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Alltagsflucht

Fachmitarbeiterin Kommunikation
Leonie Maurer
Leonie Maurer
Egal wohin es geht, im Moment hört man vor allem eines: «Puh, ist das heiss.» Ganz besonders im vollgestopften ÖV, weil wieder ein Zug, Bus oder Tram ausgefallen ist. Da empfiehlt es sich, die Augen zu schliessen, an Meeresrauschen, einen frischen Wind oder einen blauen Bergsee zu denken.
19. Juni 2026

Eine mentale Form von «Alltagsflucht» - auch wenn eine richtige Alltagsflucht natürlich mehr hergibt. Also ein Ausflug in die Berge, an den Zugersee. Man sitzt zusammen, plant oder schickt sich den tausendsten Link zu einem Pedalo-Verleih, um den günstigsten ausfindig zu machen.

Dann gibt es noch das Umgekehrte: Wenn nicht die Alltagsflucht gesucht wird, sondern Flucht zum Alltag wird.

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Weltweit sind ungefähr 122 Millionen Menschen auf der Flucht. Um an sie und ihre Situation zu erinnern, findet jedes Jahr am 20. Juni der internationale Weltflüchtlingstag statt, der nationale Flüchtlingstag immer am dritten Samstag im Juni. Sie werden es vielleicht gemerkt haben – das ist morgen, die beiden Daten fallen dieses Jahr zusammen.

Gerade im Raum Europa wurde durch die Einführung von einem neuen Migrationspakt (GEAS) die Situation rund ums Asylrecht weiter verschärft. Für Personen auf der Flucht heisst das, noch schwierigere, noch gefährlichere Wege zu wählen und damit das eigene Leben für die Aussicht auf Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Oft enden diese Entscheidungen tragisch. Gerade Anfang dieses Jahres ereignete sich eine solche Tragödie: Durch den Wirbelwind Harry sind über 600 Menschen im Mittelmeer vor Tunesien verschwunden.

An ihre und ähnliche Schicksale erinnert die Aktion «Beim Namen nennen». Die Namen von Personen, die auf der Flucht verstorben sind, werden auf weisse Stoffstreifen geschrieben und an öffentlichen Orten anlässlich des Flüchtlingstages aufgehängt. Am Tag selbst werden die Namen dann vorgelesen. So wird sichtbar gemacht, wie viele Menschenleben wir bereits verloren haben – eine Dimension, die so kaum in der Öffentlichkeit präsent ist.  

Die Aktion findet diesen Samstag zum Beispiel bei der Citykirche offener St. Jakob hier in Zürich statt – dort werden 72'000 Namen im Wind wehen.

Auch in Winterthur wird an all jene gedacht, die ihr Leben auf der Flucht verloren haben: Neben den weissen Stoffstreifen wird am Samstag auf dem Kirchplatz mit Tanz, Musik und Gesprächen nicht nur die Erinnerung an all die tragischen Verluste am Leben gehalten, sondern es werden auch verschiedene Kulturen zum Leben erweckt.  

 

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Manchmal bieten verschiedene Kulturen und damit verbunden verschiedene Religionszugehörigkeiten aber auf andere Art und Weise Gesprächsstoff. Ein Thema, dass jetzt schon lange heiss diskutiert wird, ist die Debatte um Kopftücher an Schulen oder das Verbot ebendieser. Vor einer Woche wurde vom St. Galler Kantonsrat eine Motion zum Kopftuchverbot für Lehrerinnen gutgeheissen. Hier in Zürich wurde vom Regierungsrat die SVP-Motion «Keine Unterdrückung von Frauen und Mädchen an Zürcher Schulen und Kindergärten» entgegengenommen. Darin wird das Kopftuchverbot nicht auf Lehrpersonen begrenzt, sondern auf Schülerinnen ausgeweitet. Der Interreligiöse Tisch hat im Hinblick auf diese Entwicklung sehr klar und differenziert Position bezogen. Besonders schwierig erscheint, dass sich die Motion doch stark auf muslimische Gemeinschaften fokussiert und weniger auf religiöse Neutralität als Gesamtthema.

Diese Stellungnahme hat jetzt SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr in ihrem Blogbeitrag zur Thematik wiederaufgenommen. Unter dem treffenden Titel «Das Kopftuch und die Schule: grosses Thema, kleines Problem» erörtert sie verschiedene Szenarien und Möglichkeiten, wie gehandelt werden könnte. 

