Trallala und Weihrauch
Beeindruckt hat mich das Gespräch von Sandra Leis im Podcast «Laut + Leis» mit dem Zürcher Theologen Thomas Münch, der nach fast vier Jahrzehnten Seelsorgearbeit in der Limmatstadt im August seine Stelle an der reformierten Predigerkirche verlässt und in Pension geht. Acht Jahre wirkte Münch dort als katholischer Theologe im ökumenischen Seelsorgeteam. Sein Fazit: «Ökumene ist in der Gesellschaft längst Normalfall». Aber er verschweigt auch nicht seine Enttäuschung darüber, dass sein Traum von der «einen Kirche mit verschiedenen Traditionen» nicht nur noch immer nicht verwirklicht wurde, sondern durch die in jüngerer Zeit verstärkte Betonung der jeweiligen «Alleinstellungsmerkmale» der verschiedenen Kirchen wieder in den Hintergrund gerückt ist. Wie wahr. Wenn das Unterscheidende wieder wichtiger als das Gemeinsame wird, verkommt Ökumene zur Fassade.
Mit Ökumene gar nichts am Hut haben die schismatischen Pius-Brüder, die sich mit ihrer unerlaubten Bischofsweihe selbst ins kirchliche Abseits manövriert, in der Sprache des Kirchenrechts ausgedrückt sich selbst exkommuniziert haben. Auch pflegen sie unverdrossen den alten katholischen Antijudaismus und jeder interreligiöse Dialog ist eh vom Teufel, gleich wie Religionsfreiheit und allgemeine Menschenrechte. Wenn es ihnen nur um das schöne Latein ginge, wäre es ja alles kein Problem. Aber das ist eben auch nur Fassade, hinter der sich ein gefährlicher religiöser Fundamentalismus versteckt.
Je verwirrender die Welt wird, desto grösser die fundamentalistische Versuchung mit ihrem Rückzug auf vermeintlich einfache und ewige Wahrheiten – für alle Religionen. Allein mit einer Exkommunikation ist dieser Versuchung nicht beizukommen. Dafür braucht es mutiges Auftreten und überzeugende Botschaften. Vielleicht könnte ja bei einem künftigen Bistumstag neben/nach/mit dem Bischof auch eine reformierte Pfarrerin die Predigt halten und an der nächsten Wallfahrt auch ein paar Frauen mit all den Männern am Altar stehen…? Träumen darf man ja, hoffentlich auch gegen den Trend. Höchste Zeit, dass die Trompeten von Jericho mal wieder erschallen.
Überzeugende Antworten müssen wir als Kirche auch in Bezug auf einen ganz anderen gesellschaftlichen Trend finden, der sich unaufhaltsam ausbreitenden «Sterbehilfe» in Form von «Suizidbeihilfe». Ende September wird das Zürcher Stimmvolk über ein Referendum zu einen Kantonsratsbeschluss abstimmen, der Freitodbegleitung in allen Heimen und Spitälern ermöglicht. Auch hier ist die fundamentalistische Versuchung einer selbstdeklarierten «christlichen Position» nicht weit. Wer aber für sich reklamiert, «bei den Menschen sein» zu wollen, der muss auch deren Ängste, Schmerzen und Eigenverantwortung ernst nehmen – und im Ernstfall auch akzeptieren. Eine differenzierte Haltung nimmt die katholische Spitalseelsorge in ihrem «Positionspapier zum assistierten Suizid» ein. Sie traut sich auch, auf ungelöste Fragen in diesem heiklen Terrain hinzuweisen, die in der politischen Debatte oft überspielt werden. Weder ein billiges Ja noch ein trotziges Nein bringen uns hier weiter.
Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache. Einige von Ihnen haben vielleicht schon mitbekommen, dass wir auf der Kommunikationsstelle einen personellen Engpass haben. Die Suche nach einer Nachfolge für mich selbst (ich werde mich im nächsten Jahr in die Rente verabschieden) dauert länger als geplant, in Folge bleibt auch nach dem Weggang von Sibylle Ratz die Stelle der Stellvertretung noch unbesetzt. Unser Newsletter «Grüss Gott Zürich» wird deshalb vorläufig ausgesetzt. Meine Nachfolge wird dann im Herbst/Winter entscheiden, in welcher Form und mit welchen Inhalten der Newsletter künftig erscheint.
