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Baustelle Leben: Herausforderung und Weiterentwicklung

Fachmitarbeiterin Kommunikation
Gabriela Dudler
Gabriela Dudler
Wo man auch hinschaut: Überall versperrt mindestens eine Abschrankung den Weg. Kreuz und quer verteilen sich die Pendlerströme am Bahnhof Stadelhofen über den Platz. Manche haben eine klare Strategie, wie sie am schnellsten zur Tramhaltestelle kommen. Andere holen sich erst einmal eine Brezel und warten, bis sich der Strom von Menschen auflöst – bevor der nächste Zug aus der Agglomeration eintrifft.
03. Juli 2026

Egal, für welche Richtung man sich entscheidet: Irgendwo steht garantiert etwas im Weg und man muss einen Umweg in Kauf nehmen - im Leben genauso wie auf der Strasse. So geht es mir im Moment mit ganz vielen Dingen. Sei es auf meinen Lieblingsvelotouren: Da kann ich mittlerweile – SBB «MehrSpur» sei Dank – neun von zehn Strecken streichen. Kein Durchkommen mehr auf den angestammten Routen. Oder im Privaten, wo ich mich neu orientieren muss, das Leben plötzlich in anderen Bahnen verläuft und Gewohntes neu erfunden wird. 

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Ein kurzfristiges Bewerbungsgespräch an meinem Geburtstag Ende Januar hat meinen Tagesablauf komplett auf den Kopf gestellt. Was für ein tolles Geschenk, denn Mitte Februar durfte ich bereits bei der Kommunikationsstelle anfangen! 

Datenanalystin in der Kommunikation – das klang im ersten Moment nach einer grossen Herausforderung. Doch auf den zweiten Blick ist Datenanalyse letzlich genau das: Kommunikation mit und zwischen den Daten. Ich fühle mich in meiner neuen Rolle pudelwohl. Dass die befristete Stelle nun bis Ende Jahr verlängert wurde, freut mich riesig. Ein Daumenhoch für diese «Baustelle», die mir persönlich unglaublich viel Selbstvertrauen und Energie zurückgibt.

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Als Reformierte habe ich mich bislang nie intensiv mit der katholischen Kirche auseinandergesetzt. Natürlich informiere ich mich über das Geschehen in der Welt, doch Themen rund um die Kirche habe ich selten weiterverfolgt. Seit ich nun tagtäglich direkt involviert bin, beschäftigt mich umso mehr, wie auch heute noch mit Diskriminierung und Machtmissbrauch umgegangen wird – nicht nur in der katholischen Kirche. Diese riesige Baustelle wird wohl noch eine Weile bestehen bleiben. Es braucht weiterhin viel Aufarbeitung und Veränderung – und dass dies überhaupt notwendig ist, schmerzt mich sehr. Auch stellt sich mir die Frage, wie glaubwürdig eine Institution nach aussen wirkt, die «gleichwürdig» teils nur im Hintergrund unterstützt. Für mich ist das ein kompliziertes Thema, mit dem ich mich vermehrt auseinandersetzten will und muss. Ich versuche, keine halben Sachen zu machen - entweder richtig oder gar nicht.

Doch jeder Mensch hat seine eigene Landkarte und niemand sollte diese mit anderen vergleichen oder anpassen müssen. Irgendwie findet man miteinander immer eine Lösung, die füreinander passt - wenn man denn will!

Dazu passt doch gerade das Gebetsanliegen im Juli: Für die Achtung vor dem menschlichen Leben.

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Spannend, aber auch beängstigend sind für mich die Geschehnisse diese Woche rund um Ecône. Wie die Piusbruderschaft in einer aufgeklärten Gesellschaft agiert, wirft ernsthafte Fragen auf. Vor allem die hohe Zahl von Anhängern und Geistlichen ist erschreckend. Die starke Abgrenzung und der traditionelle Isolationismus schüren bei mir Ängste, was da wohl noch alles kommen könnte. Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, doch sie überschreitet Grenzen, wenn die persönliche Freiheit des Einzelnen unterdrückt wird. Auch die Kirche stösst hier kirchenrechtlich an ihre Grenzen. Welche Wirkung hat die Exkommunikation der beteiligten Geistlichen überhaupt? Die Betroffenen orientieren sich längst an den Werten ihrer eigenen Kirchengemeinschaft.

