Glaube, Hoffnung, Liebe
Die Kindheit war herb, lieblos, dazu ohne finanzielle Mittel. Ein Leben auf der Strasse, schon mit 15, verlassen von der Mutter, der Vater von Anfang an weg. So skizziert Lukas Bärfuss seine Kindheit in seinem neusten Buch, «Königin der Nacht. Ein kurzes Buch über meine Mutter». Es ist diesen Monat erschienen.
Viel zu hoffen gibt es da nicht. Zudem glaubt Bärfuss eher ans Handeln, wie er schreibt. «Wer will, dass etwas Gutes geschieht, muss etwas tun.» 
Gerade an Pfingsten, das wir dieses Wochenende feiern, erfährt die Kirche die Stärkung durch den Heiligen Geist. Ich habe gestern traditionellerweise den Pfingstbrief von Generalvikar Luis Varandas gelesen, worin steht, dass Glaube, Hoffnung und Liebe in jedem einzelnen von uns in der Gemeinschaft neu geweckt und entfacht werden.
Also können wir doch hoffen?
Hoffnungsvoll war die Fátima-Prozession durch Zürich, über die ich vergangenen Sonntag berichten durfte, auf jeden Fall. Ein langer Menschenzug bewegte sich durch die Strassen, singend und betend, vom Hirschengraben bis zur Liebfrauenkirche. Die Predigt hielt Bischof Joseph Maria Bonnemain vor den vollen Reihen in mehreren Sprachen, darunter Portugiesisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch.
Er sprach vom Frieden und der Gerechtigkeit, die unsere heutige Welt so dringend braucht. Exakt in diesem Moment fiel das Licht ganz besonders schön durch das Kirchenfenster. Ein hoffnungsvolles Bild in Anwesenheit der Muttergottes, die für viele der Inbegriff einer Mutter der Hoffnung ist.

Die Original-Pilgerstatue Nr. 2 des Heiligtums von Fatimà weilt übrigens das erste Mal in der Schweiz und wird auch bei der Nationalen Wallfahrt in Einsiedeln an diesem Sonntag anwesend sein. Schauen Sie hier das Programm der portugiesischen Mission an, falls sie dorthin pilgern wollen.
Hoffnungsvoll stimmt auch der Abschlussbericht der Interessengemeinschaft Partnerschaft-Ehe-Familienpastoral Deutschschweiz, der diese Woche veröffentlicht wurde. Mai und Juni sind schliesslich die Heiratsmonate und die Zeit der Liebe schlechthin. Das von einer Arbeitsgemeinschaft aus Informationsbeauftragten der Bistümer St. Gallen, Basel und Chur zusammengestellte Material zum Thema «Warum in der Kirche heiraten» wurde in den sozialen Medien bereits über 12'000-mal angesehen und soll nun mit zusätzlicher bezahlter Werbung weiter gefördert werden.
Die professionellen Videos, die seit dem 10. Februar online sind, zeigen Menschen wie Sie und mich. Oder wie es Bischof Beat vom Bistum St. Gallen ausgedrückt hat: «Die Porträts zeigen auf, wie das Leben heute ist. Wenn Paare in verbindlicher Partnerschaft die Kirche um ihre Begleitung und um einen Segen für ihre Partnerschaft bitten, will die Kirche darauf konstruktiv-positiv reagieren.»
Angesichts eines allgemeinen Rückgangs kirchlicher Hochzeiten ist dies für mich ein echtes Zeichen der Hoffnung.

Aber man soll und darf in der Kirche auch anderer Meinung sein. Das macht lebendige Kirche aus. Lesen Sie dazu auch das Interview mit Priester Martin Stewen, dem kürzlich abgetretenen Synodalrat. Oder die Einladung zum offenen, kritischen Gespräch mit Synodalratspräsident Raphael Meyer.
Wofür es in der Kirche aber keinen Platz hat, sind Machtgelüste, Profilierungssucht, Geltungsdrang.
Auf den Tag genau heute vor einem Jahr – übrigens an meinem heutigen Geburtstag – habe ich meinen Arbeitsvertrag als Informationsbeauftragte des Generalvikars Zürich-Glarus unterschrieben. Wie zuvor fast 30 Jahre lang als Journalistin schaue ich immer noch gerne genau hin. Mich interessiert die Wahrheit, nicht der Schein. Und es interessiert mich auch nicht, nur scheinbar auf der «guten Seite» zu stehen.
Worauf ich stolz bin und worauf ich mich enorm freue, ist der bevorstehende Bistumstag nach einem Jahr Arbeit. Im Verbund eines tollen Organisationskomitees habe ich sozusagen das ganze erste Arbeitsjahr mehr oder weniger intensiv damit verbracht, diesen grossen Tag vorzubereiten. Am 31. Mai findet er nun endlich statt.
«Hören – handeln – hoffen»: So lautet das Motto des Tages, stellvertretend für die Begriffe Synodalität, Diakonie und Evangelisierung.
Es freut mich, dass Generalvikar Luis Varandas in der meistgelesenen Zeitung in Zürich, dem «Tagblatt», in einem doppelseitigen Interview den Bistumstag auch einem kirchenferneren Publikum vorstellen und über Pfingsten reden durfte. Hören Sie diesen Sonntag auch rein bei Radio Zürisee - um 8.25 Uhr und um 19.25 Uhr gibt Varandas nochmals kurz Auskunft zum grossen Glaubensfest im Hauptbahnhof Zürich.
Wir werden am HB über 100 Ministrantinnen und Ministranten im Gottesdienst haben, stellen Sie sich das vor! Die Begeisterung der Jungen ist ansteckend. Und wem der Trubel an diesem öffentlichen Platz zu viel ist, für den werden wir einen Live-Stream auf unserer Website einrichten. So kann man das Geschehen auch von zu Hause aus mitverfolgen.
Der Tag der Gemeinschaft ist aber natürlich besonders schön, wenn man sich vor Ort trifft. In Kontakt kommt. Und miteinander die Freude teilt.
Der Mensch ohne Gemeinschaft ist unglücklicher als der Mensch mit Gemeinschaft, das sagt auch die Glücksforschung, wie einer unserer Gäste am Bistumstag – die Ökonomin Margit Osterloh – beim Vorgespräch auf den Tag nochmals eindrücklich betont hat.
Hier finden Sie nochmals alle Informationen zum Bistumstag am 31. Mai. 
Hoffnungsvoll für mich ist auch, dass die Katholische Kirche sich für unsere Grünflächen sprich unsere Umwelt einsetzt – meine Kollegin Leonie Maurer war gestern an der Veranstaltung zur Biodiversität, lesen Sie hier.
Und hoffnungsvoll sicher auch, dass sich die Schweizer Bischofskonferenz für ein gutes Zusammenleben einsetzt und so indirekt und zwischen den Zeilen zur Ablehnung der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» bei der nationalen Abstimmung vom 14. Juni aufruft.
Sie dürfte es sicher noch etwas deutlicher tun.
Hier treffe ich mich mit dem «hoffnungslosen» Bärfuss. In einem Interview sagte er: «Ehrliches Hinschauen ist besser als Verdrängung.» Sein schonungsloses Schreiben birgt dann eben doch Hoffnung, im Sinn von «man muss handeln, auch ohne Garantie auf Erfolg.»
Ich wünsche Ihnen ein schönes, verlängertes Pfingstwochenende und wir sehen uns am Bistumstag vom 31. Mai – im Hören, im Handeln und wohl auch im Hoffen.
Ihre,
Manuela Moser

Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.
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