Kirche aktuell

Religion, Film, Gender Der Western im Wandel

Endlose Weiten, erbitterte Kämpfe und furchtlose Helden – diese klischeehaften Bilder laufen vorm inneren Auge ab, wenn das Wort «Western» fällt. Das dieses Genre auch Themen wie Gender, Religion und Erzähltradtionen auf besondere Weise verknüpft, eröffnet sich erst auf den zweiten Blick. Erstmals beleuchtet eine Tagung das Westerngenre mit der Perspektive auf Genderidentitäten und Diversität im Kontext von Religion.
05. April 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich

Kaum ein Filmgenre definiert Männlichkeit, Macht und moralische Ordnung so klar und zugespitzt, wie der Western. John Wayne oder Clint Eastwood zählen durch ihre Rollen als edler Kämpfer, einsame Cowboys oder coole Revolverhelden als Ikonen des «Wilden Westens».

Zudem bringt das Genre in seiner klassischen Ausprägung auch religiöse Motive wie Erlösung, Schuld und Gerechtigkeit auf die Leinwand. In jüngerer Zeit jedoch erfährt der Western eine bemerkenswerte Transformation. Jack Twist und Ennis del Mar, zwei starke Cowboys, die sich in «Brokeback Mountain» ineinander verlieben. Sara Rowell, alleinstehende Mutter eines Sohnes, die im Mittelpunkt der Western-Miniserie «American Primeval» auf Netflix steht. In den neuen Western werden Genderrollen gebrochen, religiöse Deutungsmuster hinterfragt und Diversität sichtbar gemacht. 

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Jake Gyllenhaal und Heath Ledger als verliebte Cowboys im 2005 von Ang Lee produzierten Film «Brokeback Mountain». Bild: Screenshot

Neuer Blickwinkel auf ein traditionelles Genre

Genau aus diesem Grund bietet sich der Western ideal als Thema für die Jahrestagung der Internationalen Forschungsgruppe Film und Theologie an. Organisiert von Religions- und Medienwissenschftlerin Marie-Therese Mäder, Theologe Charles Martig sowie Religionswissenschaftlerinnen Natalie Fritz und  Daria Pezzoli-Olgiati steht die Frage, wie religiöse und geschlechtliche Identitäten filmisch inszeniert, verhandelt und transformiert werden, im Zentrum der dreitägigen Veranstaltung. Neben Input von Fachpersonen werden Tagungsteilnehmende aktiv eingebunden, vor allem durch zahlreiche Möglichkeiten für den Austausch.

Dabei rücken sowohl die Produktion als auch die Rezeption von Filmen in den Blick. Im Fokus stehen Fragen wie: Welche Rolle spielen religiöse Vorstellungen bei binären Geschlechterbildern? Welche ethischen Bedeutungen tragen religiöse Darstellungen? Und wie werden religiöse Figuren im Film gezeigt?

«Wir schauen Filme und Serien der letzten zehn Jahre, die vorwiegend aus Europa stammen.»
(Marie Therese Mäder)

Ein wichtiger Schwerpunkt ist das Zusammenspiel von Filmgenre und Geschlecht. Der Western – traditionell mit einem sehr patriarchalen Gesellschaftsbild verbunden – dient dabei als Beispiel, um zu zeigen, wie Erzählweisen, kulturelle Muster und religiöse Deutungen ineinandergreifen.

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John Wayne in dem 1967 von Marvin Schwartz produzierten Film «The war wagon». Bild: Screenshot

Mit Ansätzen aus feministischer Filmtheorie, Psychoanalyse und Filmgeschichte lässt sich erkennen, was sich in der Darstellung von Religion und Geschlecht verändert hat – und was gleichgeblieben ist.

Offener Austausch nicht nur für Fachpersonen

Die Tagung lädt nicht nur Forschende und Lehrende aus Theologie, Religionswissenschaft, Gender Studies, Filmwissenschaft und verwandten Disziplinen ein, sich in einem interdisziplinären Rahmen auszutauschen, sondern auch Filmfreude mit Drang zum Wilden Westen.

«Die Tagungen sind immer sehr bereichernd, auch für Menschen, die nicht in der Wissenschaft tätig sind. Die diesjährige Tagung ist für alle spannend, die sich für die Themen Western, Gender oder Religion interessieren.»
(Marie Therese Mäder)

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Betty Gilpin steht als alleinerziehende Frau im Mittelpunkt der 2025 von Mark L. Smith produzierten Miniserie «American Primeval». Bild: Screenshot

Daten und Fakten
Fachtagung «Ich, Du und dazwischen das gelobte Land»
Religion, Gender und Western
Wann: 30. April bis 2. Mai
Wo: Paulus Akademie, Pfingstweidstrasse 28, 8005 Zürich
Anmeldung: bis Sonntag, 19. April, hier