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Zeit der Freude.!?

Fachmitarbeiterin Kommunikation
Leonie Maurer
Leonie Maurer
Gemeinsam mit der Arbeitswoche ist auch das diesjährige Ostern vorbei. Hoffentlich konnten Sie diese Zeit der Freude zusammen mit Ihren Liebsten und dem schönen Wetter geniessen. Gleichzeitig ist diese Zeit der Freude immer wieder überschattet vom Leiden andernorts – und wird eben dadurch umso wichtiger.
10. April 2026

Zeit der Freude, Zeit des Leidens – diese Diskrepanz ist mir gestern zum ersten Mal so klar vor Augen geführt worden. Am Donnerstag fand nämlich zum ersten Mal die katholische Synode im Rathaus Hard statt – also dem Rathausprovisorium, der Bullingerkirche. Auch ich war zum ersten Mal mit dabei – jedenfalls bis zur Pause kurz vor 10 Uhr, danach wurde intern abgetauscht. Eine sehr spannende Erfahrung für mich – und ganz im Klischee meiner Generation habe ich sie mit zwei kurzen Videos für eine Instagram-Story gestartet. Natürlich für unseren Kanal – immerhin.  

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Jede Synode startet – neben den üblichen Formalitäten – mit einleitenden Worten, an dieser Sitzung durch die Synodale Monika Schiesser der Fraktion Oberland. Dieser Kurzinput soll die Anwesenden (und Zuschauenden zuhause) zum Nachdenken anregen, aufrütteln, vielleicht sogar ein wenig provokativ sein. Und voilà: 24 Stunden später sind ihre Worte meine Inspiration für diesen Newsletter.

Besonders eingeprägt hat sich mir nämlich Folgendes: «Osterzeit – es ist die Zeit der Freude über die Auferstehung Jesu. Wenn wir uns Nachrichten ansehen oder anhören oder Zeitung lesen, sieht es aber an vielen Orten auf der Welt nicht nach Freude aus.»

In dieser Einfachheit beschreibt Monika Schiesser damit so treffend die Diskrepanz, die herrscht. Wie ich am Osterwochenende fröhlich am Familientisch sitze und «Eier tütsche», dann die Zeitung aufschlage und sehe, dass an anderen Orten «tütsche» eine völlig neue Dimension annimmt. Was für Tragödien sich abspielen, während ich meine veganen «Ostereili» vertilge. Und meine Dankbarkeit dafür, dass ich eben an diesem Familientisch sitze und eine Zeit der Freude erleben darf. 

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Einer dieser «anderen» Orte: Minab, im Süden des Irans. Dort wurde im Februar eine Mädchenschule bombardiert. Beim Angriff starben ungefähr 170 Personen, die Mehrheit davon Kinder. Spekuliert wird, dass vonseiten USA veraltete Satellitendaten verwendet wurden.

Nach der Tragödie äusserte sich der Kardinal von Neapel, Domenico Battaglia, in einem sehr eindrücklichen Appell, «lettera ai mercanti della morte», adressiert also an die «Händler des Todes». Er erinnert dabei an Tod und Auferstehung in dieser kriegsgeplagten Realität und stellt dabei fest: «Es gibt Nächte in dieser Zeit, in denen die Menschheit verloren scheint» und endet mit «Doch wenn ihr ihn begehrt, kann der Friede euch noch retten».

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Aktuelle Weltkonflikte waren auch hier in Zürich präsent; sie waren der diesjährige Leidensschwerpunkt des ökumenischen Kreuzweges. Am vergangenen Karfreitag hat der Weggottesdienst zum 30. Mal stattgefunden und über 600 Teilnehmende angezogen. Um 12 Uhr mittags begann der Kreuzweg bei der Kirche Dreikönigen in der Enge und führte von dort über den Tessinerplatz bei der Fifa und den Bürkliplatz mit Chilbi bis zur Kirche St. Peter.

