Frauenbund Schweiz 10 Jahre «Kirche mit* den Frauen»
Was bedeutet es für Dich persönlich und für den Frauenbund Schweiz, am Ad-Limina-Besuch in Rom teilzunehmen? Was möchtest Du mit dieser Reise erreichen?
«Ich habe grosse Ehrfurcht vor den Frauen, welche vor 10 Jahren nach Rom gepilgert sind, um ein Zeichen zu setzen für die Gleichberechtigung in der katholischen Kirche. Nun freut es mich, dass ich die Fackel übernehmen und mit einer Nachfolgereise nach Rom die Flamme weitertragen kann. Gerade in einer Zeit des Backlash ist es wichtig, dass Frauen aus allen Sparten das Feuer am Leben erhalten.»
Welche Bedeutung hat diese Reise aus Deiner Sicht für den Frauenbund Schweiz und sein Engagement für die Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche?
Der Frauenbund Schweiz hat unlängst beschlossen, dem Weltdachverband WUCWO als Vollmitglied beizutreten. Die Weltunion der katholischen Frauenverbände (WUCWO) ist das weltweit grösste Netzwerk katholischer Frauenorganisationen und vertritt Millionen von Frauen gegenüber dem Vatikan sowie in internationalen Gremien wie den Vereinten Nationen. Mit der Mitgliedschaft wollen wir unsere Stimme im internationalen Umfeld weiter verstärken. Ich werde in Rom die Generalsekretärin der WUCWO, Lavinia Rocchi Ferrari treffen und die gemeinsamen strategischen Schwerpunkte besprechen. Diese Zusammenarbeit stärkt unsere Arbeit, bringt neue Impulse und macht unsere Stimme in Kirche und Gesellschaft auch über die Landesgrenzen hinaus hörbar.»
Im Rahmen der Reise triffst Du unter anderem Schwester Nathalie Becquart, Untersekretärin des Synodensekretariats und eine der prägenden Figuren des weltweiten synodalen Reformprozesses, Schwester Linda Pocher, Theologin und Beraterin des Papstes zu Fragen der Rolle der Frau in der Kirche, sowie Linda Ghisoni, Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. Welche Hoffnungen verbindest Du mit diesen Begegnungen und Gesprächen im Vatikan?
«Diese Frauen in vatikanischen Schlüsselpositionen können Ihr Wirken nur entfalten, wenn sie ein weltweit spürbares Netzwerk an Frauen an ihrer Seite wissen. Dies gibt ihnen nicht nur wertvolle Inputs aus aller Welt, sondern es stützt auch ihre Position. Auf der anderen Seite ist es für uns Schweizerinnen wichtig zu erfahren, wo genau die Arbeit steht und welche Themen à jour sind. Der gegenseitige Austausch von Wissen und Erfahrung nährt beide Seiten für die zukünftige Arbeit.»

Hintergrund zehn Jahre «Kirche mit* den Frauen»
Die aktuelle Romreise findet anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von «Kirche mit* den Frauen» statt. Im Sommer 2016 pilgerten mehrere hundert Frauen und Männer rund 1'200 Kilometer von St. Gallen nach Rom. Als die Gruppe am 2. Juli 2016 den Vatikan erreichte, wurde sie von Hunderten Menschen empfangen. Auch wenn Papst Franziskus die Pilgergruppe damals nicht persönlich empfing, fand ihr Anliegen weit über die Schweiz hinaus Beachtung – unter anderem durch eine breite Medienberichterstattung und den Dokumentarfilm Habemus Feminas.
Die zentrale Botschaft der Bewegung ist bis heute unverändert aktuell: In der katholischen Kirche sollen Männer nicht länger ohne Frauen über Frauen und über die Zukunft der Kirche entscheiden, sondern mit Frauen. Der Ad-Limina-Besuch versteht sich als Fortsetzung dieses Engagements. Zehn Jahre nach der Pilgerreise werden die Anliegen erneut in den Vatikan getragen und mit Vertreterinnen der Weltkirche diskutiert. Gerade angesichts der weltweiten Reformdebatten innerhalb der katholischen Kirche sind internationale Partnerschaften und der direkte Austausch mit kirchlichen Entscheidungsträgerinnen sowie zivilgesellschaftlichen Akteurinnen von grosser Bedeutung.
Quelle: Frauenbund Schweiz
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