Hoffen auf Frieden
Bevor wir aber «medias in res» gehen: Vielleicht haben Sie sich alle schon gefragt, wer das eigentlich ist, der diesen Newsletter schreibt. Mein Name ist Leonie Maurer und ich unterstütze neu für ein knappes halbes Jahr die Kommunikationsabteilung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Ich bin 25 Jahre alt, Stadtzürcherin und lebe sehr aktiv Ökumene – ich bin nämlich reformiert. Vor allem aber freue ich mich sehr, mit Ihnen allen durch dieses Format in den Austausch zu kommen und bin gespannt auf Ihre Inputs.

Jetzt aber zurück zum Thema. Die Situation zwischen dem Iran und den USA ist schon eine geraume Weile angespannt: Aktiv erinnern kann ich mich an den Januar 2020, als die USA die Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani in Bagdad anordnete und ausführte. Dieser Präventivschlag sorgt aber weltweit für Schock, Angst und Empörung: Hier in Zürich sogar zu einer Demonstration. Begründet wird der Angriff von den USA mal so, mal so. Sicher ist: Die USA will einen «Regime Change» herbeiführen – ob das mit dem Tod von Chomeini erreicht ist, bleibt abzuwarten.
Auffällig ist aber, dass bei dem Anschlag auf Soleimani Trump als US-Präsident im Amt war – wie auch jetzt im Moment. Schon 1979 forderte er nach der Geiselnahme in Teheran Konsequenzen für den Iran. Schüchtern stellt sich mir die Frage, ob wir hier einen Schlag der USA oder vielmehr einen Schlag von Donald Trump gegen den Iran erleben – beziehungsweise inwiefern gerade ein Krieg instrumentalisiert wird.

Dass Krieg ein Instrument ist, dass nur zu schnell ausser Kontrolle gerät, das mahnen kirchliche Stimmen von hier bis Rom. Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, ist von der Situation im Iran sehr besorgt und appelliert an alle Parteien, den diplomatischen Weg einzuschlagen, besonders zum Schutz der Zivilbevölkerung. Der Weltkirchenrat fordert das sofortige Einstellen der militärischen Handlungen. Papst Leo XIV appelliert an die verschiedenen Parteien, «ihrer moralischen Verantwortung nachzukommen und die Spirale der Gewalt zu stoppen», bevor es zu spät ist. Er stellt klar: Frieden kann nicht durch Angriff entstehen, sondern nur im gemeinsamen Dialog, in der Stärkung der Diplomatie. Ein feiner Hinweis, dass Gewalt noch nie die Lösung war.
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin geht aber noch weiter. In einem Interview mit Vatican News benennt er klar, was gerade passiert. Dass internationales Recht mit diesem «Präventivkrieg» ausser Acht gelassen wird und jetzt nach dem Prinzip agiert wird: Ist mein Feind erst dem Erdboden gleichgemacht, dann lebt es sich sicher besser.
Auch das heutige Gebetsanliegen für den Monat März widmet Papst Leo XIV der Abrüstung und Abwendung von Gewalt. Nicht nur in Bezug auf Waffen, sondern auch die eigene Einstellung: Er verweist auf die Friedenslehre, drängt zur «Entwaffnung unserer Herzen von Hass, Groll und Gleichgültigkeit». Ich stimme ihm zu: Sicherheit entsteht nur aus dem Füreinander, nicht dem Gegeneinander.
Die verschiedenen Glaubensinstitutionen sind sich also einig, dass dieses kriegerische Vorgehen falsch ist, aufhören muss, in einer Gewaltspirale endet. Viele Iranerinnen und Iraner sehen es aber als einen Befreiungsschlag. So auch Masih Alinejad. Sie ist eine Ikone im Widerstand gegen das iranische Regime – das legen die drei versuchten Attentate auf ihre Person nahe. Als sie die Nachricht vom Tod Chomeinis erreichte, rannte sie auf die Strasse und schrie vor Freude. Ihre Begründung: Der Mann, der so vielen Menschen Übel angetan hat, ist endlich tot, kann niemanden mehr verletzen – sie ist froh um den An- und Eingriff der USA. Eine Argumentation, so ist sie sich bewusst, die in westlichen Gebieten nicht nachvollziehbar erscheint. Auch ich bin jemand in und aus einem westlichen Gebiet: Ich weiss zwar, dass Chomeini Furchtbares getan und angeordnet hat – nachvollziehen kann ich es aber nicht, da ich es glücklicherweise nie erleben musste.
Was mir nicht aus dem Kopf gehen will: Man geht von über tausend Opfern aus, seit dem Beginn der Attacken. Wiegt Chomeinis Tod ihren auf? War es das «wert», kann ein Menschenleben mit so vielen aufgewogen, beziehungsweise einem Preis versehen werden?