So viele Menschen ziehen gemeinsam durch die Stadt – eindrücklich, aber nicht nur wegen der Anzahl Leute, sondern der Zusammensetzung: Menschen verschiedener Konfessionen, Nationalitäten, politischer Gesinnung, ob Kinder, Erwachsene, zu Fuss oder im Rollstuhl unterwegs. An den verschiedenen Stationen beschreibt es Bettina Lichtler, Pfarrerin, Ökumene-Beauftragte und verantwortlich für die Kommunikation im Zusammenhang mit dem Kreuzweg, als ein gemeinsames «eindrückliches Innehalten, Hören und Beten angesichts der Leiden unserer Zeit».

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Das war ein langer Exkurs ausgehend von den einleitenden Worten der gestrigen Synode: Jetzt aber noch zu allem anderen, was die Sitzung am Donnerstag gebracht hat. Natürlich nicht allem anderen, ich war ja nur bis 10 Uhr dort. Sie können hier im Detail nachlesen, was alles thematisiert und entschieden wurde oder sich direkt den Livestream anschauen.

Auch an der Synode gab es Grund zur Freude: Neben den einzelnen Traktanden wurde unser neuer Synodalrat Beat Auer gewählt – an dieser Stelle nochmals herzlichen Glückwunsch! Es war das erste Mal, dass ich eine solche Wahl miterlebt habe: Mit dem Verteilen der Stimmzettel, dann dem Auszählen durch die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer und schlussendlich der Verkündigung des Ergebnisses.

Nach der Wahl folgte die Verlesung des Gelübdes, auf die Beat Auer mit «Ich verspreche es» antworten sollte. Das tat er auch, und zwar mit einer solchen Freude in der Stimme, dass der Funke direkt auf die anwesenden Synodalen übersprang.  

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Mich persönlich hat dabei noch etwas anderes sehr gefreut: Synodalratspräsident Raphael Meyer erwähnte nämlich die Reputationskampagne «miteinander – füreinander» und zeigte auch den dazugehörigen Kampagnenfilm.

Mit dieser Erwähnung ist er aber nicht allein: Tatsächlich sind auch einige Medien auf die Kampagne aufmerksam geworden – ebenfalls ein Grund zur Freude.

Und das sogar jeden Morgen für mich: Auf meiner ÖV-Reise ins Büro treffe ich nämlich dieses Plakat gleich zwei Mal an.

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Ein anderer Grund zur Freude: der Weihbischof von Essen, Ludger Schepers. Er hat seit 2024 die Funktion als Queerbeauftragter inne. Er bezieht öffentlich und klar Position zur Gleichberechtigung in der Kirche. Nicht nur für Männer und Frauen, sondern auch queere Menschen und fordert somit eine Pastoral, die alle Geschlechtsidentitäten wahr- und ernstnimmt. Gleichzeitig stellt er den Vorwurf in den Raum, dass die Kirche während des jahrhundertealten Bestehens patriarchale Strukturen nicht nur akzeptiert, sondern aktiv gefördert hat. Er erinnert daran, dass wer Menschen wegen ihrer Identität ausgrenzt, nichts mit dem Christentum gemein hat. Dass also eine Kirche für alle auch wirklich für ALLE sein soll – ohne Ausnahme.

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Einer ähnlichen Thematik nimmt sich ab dem 30. April in der Paulus-Akademie die Fachtagung der Internationalen Forschungsgruppe Film und Theologie an. Dabei geht es nicht um Kirche selbst, sondern um geladene Revolver, heruntergekommene Saloons und die typischen Duell-Szenen mit vorbeirollendem «tumbleweed» – Western natürlich.

Unter dem Motto «Ich, Du und dazwischen das gelobte Land. Religion, Gender und Western» wird dabei der Veränderung in diesem Filmgenre nachgegangen – vom «klassischen» Männlichkeitsbild, das hinter einem John Wayne steckt zu «Brokeback Mountain» und «American Primeval». Es geht also darum, wie religiöse und geschlechtliche Identitäten in den verschiedenen Filmen dargestellt werden, sich entwickelt haben und welche Implikationen sich daraus ableiten lassen.

 

Mit diesem Veranstaltungshinweis soll jetzt aber genug sein: Ich hoffe, Sie alle haben ein erholsames, schönes Wochenende mit vielen kleinen und grossen Zeiten der Freude.

Ihre

Leonie Maurer

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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