Religion, Film, Gender Der Western im Wandel
Kaum ein Filmgenre definiert Männlichkeit, Macht und moralische Ordnung so klar und zugespitzt, wie der Western. John Wayne oder Clint Eastwood zählen durch ihre Rollen als edler Kämpfer, einsamer Cowboy oder cooler Revolverheld noch heute als Ikonen des «Wilden Westens».
Zudem bringt das Genre in seiner klassischen Ausprägung auch religiöse Motive wie Erlösung, Schuld und Gerechtigkeit auf die Leinwand. In jüngerer Zeit jedoch erfährt der Western eine bemerkenswerte Transformation. Jack Twist und Ennis del Mar, zwei starke Cowboys, die sich in «Brokeback Mountain» ineinander verlieben. Sara Rowell, alleinstehende Mutter eines Sohnes, die im Mittelpunkt der Western-Miniserie «American Primeval» auf Netflix steht. In den neuen Western werden Genderrollen gebrochen, religiöse Deutungsmuster hinterfragt und Diversität sichtbar gemacht.

Neuer Blickwinkel auf ein traditionelles Genre
Genau aus diesem Grund bietet sich der Western ideal als Thema für die Jahrestagung der Internationalen Forschungsgruppe Film und Theologie an. Organisiert von Filmwissenschaftlerin Marie Therese Mäder, Theologe und Filmwissenschaftler Charles Martig sowie Theologin und Gründerin der Forschungsgruppe Daria Pezzoli-Olgiati steht die Frage, wie religiöse und geschlechtliche Identitäten filmisch inszeniert, verhandelt und transformiert werden im Zentrum der dreitägigen Veranstaltung. Neben Input von Fachpersonen werden Tagungsteilnehmende aktiv eingebunden, vor allem durch zahlreiche Möglichkeiten für den Austausch.
Dabei rücken sowohl die Produktion als auch die Rezeption von Filmen in den Blick. Im Fokus stehen Fragen wie: Welche Rolle spielen religiöse Vorstellungen bei binären Geschlechterbildern? Welche ethischen Bedeutungen tragen religiöse Darstellungen? Und wie werden religiöse Figuren im Film gezeigt?
«Wir schauen Filme und Serien der letzten zehn Jahre, die vorwiegend aus Europa stammen.»
(Marie Therese Mäder)
Ein wichtiger Schwerpunkt ist das Zusammenspiel von Filmgenre und Geschlecht. Der Western – der traditionell mit einem sehr patriarchalen Gesellschaftsbild verbunden ist - dient dabei als Beispiel, um zu zeigen, wie Erzählweisen, kulturelle Muster und religiöse Deutungen ineinandergreifen.

Mit Ansätzen aus feministischer Filmtheorie, Psychoanalyse und Filmgeschichte lässt sich erkennen, was sich in der Darstellung von Religion und Geschlecht verändert hat – und was gleichgeblieben ist.
Offener Austausch nicht nur für Fachpersonen
Die Tagung lädt nicht nur Forschende und Lehrende aus Theologie, Religionswissenschaft, Gender Studies, Filmwissenschaft und verwandten Disziplinen, sondern auch alle Westernfans dazu ein, sich in einem interdisziplinären Rahmen auszutauschen.
«Die Tagungen sind immer sehr bereichernd, auch für Menschen, die nicht in der Wissenschaft tätig sind. Die diesjährige Tagung ist für alle spannend, die sich für die Themen Western, Gender oder Religion interessieren.»
(Marie Therese Mäder)
Das Ziel, Filme nicht nur als Objekte der Analyse, sondern als aktive Akteure gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse zu begreifen, wird durch ein ausbalanciertes Programm erreicht, bei dem sich Filmbetrachtung, Fachvorträge und Diskussion abwechseln.

Daten und Fakten
Fachtagung «Ich, Du und dazwischen das gelobte Land»
Religion, Gender und Western
Wann: 30. April bis 2. Mai
Wo: Paulus Akademie, Pfingstweidstrasse 28, 8005 Zürich
Anmeldung: bis Sonntag, 19. April, hier
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