Religiöse Neutralität am Arbeitsplatz ist die eine Sache – gerade weil sich die Debatte in diesem Bereich so stark auf das Kopftuchtragen fokussiert, frage ich mich, ob der Dialog mit Frauen gesucht wurde, die tatsächlich Kopftuch tragen. Immer wird von «Unterdrückung» und «Befreiung» gesprochen – mir kommt es aber manchmal so vor, als würde dann doch wieder über die Köpfe hinweg entschieden werden.

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Bildung und die jüngere Generation war auch Thema bei der gestrigen Synode: Unter anderem wurde der jährliche Beitrag an die Freien Katholischen Schulen diskutiert und schliesslich festgesetzt. Neben den klassischen Traktanden wie Jahresbericht und -rechnung waren auch andere Punkte dabei, die zur Diskussion angeregt haben – hier können Sie einen detaillierten Einblick gewinnen oder sogar alles im Livestream nochmals nachschauen. 

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Vielleicht nicht unbedingt eine «Flucht» aus dem Synodenalltag, aber durchaus ein besonderer Moment war die Verleihung des Ethikpreises 2025 der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Vier ausgezeichnete Abschlussarbeiten aus dem ethischen Bereich wurden prämiert und um die Gewinnerinnen und Gewinner zu feiern, waren so viele Freunde, Familie und Gratulanten anwesend, dass ich mich für dieses Foto quer über die Tische im Rathausprovisorium Hard legen musste – keine Sorge, die Mikrofone haben die Ganzkörperaktion alle überlebt.

Alle prämierten Arbeiten waren beeindruckend und beleuchten sehr diverse, aber immer hochrelevante Themengebiete. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir aber ein Detail der Arbeit, die den Sonderpreis Kunst und Ethik gewonnen hat. Das Thema dabei war Müllkolonialismus, Wasteocene. Als Teil der Arbeit brachte der Verfasser Martin Wöllenstein Kostüm-Überbleibsel eines ghanaischen Karnevals mit dem Schiff bis nach Basel – hat den Spiess halt mal umgedreht.

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Ein anderer Grund zum Feiern bietet eine Entwicklung zum Thema Lassalle-Haus: Nach der definitiven Schliessung der Räumlichkeit im Mai findet die Idee hinter der Einrichtung nach wie vor Fortbestand – und ein neues Dach über dem Kopf. Die Zen-Meditationen werden seit dem 1. Juni in der City-Kirche in Zug angeboten. Das würde sich vielleicht für die eine oder den anderen als kleine Alltagsflucht anbieten.  

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Manchmal brauche ich nämlich auch eine kleine Alltagsflucht aus dem Büro hinaus. Den ganzen Tag in zwei Bildschirme schauen ist zwar körperlich nicht sehr anstrengend (ausser für meine arme Wirbelsäule, ich ähnle doch sehr einer Garnele beim Sitzen) – ab und zu werden dann aber die Augen müde oder man will sich bewegen. Dafür hatte ich Anfang dieser Woche sogar eine wunderbare Ausrede: Uns sind nämlich die Blachen der Reputationskampagne «miteinander – füreinander» zugestellt worden. Mit meinem «Bürogspändli» Gabi Dudler bin ich dann gleich ans Werk gegangen und habe die drei Schönheiten montiert – ein grosses Wort für das Benutzen von Kabelbindern.

Eine sehr symbolische Aktion für mich: In den vergangenen vier Monaten hier bei der Katholischen Kirche im Kanton Zürich durfte ich nämlich eine grosse Bandbreite an unterschiedlichen Aufgaben übernehmen, die verschiedensten Menschen kennenlernen und in eine Vielzahl von Arbeitsbereichen «reingüggseln» - sozusagen von der Maus zum Kabelbinder in der Hand und alles dazwischen.

Jetzt naht aber das Ende dieser spannenden Zeit. Dies ist mein letztes «Grüss Gott» und in diesem Sinne gilt es für mich bald, die Maus und den Kabelbinder niederzulegen und weiterzuziehen.

Darum an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Sie alle, dass Sie mich auf diesem Weg begleitet, kritisch gespiegelt oder mir Wichtiges mit auf den Weg gegeben haben.

Alles Gute und viele kleine und grosse Alltagsfluchten!

Ihre

Leonie Maurer

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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