Über uns

Von Krisen, Konflikten und einem Werbefilm

Informationsbeauftragte des Generalvikars für die Kantone Zürich und Glarus
Manuela Moser

Manuela Moser
Im Kino, beim Einkaufen, am Bahnhof: Bald wird Ihnen Kirche täglich entgegenblicken. Die grossangelegte Reputationskampagne («Miteinander-füreinander») der Katholischen Kirche im Kanton Zürich startet an Ostern. Und vielleicht folgen im Sommer die Pfarreien und hängen die Werbeblachen an ihre Kirchtürme - um die Öffentlichkeit daran zu erinnern, was Kirche Tag für Tag Gutes leistet. Bleibt die Frage: Was hält die Kirche im Innersten zusammen?
26. März 2026

Nun sind sie also lanciert – der Werbefilm und die sieben Plakatmotive zum Motto «Miteinander-Füreinander». Die Premiere war am vergangenen Dienstag im C66: mit den Protagonistinnen und Protagonisten als Gästen, mit dem verantwortlichen Werber David Schärer und Team, mit unserer internen Kommunikationsabteilung und vielen anwesenden Synodalrätinnen und -räten.

In unserem Büro hängen die Plakate bereits an jeder Tür: «Miteinander staunen – Füreinander freuen», «Miteinander beten – Füreinander Sorge tragen» – «Miteinander wagen – Füreinander gewinnen», dies nur eine Auswahl der einladenden Slogans dieser gelungenen Kampagne.

Hier könnnen Sie sich durchlesen und -klicken.

Da die Kampagne auch vom Bistum getragen wird, appelliert Bischof Joseph Maria Bonnemain in einer internen Videobotschaft an die Pfarreien, die Blachen, welche die Kampagnenbotschaft weithin sichtbar machen sollen (z.B. «Praxis für mentale Gesundheit» oder «Club für Nächstenliebe»), an ihre Gebäude und Kirchtürme zu hängen und somit die Kampagne aktiv zu unterstützen. Die entsprechende Aktion startet im Juni.

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Filmlancierung im C66 (v.l.): Fabienne Weidmann, Janine Paumann, Raphael Meyer, David Schärer, Simon Spengler. Foto: Saskia Richter


Ich erinnere mich noch gut an das Making-of im vergangenen November. Wir sassen in der Mutterkirche von Zürich, St. Peter und Paul im Stadtkreis 4: Statistinnen und Statisten, Mitarbeitende der Kirche und ein Pfarrer - für eine «Taufe». Das Baby machte brav mit, obwohl seine Eltern Schauspieler waren. Auch ich war nicht die echte Tante, sass aber in einer der vordersten Bänke.

Der Aufwand, die Zeit, die Professionalität – all das war beeindruckend, besonders wenn man bedenkt, dass diese Sequenz im fertigen Film nur rund zehn Sekunden dauert – bei einer Gesamtlänge von gerade mal 1 Minute und 18 Sekunden.

Ich bin kurz zu sehen, der Pfarrer, der tauft, sein Gesicht zumindest – nicht. Im ganzen Film ist kein Pfarrer zu sehen.

Die breit angelegte Kampagne soll kommunikativ stärken, was im Vorfeld als zentraler Reputationstreiber identifiziert wurde: Die sozialen Dienste, welche die Kirche anbietet, die Gemeinschaft, welche die Menschen an der Kirche schätzen - das, wofür viele Menschen auch heute noch ihre Kirchensteuern zahlen. Nach den aufgedeckten Missbrauchsfällen soll das ramponierte Ansehen der Kirche wieder gestärkt werden.

Bestenfalls kann so – dies die Überlegung – die Zahl der Austritte reduziert und vielleicht sogar Menschen zum Wiedereintritt bewegt werden. Es ist der Blick von aussen auf die Kirche, der verbessert werden soll.

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Drehort für den Reputationsfilm: Kirche St. Peter und Paul in Zürich. Foto: Manuela Moser

Was aber hält die Kirche im Innersten zusammen? Wie sind die Menschen – Seelsorgende, Geistliche, Diakone, Mitarbeitende – miteinander und füreinander unterwegs? Man sagt: Die beste Werbung sind die Menschen selbst, und das auch noch kostenlos. Oder, wie es in meinen Marketingunterlagen heisst: «Die glaubwürdigste Werbung sind unser Mitarbeitenden. Echte Überzeugung kann man nicht kaufen – sie kommt von innen.»

Was für inneren Zusammenhalt in der Kirche sorgt, durfte ich kürzlich an zwei wichtigen Zusammenkünften erleben: dem jährlichen Seelsorgekapitel - als zentrales Beratungsgremium des Generalvikars der Bistumsregion Zürich-Glarus - und der Dekanatsversammlung von Zürich-Stadt.

Beides bereichernde Anlässe. Ich habe viel gelernt, etwa von Gastrednerin Professorin Klara A. Csiszar aus Linz (A), die über ihre Erfahrungen als Beraterin in der römischen Weltsynode 2023 berichtete. Dort konnten erstmals nicht nur Bischöfe, sondern auch Laien und Frauen mitreden und abstimmen.

«Was ich in Rom sah und hörte - und was ich davon lern(t)e», so der Titel ihres Vortrags. Sie sprach offen über die vielen Konflikte und Enttäuschungen – und darüber, was daraus entstehen kann: eine «Grammatik des Friedens». Konflikte seien kein Betriebsunfall, sondern Teil einer lebendigen Gemeinschaft.

