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Newsletter Die Kirche sind wir alle

Informationsbeauftragte des Generalvikars für die Kantone Zürich und Glarus
Manuela Moser

Manuela Moser
Drei Themen haben mich diese Woche beschäftigt: Ein Missbrauchsfall, die Reise von Papst Leo XIV. nach Spanien und die Erinnerung an unseren Bistumstag im Hauptbahnhof Zürich. Und über allem die Frage, wie wir Kirche sein wollen: in einer festlichen geschwisterlichen Atmosphäre.
11. Juni 2026

«Skandal in der reformierten Kirche der Westschweiz» titelte der Blick vor wenigen Tagen. In den Schlagzeilen steht eine Pfarrerin, die mehrere Frauen spirituell und sexuell missbraucht haben soll. Für einmal steht die reformierte Kirche unter Verdacht, wenn es um das Thema Missbrauch geht.

Damit setzt der Artikel etwas in Relation, das mich schon länger gestört hat: Dass Missbrauch in der öffentlichen Schwarz-Weiss-Wahrnehmung immer nur ein katholisches Problem ist.

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Missbrauch ist ein schlimmes Vergehen, unter dem die Opfer ein Leben lang leiden. Und bei Femiziden gar nach einer langen Leidenskette mit dem Leben bezahlen.

Missbrauch - Machtmissbrauch - kommt in der katholischen Kirche vor, aber nicht immer sind nur die zölibatären Kleriker die Täter. Er kommt in der reformierten Kirche vor. Er kommt in Sportclubs vor, in Schulen. Und sogar im innersten, verletzlichsten Kern unserer Gesellschaft, der Familie.

Jeder einzelne Fall ist schlimm und eine Katastrophe.

Die katholische Kirche in der Schweiz hat – nach ganz dunklen Jahren des Verschweigens und Vertuschens – eine Vorreiterrolle in Sachen Missbrauchsbekämpfung übernommen. Früh hat beispielsweise die Zürcher Kantonalkirche auf eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung gedrängt und die Untersuchung der Universität Zürich unterstützt.

Das Meldesystem «Kirche schaut hin» ist seit 2023 als niederschwelliges Angebot wirksam. Und das Bistum Chur verfügt über eine eigene Präventionsstelle mit Schulungen, Schutzkonzepten und Verhaltenskodizes.

Das darf auch einmal gesagt sein.

In diesem Zusammenhang begrüssen wir ganz herzlich unsere neue Kollegin Susanna Rodi-Giger, die ab sofort für die Bistümer Chur und Basel tätig ist. Zusammen mit ihrer Kollegin Dolores Waser Balmer, die für St. Gallen und Chur arbeitet, sorgt Rodi-Giger für eine noch stärkere Zusammenarbeit der Deutschschweizer Bistümer in Sachen Missbrauch.

Entscheidend wird selbstverständlich sein, dass diese Massnahmen langfristig wirksam bleiben.

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Tief beeindruckt hat mich die aktuelle Papstreise durch Spanien. Ich habe in Papst Leo XIV. einen Menschen gesehen, der ein offenes Herz für alle hat. Der zuhört, sich freut, der auf Menschen spontan und natürlich zugeht.

Wenn Sie wie ich auf den sozialen Medien unterwegs sind, haben Sie bestimmt auch Ihren Lieblingsmoment.

Für mich: Der Tanz der «Queen of Flamenco», Sara Baras mit ihrer Compagnie vor Tausenden Zuschauern in Madrid; die Rede des Schauspielers Antonio Banderas, der betonte, dass Kunst eine Alternative zu Gewalt sei und eine warnende Stimme gegen Ungerechtigkeit; sowie das Treffen mit den Jungen mit der Schweigeminute für die Opfer von Krieg und Leid.

Papst Leo XIV. wirkte dabei als Ruhepol der Menschlichkeit. Und forderte die jungen Leute auf: «Seid ein Funken einer neuen Menschheit».

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Ich möchte nicht verwegen klingen, aber ein bisschen haben mich die Bilder aus Spanien an unseren Bistumstag vor zwei Wochen am HB Zürich erinnert. Die Begeisterung, das Miteinander, die Feier, das Zusammenkommen.

Alles nur Show?

Ganz sicher nicht.

Ich glaube, wir haben es tatsächlich geschafft, als Kirche wortwörtlich unter einem Dach zusammenzukommen. Mit Bischof Bonnemain und dem Gottesdienst, mit den Dienststellen und Angeboten der Katholischen Kirche, die zeigen, was Kirche in der Gesellschaft leistet, von Aidsseelsorge über Caritas bis zur Schweizer Garde.

