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Wir machen die Schotten dicht

Informationsbeauftragte
Saskia Richter

Schwerpunkte: Online-Kommunikation und Soziale Medien, Event-Management

Saskia Richter
Draussen glüht die Luft. Gleissendes Sonnenlicht verwandelt nicht nur Zürich in einen Backofen. Drinnen sitzen wir im Dunkeln und versuchen, uns mit Ventilatoren und viel Flüssigkeit ein wenig Kühlung zu verschaffen. Auch im übertragenen Sinne wurden in der Kirche diese Woche an einigen Stellen die Schotten dicht gemacht, während wir uns an anderen für nachhaltige Wege öffnen.
25. Juni 2026

Die grosse Hitzewelle, die Europa gerade überrollt, bietet eine ideale Gelegenheit wieder öfter einmal in die Kirche zu gehen. Während das Thermometer beim Messen der Aussentemperatur fast explodiert, herrschen in den meisten Kirchen und Klöstern angenehme 17 bis 24 Grad. Freut man sich bereits beim Eintreten in die Kirchenräume über die angenehme Kühle, lohnt es sich, beim weiteren Hinuntersteigen in Krypten oder etwa die Unterkirche in Einsiedeln etwas zum Überziehen dabei zu haben. Denn die dort Mitte Woche gemessenen 17 Grad können sich im Gegensatz zur aktuellen Hitze anfühlen wie das Betreten einer Kühlkammer.

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Eine gute Gelegenheit, sich nach Einsiedeln zu begeben, bietet die jährliche Zürcher Wallfahrt ins dortige Kloster am Samstag, 4. Juli. Da es bis dahin auch nicht mehr ganz so warm sein soll, macht der Weg dorthin sicher auch wieder mehr Freude. Unter dem Motto «Hören-Handeln-Hoffen» haben Sie die Wahl, sich per Pedes von verschiedenen Startpunkten aus, per Velo oder per Car in Richtung Einsiedeln aufzumachen. Eine gute Gelegenheit, den Alltag einmal bewusst zu unterbrechen, Gemeinschaft zu geniessen und Glauben zu leben.

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Nicht ganz so offen empfangen wurden letzten Freitag während des heftigen Unwetters in Zürich eine hochschwangere Frau und ihr Mann im Fraumünster. Während draussen Regen, Sturm und Hagel wüteten, suchten die beiden Schutz in der reformierten Stadtkirche. Statt ihnen Unterschlupf zu bieten, wurden sie jedoch aufgefordert, das Gebäude zu verlassen, wohl weil das Fraumünster geschlossen werden sollte.

Inzwischen hat sich die reformierte Kirchgemeinde öffentlich entschuldigt, die Mitarbeitenden hätten im Inneren der Kirche wohl die Lage falsch eingeschätzt und das Unwetter damit unterschätzt. Aber der Vorfall ist doch sinnbildlich für Frage, wie offen wir als Kirche wirklich sind.

Natürlich kenne ich mit Blick auf den Hergang im Frauenmünster nicht alle Details. Viele Situationen sind komplexer, als sie von aussen scheinen. Trotzdem, was bedeutet es konkret, wenn wir die Kirche als Schutzraum bezeichnen, als Raum, der jederzeit offen für alle ist. Und wenn dann wirklich mal ein Sturm tobt und jemand vor der Tür steht, diese geschlossen bleibt. Eine Frage, die sich bei Weitem nicht nur das Fraumünster stellen muss.

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Ebenfalls verschlossen zeigte sich die katholische Kirche Anfang Woche. Der Vatikan sprach sich deutlich gegen die Laienpredigt in der Eucharistiefeier aus. Die Absage war Antwort auf die Anfrage aus den Reihen der deutschen Bischöfe, die sich eine offizielle Erlaubnis auf etwas erhofften, das in der Praxis schon gang und gäbe ist. Was lernen wir aus der Sache? Nicht fragen, sondern einfach machen.

