorgerat Zürich) sowie mir selber.
Reservieren Sie sich das Datum, Sonntag 31. Mai: Die Vorbereitungen schreiten voran. Es gibt ein Glaubensfest mit Gottesdienst geführt von Joseph Maria Bonnemain und Generalvikar Luis Varandas. Zudem zeigen Glarner und Zürcher an dreissig Ständen, was Kirche leistet, inklusive einem Mittagessen und einem bunten Bühnenprogramm.
Auch ein Teaser gefällig? Gerne: Eine bekannte Sängerin wird mit den Ministranten ein Lied singen. So viel sei hier schon verraten.

Am Anfang dieses Newsletters stand der beeindruckende interreligiöse Gottesdienst im Fraumünster, ich schliesse ihn mit einem Verweis auf eine Veranstaltung des Zürcher Instituts für interreligiösen Dialog (ZIID): Heute Abend hält Kultur- und Religionswissenschaftlerin Hannan Salamat auf dem Grossmünsterplatz eine Winterrede. Schauen Sie spontan hier rein.
Und noch ein Anliegen: Gratulieren Sie doch unseren Kolleginnen und Kollegen vom FORUM zum 70. Geburtstag. Sie haben dafür extra eine Wall für Wünsche eingerichtet. Ich persönlich schätze das ansprechend gelayoutete Magazin für seinen journalistischen Ansatz, auch der ursprüngliche Auftrag tönt heute noch sympathisch: «Das Gemeinschaftsbewusstsein der Zürcher Katholikinnen und Katholiken stärken.»
Ihnen wünsche ich eine schöne Zeit, kommen Sie gut durch den Rest von diesem ersten Monat des Jahres, und schauen Sie vielleicht hier noch rein: Das Interview mit Matthias Dörnenburg, mit dem ich über die diesjährige Ökumenische Kampagne zur Fastenaktion 2026 gesprochen habe.
Herzlich Ihre,
Manuela Moser
Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.
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