In solchen Momenten überkommt mich die Dankbarkeit, dass ich hier in der Stadt Zürich sicher in meinem Büro sitze und mein grösstes Ärgernis ein IT-Problem ist. Denn der Krieg ist dort: Hier ist das vom Papst zurecht gewünschte Miteinander möglich. Wir können aktiv ausleben, dass wir uns diesen Planeten, dieses Land, den Kanton, die Stadt, das Wohnhaus teilen. Wie wichtig es ist, einander zu verstehen, voneinander zu lernen – eben ein Miteinander, kein Gegeneinander zu gestalten.
Die Möglichkeit andere Kulturen und Glaubensrichtungen besser zu verstehen, bietet ein Besuch am YESH!. Das Filmfestival mit Fokus auf Neuheiten der jüdischen Filmwelt findet vom 19. bis 25. März statt. Das Motto dieses Jahr: Ja sagen. Ja zu unbequemen Perspektiven, zum Widerspruch, zum offenen Gespräch – wenn es also darum gehen soll, eindrückliche Perspektiven zum aktuellen Weltgeschehen oder einen Einblick in die Alltagsrealität als jüdische Person zu gewinnen, dann ist das der richtige Ort. Die Vielfalt an Themen ist gross: Psychische Gesundheit, ein Thriller zum Tod eines Unternehmers (war es der Butler?) und die «Combatants for Peace», ein Zusammenschluss aus israelischen Soldaten und palästinensischen Kämpfern, die «sich weigern, Hass mit Hass zu vergelten» – also begriffen haben, woran Papst Leo XIV bei den Akteuren im Nahostkonflikt bis anhin vergeblich appelliert.

Als eingefleischter Fan von «Rupaul’s Drag Race» ist mein persönliches Highlight dabei «Sabbath Queen». Amichai Lau-Lavie bezeichnet sich selbst als «Virus im System». Der Neffe eines Oberrabbiners tritt als Drag Queen auf, lässt sich parallel selbst zum Rabbiner ausbilden, unterstützt mehrere Frauen in ihrem Kinderwunsch – und ist mit einem Katholiken zusammen. Damit baut eine einzelne Person manchmal schier unmöglich anmutende Brücken: interreligiöse Verbindungen, Toleranz für den Glauben anderer, Queerness. Er findet also alternative Formen von Glauben, besonders im Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Neuerfindung.
Der Film wird an verschiedenen Daten in den Kinos Riffraff oder Houdini gezeigt. Am Sonntag, 22. März ab 17.30 Uhr sind im Riffraff sogar der Regisseur und Protagonist vor Ort. Wie auch immer die eigene Haltung zu den verschiedenen Thematiken ist: Da kann man sicher etwas mitnehmen.

Um beim «von anderen zu lernen» zu bleiben: Beeindruckt hat mich diese Woche, wie Chaja Geismar das Spannungsfeld zwischen ihrem jüdischen Glauben und dem Arbeitsalltag als Hebamme meistert. In «Zwischen Schabbat und Schichtdienst» schildert sie ihre Reise von der Lehre als FaGe bis zur ausgebildeten Hebamme, wie viel Koordinationsgeschick es erfordert, ihre religiöse Identität mit dem Klinikalltag zu vereinen – aber besonders, wie sehr sie diese Entwicklung und ihr Glaube als Berufsfrau gestärkt haben.