Umso wichtiger, dass staatliche Aufsichtsbehörden – insbesondere im Bildungswesen – genau hinschauen, um die Einhaltung demokratischer Werte und den Schutz von Jugendlichen zu gewährleisten.


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Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und doch geht jeder Glaube seinen eigenen Weg. Nächsten Samstag führt dieser Weg für viele Zürcher Katholikinnen und Katholiken zu Fuss, mit dem Velo oder den öffentlichen Verkehrsmitteln gemeinsam zur traditionellen Wallfahrt nach Einsiedeln. Lesen Sie hier im Interview mit Seelsorgerat-Mitglied Daniela Federer, welche Wege sie gerne neu gehen würde und was sie sich für die Wallfahrt wünscht.

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Wer die Wallfahrt verpasst, feiert am 5. Juli in Meilen «75 Jahre Pfarrei St. Martin» mit oder bringt einen faustgrossen, bunt gestalteten und witterungsbeständigen Stein in der Kirche St. Pirminius, Pfungen zum 125 Jahre Jubiläums-Gottesdienst mit grossem Fest vorbei.

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Der Frauenbund Schweiz interpretiert zum 10-jährigen Jubiläum «Kirche mit* den Frauen» den traditionellen Bischofsbesuch «Ad-limina» - den turnusgemäss vorgeschriebenen Besuch der Bischöfe beim Papst zur Berichterstattung über den Zustand ihrer Diözese -  neu. Vertreterinnen aus allen Schweizer Diözesen reisen vom 2. bis 5. Juli nach Rom, um die Anliegen von Frauen in der Kirche sichtbarer zu machen, sich mit dem Vatikan auszutauschen und Netzwerke zu knüpfen. Für Barbara Schmid-Federer ist dies eine zentrale Chance, kirchenpolitische Kontakte zu vertiefen.

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Noch bis Samstag, 4. Juli, steht die Installation der Caritas mit den Namensstreifen der über 72 000 an den Grenzen Europas umgekommenen Menschen um die Citykirche Offener St. Jakob. Ich bin letzte Woche an diesem Mahnmal vorbeigekommen und es hat mich so richtig geschüttelt – so viele Zettel in der heissen Stadtsonne. Ich mag gar nicht daran denken, was für einen schweren Weg all diese Menschen auf sich genommen und ihr Ziel am Ende doch nicht erreicht haben.

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Einen ähnlichen Weg mit glücklichem Ende hat Antony Winslows hinter sich. Seine Flucht aus Sri Lanka über Ex-Jugoslawien nach Italien und schliesslich in die Schweiz beschreibt er in seiner persönlichen Lebensgeschichte «Ein entwurzeltes Leben – der Weg der Tamilen in der Schweiz». Gewidmet ist dieses Buch seinem Retter in der Not: Reto Müller, Pfarrer der Liebfrauenkirche zwischen 1994 und 2006. Mein Bürogspändli Manuela Moser hat Antony Winslows interviewt; wie aus einem Flüchtling ein «Brückenbauer der Kulturen» wurde lesen Sie hier.

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Baustellen sind nicht nur Hindernisse. Sie können auch etwas Positives sein. Wir befinden uns im ständigen Prozess der Veränderung, des Umbruchs und der persönlichen Weiterentwicklung. Kein Mensch ist jemals vollkommen «fertig», sondern arbeitet kontinuierlich an und in verschiedenen Lebensbereichen. Die grosse Frage ist nur: Altes renovieren oder Neues aufbauen?

Ich wünsche Ihnen allen eine schöne Sommerzeit - möglichst ohne Baustellen und Stau.

Herzlichst,
Gabriela Dudler

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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