Kirche aktuell

Ökumenischer Erfahrungsaustausch zur Biodiversität Das blühende Leben

Der Frühling ist in Zürich eingezogen und alles summt, brummt und blüht. Da ist es schwer vorstellbar, dass es nicht gerade rosig um die Biodiversität steht. Ein ökumenischer Erfahrungsaustausch will Abhilfe schaffen.
22. Mai 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich

Eines der sieben Handlungsfelder der Nachhaltigkeitsstrategie der Katholischen Kirche im Kanton Zürich ist die Biodiversität – das aus gutem Grunde.

Rund die Hälfte aller Lebensräume und ein Drittel aller Arten sind als bedroht eingestuft – es gilt also, jetzt zu handeln. Dafür braucht es «alle Mann an Deck»: Zu diesem Zweck haben sich Interessierte aus den verschiedensten christlichen Kirchgemeinden im Kanton Zürich diesen Donnerstagnachmittag in der Stadtgärtnerei Zürich zu einem Erfahrungsaustausch eingefunden. So zahlreich wie die Teilnehmenden erschienen sind, zeigt sich klar: Die Besorgnis um und das Bewusstsein für den Zustand der Umwelt ist da.

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Grosses Interesse am Angebot.

Dagegen ist kein Kraut gewachsen?

Der Austausch beginnt mit einem Input durch zwei Fachpersonen von Pro Natura: Sie führen ein in die aktuelle Situation rund um die Biodiversität, wo genau Risiken bestehen und was für Chancen sich besonders für Kirchgemeinden zur ökologischen Aufwertung von verschiedenen Grünflächen bieten.

Grundsätzlich waren Siedlungsgebiete immer eng mit der Natur verbunden. Seit 1900 zeigt sich aber ein klarer Rückgang. Geschuldet ist dies unter anderem der Versiegelung von Böden, der Abnahme von Grünflächen oder der Randausbreitung von Siedlungen – so fällt der Austausch zwischen Siedlungsgebiet und der umliegenden Natur kontinuierlich weg.

So problematisch also Siedlungsgebiete für die Umwelt und Biodiversität sein können: Sie bieten auch ein enormes Potential. In den Gebieten selbst besteht lokal eine sehr hohe Artenvielfalt. Bis zu 67 % aller Tierarten und 44 % der Flora kommen in städtischer Umgebung vor und: Seit 1970 hat sich die Bodenfläche von Siedlungsgebieten beinahe verdoppelt. Das heisst, gerade städtische Gebiete können in Zukunft vermehrt eine Archefunktion einnehmen und für verschiedenste Arten – ob tierischer oder pflanzlicher Natur – das rettende Schiff sein.

Naturnahe Lebensräume schaffen

Zu diesem Zweck sollen in Siedlungsgebieten – zu denen natürlich auch Kirchgemeinden gehören – vermehrt naturnahe Lebensräume geschaffen werden. Damit die Teilnehmenden diese Lebensräume in natura erleben können, geht es auf geführte Entdeckungsreise durch die Stadtgärtnerei Zürich.

Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Natur selbst: Eine schnell umsetzbare Variante sind Kleinstrukturen wie Totholz oder Trockenmauern. Zwar entbehren diese für viele Betrachtende jeglicher Ästhetik, dafür bieten sie aber einer Fülle an Arten Unterschlupf.

Zeitintensivere Alternativen sind Nutzgärten oder verschiedene Wiesenarten: Auch sie bieten Heimat für verschiedenste Arten. Das darf gleich getestet werden: Die Becherlupen stehen bereit und die Teilnehmenden dürfen «eifach es Viech go sueche».

Eine weitere Form von Lebensraum, die sich besonders für den urbanen Bereich eignet, ist eine Ruderalflur: Das ist meist eine ungenutzte Fläche mit offenem Boden, die sich selbst überlassen wird und einen Rückzugsort für Insekten oder Wildpflanzen darstellt – sehr gut vorstellbar in einer Kirchgemeinde.

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Erfolgsmodell Kirchgemeinde

Den krönenden Abschluss bildet der Einblick in den Einsatz der reformierten Kirchgemeinde Stadlerberg. In den letzten drei Jahren wurde dort in beinahe 350 Arbeitsstunden unter anderem eine Blumenwiese und eine Ruderalflur angelegt, die jetzt, zwei Jahre nach Beginn der Arbeiten, in voller Blüte stehen – also Heimat für die tierischen oder pflanzlichen Mitbewohner der Kirchgemeinde sind.

Mit dieser positiven Bestärkung im Gepäck folgender Hinweis: In Zusammenarbeit mit Pro Natura bietet die Katholische Kirche im Kanton Zürich eine kostenlose Fachberatung für ökologische Grünraumentwicklung an – das Projekt heisst «Kirchliche Grünflächen aufwerten». So können sich interessierte Kirchgemeinden und Pfarreien beraten lassen, was für konkrete Massnahmen sie ergreifen könnten, um die Artenvielfalt zu fördern und das eigene Kirchenumfeld in das blühende Leben zu verwandeln.

Kirchliche Grünflächen aufwerten
Hier geht es zum Angebot
Kontakt:
Markus Staudinger, Nachhaltigkeitsbeauftrager Katholische Kirche 
nachhaltigkeit@zhkath.ch 
044 266 12 38