Frauen stärken steht auch diesen Sonntag auf dem Programm: Am 8. März ist nämlich der Weltfrauentag. Das von der UNO festgelegte Motto für dieses Jahr: «Für ALLE Frauen und Mädchen: Rechte. Gleichstellung. Empowerment». Damit soll angeprangert werden, dass kein Land der Welt bisher die Gleichstellung von Mann und Frau erreicht hat – in vielen Ländern geht es aber nicht vorwärts in Richtung Gleichstellung, sondern eher ein paar Schritte zurück. Manchmal fühlt es sich so an, als wäre es nie vorwärts gegangen – die Frustration steigt, man (frau) steht hilflos vor Strukturen, die einen behindern, kann sich aber nicht davon befreien. Was hilft? Mir das Wissen, dass ich nie allein bin. Mit mir gehen diesen Weg tausende kompetenter, starker Frauen, die trotz der Steine, Pfützen, Gruben und Wetterbedingungen einfach einen Fuss vor den anderen setzen. Ganz besonders wichtig erscheint es mir, an all die Frauen zu denken, die den Weg überhaupt erst gerodet haben. Also an alle Frauen vor, mit und nach mir: Auf uns!

Eine dieser «Roderinnen», dieser Pionierinnen, findet sich bei VIWO. Der Verein Integration durch Wohnen in Winterthur feierte am 4. März sein zehnjähriges Jubiläum. Die Präsidentin ist Zita Haselbach, ehemalige Gemeindeleiterin der katholischen Pfarrei St. Ulrich – in Winterthur die erste Frau in dieser Funktion. Sie hat VIWO gegründet; der Verein vermittelt Wohnungen an geflüchtete Personen, dies bis zu 30-mal im Jahr. Unterstützt wird er dabei durch die Katholische Kirche im Kanton Zürich, die katholische Kirche Winterthur, die reformierte Kirche, die Stadt Winterthur und Private.
Verschiedene geladene Gäste diskutierten an diesem Mittwochabend die wichtige Arbeit, die der Verein leistet. Unter ihnen unser Generalvikar Luis Varandas, Stadtrat Nicolas Galladé, Präsident der Winterthurer Kirchenpflege Hans Hollenstein und viele mehr. Der Konsens ist klar: Wohnungen bieten Geflüchteten ein Zuhaue in der Fremde, Stabilität, sind damit auch einer der Pfeiler der Integration. Und: Es ist wieder ein Miteinander – nicht nur ökumenisch gesehen, sondern auch weltlich-kirchlich und interkulturell. Eine der Anwesenden bemerkt: «Die beiden Landeskirchen tragen VIWO gemeinsam, für Menschen, die selten katholisch oder reformiert sind. Über solche Projekte sollte man häufiger sprechen.» Nicht nur ein Miteinander, sondern ein «Miteinander – füreinander».

Nicht unbedingt füreinander, aber für Sie von uns ist der neue Newsletter der Behindertenseelsorge. Damit trudeln regelmässig Angebote, Veranstaltungen und Inputs rund um die Themen Seelsorge und Inklusion bei Ihnen im Postfach ein. Interessiert? Hier können Sie sich einschreiben.

Wenn es dann aber auch mal reicht mit Laptop, Handy, Tablet und so weiter, dann wäre es dieses Wochenende bis in die nächste Woche doch optimal, die ersten Arbeiten im eigenen Garten für dieses Jahr anzugehen. Fehlt der Garten oder die Motivation, sich den ganzen Tag zu bücken, dann ist immer noch die Giardina eine Option. Die Gartenmesse findet vom Mittwoch, 11. März, bis Sonntag, 15. März, in der Messe Zürich Oerlikon statt. Dabei sind auch dieses Jahr die katholische und reformierte Kirche mit einem gemeinsamen Stand – und zeigen, dass Gärten durchaus eine spirituelle Komponente haben, ob es dabei um die Begegnung von Glauben und Natur geht oder durch kirchlich gestaltete Gärten. Vor allem aber ist der Stand ökumenisch und so sehen wir wieder einmal mehr, wie ein Miteinander gestaltet werden kann.
Jetzt bleibt es mir nur noch, Ihnen ein schönes, erholsames Wochenende zu wünschen: Im Miteinander und Füreinander mit Ihren Liebsten.
Mit herzlichen Grüssen
Leonie Maurer
Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.
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