Auch bei uns in der Schweiz prägen Laien den kirchlichen Alltag entscheidend mit, besonders in den Gottesdiensten. Sie begleiten, gestalten, erklären, trösten, organisieren und übernehmen Verantwortung. Das Nein aus Rom ist nicht nur realitätsfremd, sondern ein echter Schlag ins Gesicht. Bleibt zu hoffen, dass unseren Laientheologinnen und -theologen und auch den Pfarrern, welche die Praxis der Laienpredigt schon vielerorts unterstützen, nicht «der Laden runter geht».

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Nicht einschüchtern lassen sich die zahlreichen LGTBQIA+-Gläubigen, die seit 22 Jahren den ökumenischen Pride-Gottesdienst zur Zurich Pride organisieren oder besuchen. Der Gottesdienst, der vergangenen Sonntag, 21. Juni, im Grossmünster stattfand, ist mittlerweile zur Tradition geworden bei schwulen, lesbischen oder queeren Menschen, die sich ihr Christsein nicht nehmen lassen wollen.
 
Leider zeigt sich gerade beim Thema Homosexualität, wie verschlossen die vermeintlich für alle offene und soziale katholische Kirche ist. Es stimmt mich traurig oder eher wütend oder vielmehr ratlos, wenn unter einem Instagram-Post zum Bistumstag eine hitzige, queerfeindliche Diskussion ausbricht. Und ich finde es bemerkenswert, dass sich viele Personen aus der LGBTQIA+-Community ihren Glauben nicht nehmen lassen und sich auch noch aktiv und mit Herzblut in der Kirche engagieren.

Dabei sollte es völlig egal sein, wie ein Mensch liebt. Sexualität ist Privatsache und hat weder am Arbeitsplatz noch sonst wo in der Öffentlichkeit jemanden zu interessieren. Denn sie hat ja keinerlei Einfluss auf jegliches Engagement. Trotzdem wäre es sicher einfacher, all seine Persönlichkeitsanteile frei ausleben zu können, anstatt sie, aufgrund der Angst ausgegrenzt oder sogar angegangen zu werden, verstecken zu müssen.

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 Offenheit war dafür in dieser Woche in Rom bei einer Konferenz zu spüren, zu der das Dikasterium für Interreligiösen Dialog junge Vertreterinnen und Vertreter der Dharmischen Religionen und des Christentums eingeladen hatte.

Die Begegnung von fünfzehn religiösen und spirituellen Traditionen war nicht von Konkurrenz geprägt, sondern vom Bestreben, den Zusammenhalt zu fördern und in einer zunehmend fragmentierten Welt eine gemeinsame Stimme zu entwickeln.

In diese Richtung geht auch der Traum vom katholischen Theologen Thomas Münch, der sich 37 Jahre für die Ökumene in der Stadt Zürich engagierte. Im Gespräch mit Sandra Leis vom Podcast Laut+Leis sagte er: «Ich träume von EINER Kirche, die unterschiedliche Prägungen hat. Bei der sich diese unterschiedlichen Prägungen miteinander einsetzen für Menschen, die am Rande stehen, die in Not sind oder die Menschen, die ihre Freuden teilen wollen. Das wäre meine Vision.»

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Kirche ist mehr ist als ein steinernes Gebäude, Kirche ist Lebensraum – ein Ort der Schutz, Begegnung und Wachstum ermöglicht. Das zeigt sich aktuell bei einem Projekt in St. Konrad. Im Rahmen unserer Grünraumberatung für Pfarreien und Kirchgemeinden werden kommende Woche Blumenwiesenziegel verlegt, die wir von der WWF-Zürich Aktion «Vision Europaallee» übernehmen können.

Wo sich sonst eine – mit Blick auf die aktuellen Temperaturen wortwörtliche – Betonwüste findet, erblüht temporär noch bis zum 28. Juni eine Wildblumenwiese unter zahlreichen Bäumen. Der WWF zeigt damit, wie Pflanzen die Stadt kühlen und die Naturvielfalt stärken.

In diesem Sinne, lassen Sie uns die Schotten öffnen und an einer nachhaltigen, offenen Kirche arbeiten.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende


Ihre Saskia Richter

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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