«Grüss Gott Zürich» hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem Markenzeichen entwickelt. Für einige ein ständiges Ärgernis, weil wir ungeschönt auch zu problematischen Themen Stellung bezogen. Für andere eine Wohltat in einem kirchlichen Umfeld, in dem kritische Stimmen weitgehend selbst verstummten oder zum Verstummen gebracht wurden.
Oft hörte ich die Kritik: «Ihr seid immer nur negativ!» Objektiv gesehen ist das blanker Blödsinn, denn es gab in den zehn Jahren nicht eine einzige Ausgabe, in der nicht auch gute, wertvolle, schöne Seiten des kirchlichen Lebens aufgezeigt wurden. Aber allein mit Botschaften à la «Judihui und Trallala, wir sind toll und bei uns ist alles super» lassen sich vielleicht Gummibärchen und Waschpulver verkaufen. Selbstbeweihräucherung mag das eigene Wohlbefinden stärken, aber für eine auch jenseits der Kirchen-Bubble glaubwürdige Kommunikation scheint mir das zu mager zu sein. Kritische Selbstreflektion, eine nicht durch Weihrauchschwaden vernebelte Sicht auf die Realität, kann zwar weh tun, tut aber auch Not!
Eines kann man «Grüss Gott Zürich» jedoch nicht vorwerfen, dass es nicht gelesen wurde.

Wie auch immer, in der einen oder anderen Form lesen und hören wir im Herbst wieder voneinander. Jetzt geniessen wir zuerst den Sommer und die Ferienzeit. Ein paar Anregungen zum Abschalten und Auftanken in Zürich finden Sie auf unseren Social-Media-Kanälen, schauen Sie unbedingt mal vorbei, es lohnt sich! Zum Start geht es zum Apéro hoch hinaus.
Im Namen des ganzen Teams der Kommunikationsstelle wünsche ich Ihnen eine erholsame, entspannte und friedvolle Ferienzeit.
Ihr
Simon Spengler

Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.
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Max Elmiger
Danke für Ihre vielen Beiträge in Grüss Gott. Die folgenden Überlegungen sind wohl eher für den Bischof gedacht, als für Sie. Trotzdem gute Besserung!
Gedanken, die mich beschäftigen.
„Recht auf Eucharistie“. wohl lange Zeit eine wichtige Forderung. Jetzt ist sie erfüllt, mit vielen Priestern aus aller Herren Ländern. Wo bleiben aber etwa die Gemeindebildung und die Förderung des einheimischen Klerus? Darüber, finde ich, müsste man nachdenken, und zwar rasch. Es darf nicht sein, dass Priester nur noch mit dem Sakramentenkoffer herumreisen (müssen). Das ist auch für die Priester unbefriedigend. Und im Büro warten, bis sich jemand dorthin verirrt.
Mein (vorläufiger) Lösungsansatz:
Priester, die hier Seelsorge betreiben, müssen, bevor sie als Administratoren eingesetzt werden können, erstens ein Jahr die Sprache von Grund auf lernen mit Abschluss und zweitens ein Jahr Schweizer Pastoraltheologie studieren sowie mit einer (selbstverfassten) Diplomarbeit an einem definierten Projekt aus der Seelsorge abschliessen. Während dieser Zeit würden sie als „mitarbeitende Priester)" angestellt. Das Bistum müsste dieses Angebot erst noch schaffen.
Einige Priester glauben, dass sie als „Missionare“ herkommen. Hier wird ein Begriff aus früheren Jahrzehnten verwendet.
Ich wünsche Ihnen eine gute Besserung.
Mit Gruss
Jakob Hertach, Dielsdorf
Herzlichen Dank
Elisabeth Henny
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