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Referentin Klara A. Csiszar am Seelsorgekapitel mit Generalvikar Luis Varandas. Foto: Manuela Moser

Auch Judith Weber (Beauftragte im GV für Pastoral) berichtete engagiert über die Krisen der Kirche. Sie zitierte aus einem lesenswerten Artikel von Arnd Bünker, der fünf zentrale Krisen benennt: Relevanz-, Institutions-, Sozialform-, Sozialisations- und Beteiligungskrise.

Als Gegenentwurf skizziert er eine synodale Katholizität – weniger als starres Modell, sondern als fortlaufendes Gespräch.

Ein weiteres Thema war die Frauenfrage. Csiszar berichtete von der Arbeit der Studiengruppe 5, die sich dieser in Rom annahm. Zunächst wurde sie nicht ernst genommen, was eine grosse Enttäuschung war. Umso bemerkenswerter, dass schliesslich hochrangige Kirchenvertreter – Männer – Widerstand leisteten. Am Ende wurde der Austausch wiederholt – im Beisein eines Kardinals, der sich sogar entschuldigte mit den Worten: «I have learned…».

Csiszar zeigte sich hoffnungsvoll im Hinblick auf die Abschlusssynode im Oktober 2028 in Rom. Und formulierte es pointiert: «Vielleicht haben wir in fünf Jahren keine Diakoninnen, aber wer weiss: vielleicht Kardinälinnen?»

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Beim Mittagessen sitze ich dann zwischen zwei älteren Pfarrern. Wir kommen ins Gespräch – humorvoll, offen, sympathisch. Sie erzählen aus ihrem Alltag, der sich ebenfalls gewandelt hat.

So können beispielsweise Gläubige heute wählen, ob sie beim Beichten hinter dem Gitter knien oder dem Priester direkt gegenübersitzen. Beides habe seinen Wert. Einer der Priester erzählt: «Manchmal sage ich meinem Gegenüber, dass ich meine Augen schliesse, um besser zuhören zu können.»

Gerade darin liege auch der Sinn des Gitters: Es helfe, sich ganz auf das Gesagte zu konzentrieren. 

Wichtiger sei jedoch, den Menschen zu vermitteln, dass Beichten entlastet. «Man soll sich nachher wieder aufgerichtet fühlen.» Er verdeutlicht seine Erzählung mit dem Heben der Brust, breitet seine Arme aus, wie zu einem Jubelschrei.

Einmal seien so viele Menschen zur Beichte gekommen, dass er den Andrang begrenzen musste – er gab schliesslich die Anweisung: «Nur noch bis zu diesem hier, nachher ist fertig.» Dieser eine habe sich dann aber immer wieder hinten angestellt, damit alle noch zur Beichte konnten. Auch nicht viel genützt hatte es, als der Pfarrer einmal gesagt haben soll: «Jetzt nur noch, wer eine Todsünde zu beichten hat.»

Der ganze Tisch lacht. Und der Pfarrer gibt zu, dass dies jetzt auch ein Witz sein könnte.

Die Episode erinnert mich an meine Kindheit, wie ich in meinem Leben eigentlich nur immer sympathischen Pfarrern begegnet bin. Das hat mein Bild geprägt. Der Pfarrer meiner Pfarrei beispielsweise, in der ich getauft wurde, hat die Unterhaltung an Blauringabenden jeweils selber in die Hand genommen – mit seiner Puppe, so wie Kliby und Caroline, denn er konnte Bauchreden.

«Ist dir auch aufgefallen?», fragt mein Gegenüber dann zum Schluss des Mittagessens, „dass heute noch nie das Wort Jesus gefallen ist?» Wir hätten viel über strukturelle Erneuerungen geredet - aber vielleicht brauche es ebenso eine geistliche, eine spirituelle Erneuerung.

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Erstmals gibt es mehr als 1,4 Milliarden getaufte Katholiken weltweit. Statistisch gesehen die grösste Religionsgemeinschaft der Erde. Die Zahl wächst weiter, besonders in Afrika. Dort machen die Katholiken mittlerweile 20 Prozent der Weltkirche aus.

Sie - wir - wir viele Alle feiern bald Ostern, das höchste, älteste und bedeutendste Fest im katholischen Kirchenjahr.

Mich hat die Geschichte von Jesus im Garten Gethsemane immer besonders berührt. Diese tiefe Traurigkeit, dieses beinahe Zerbrechen unter der Last. Vielleicht finden Sie über die Feiertage Zeit, sich dieser Bibelstelle noch einmal zuzuwenden. Um sich spirituell zu erneuern vielleicht?

Auch beim Dreh des Reputationsfilms gab es solche Momente, die sich echt anfühlten: als das Sonnenlicht durch die farbigen Kirchenfenster fiel – genau in dem Augenblick, als wir zum (für den Film inszenierten, für mich aber sehr stimmigen) Lied ansetzten.

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Die reformierte Kirche in Elgg/ZH. Foto: Manuela Moser

Bleiben Sie glaubwürdig – nach innen und nach aussen.

Und wenn Sie Zeit haben, dann schauen Sie sich die Rosenbrunnen unserer reformierten Mitchristinnen und -christen an, die ab dem 31. März wieder die Altstadtkirchen zieren. Und verpassen Sie nicht den Ökumenischen Kreuzweg am Karfreitag, 3. April.

Im Namen des gesamten Teams der Kommunikationsstelle wünsche ich Ihnen eine gute Karwoche und gesegnete Ostertage. Das nächste «Grüss Gott» erscheint dann nach Ostern, am 10. April.
 
Ihre
Manuela Moser


Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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