In ihrer Vielstimmigkeit und Unterschiedlichkeit, und einer hoffentlich weiter blühenden Toleranz füreinander.

Ich wünsche mir, dass wir uns dieses Bild bewahren. Und uns damit intern stärken. Und auch gegen aussen solidarisch sind. Mit unseren Mitgläubigen, mit unseren Mitmenschen, an unserem Arbeitsplatz.

Hier finden Sie Erinnerungen, die bleiben und den Medienspiegel. Auch die schöne Bildergalerie im Kirchenmagazin Forum (@danke!), die zeigt, wie vielfältig der Anlass war.

Im Kopf hängen geblieben ist bei mir auch ein Satz von Wirtschaftsprofessorin Margit Osterloh, die ich im Gespräch zu ihrem Wiedereintritt in die Kirche auf dem Podium befragen durfte. «Ohne Kirche fallen wir in ein ethisches Vakuum», sagte sie überzeugt. Und: «Gäbe es die Kirche nicht, müsste man sie erfinden.»

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Talkgast am Bistumstag war auch Werber David Schärer, der die aktuelle Reputationskampagne der Katholischen Kirche verantwortet. Unter diesem Stern ist auch das neue Foto für die Website der Exekutive der Zürcher Katholikinnen und Katholiken entstanden.

Die neun Mitglieder des Synodalrats winken einladend aus den Fenstern des C66 am Hirschengraben, zusammen mit dem neuen Mitglied Beat Auer (4. von rechts). Und an der Häuserwand hängen zwei der Blachen – ebenfalls Teil der Reputationskampagne – die weiterhin von Pfarreien zum Aufhängen bestellt werden können. Hier erfahren Sie mehr zur Bestellung der Blachen.

Nutzen Sie die Gelegenheit. Damit das Zeichen der Solidarität und das Bild einer starken, vielfältigen Kirche im ganzen Kanton sichtbar wird.

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Informieren Sie sich auch über das neue Personal in Chur. Hier fand am Montag die Installation von zwei neuen Domherren statt für das Bistum, Jochen Folz und Peter Aregger. Damit halten ein ehemaliger Schreiner und ein Schweizergardist Einzug ins 24-köpfigen Gremium, das nun fast vollständig besetzt ist.

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«Glauben und queere Identität sind kein Widerspruch», sagt Bruno Willi, Seelsorger und Leiter der HIV-Aidseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Er spricht im Interview mit kath.ch über Dialog, Zugehörigkeit und Hoffnung und lädt zum Auftakt der Pride heute, am 12. Juni, zum erstmals stattfindenden multireligiösen Pride Schabbat ein. An diesem nehmen Menschen aus dem Judentum, dem Islam, dem Hinduismus, dem Buddhismus und dem Christentum teil.

Hier finden Sie einige weitere Veranstaltungstipps auf unserer Website zum Pride Month Juni.

Eine weitere spannende Frage: Geht Feminismus und Religion zusammen? Das fragt das Forum und stellt den Dokumentarfilm, «Girls and Gods» (Österreich/Schweiz, 2025, Regie: Arash T.Riahi/Verena Soltiz) vor. Der Film verändert unserer Vorstellung von Macht, Glauben und Fortschritt, lautet das Versprechen. Ich würde sagen: Diesen Film muss man - und frau - gesehen haben.

 

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Ich schliesse diesen Newsletter mit einem letzten Bild, einem Moment, der mich berührt hat. Ein Hund war in einen Stausee in Kasachstan gefallen, die Fluten stiegen bedrohlich, wenn man dem Internet glauben darf.

Eine Gruppe mutiger junger Männer formten eine menschliche Kette, um den Hund zu retten. Heute, zehn Jahre später, wurde den Rettern am Ufer des Sees eine Bronzestatue gewidmet, als Symbol der Zivilcourage und des Miteinanders.

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 Wahr oder nicht. Die Aktion erinnert mich an die Worte von Bischof Bonnemain beim Gottesdienst am Hauptbahnhof:

«Hier – mitten im pulsierenden Leben des Hauptbahnhofes – können wir uns erneut für eine Diözese engagieren, die vorlebt, dass alle zu einem geschwisterlichen Fest eingeladen sind. Wir können beitragen, dass in unseren Familien und Partnerschaften öfter die Stimmung eines Festes herrscht. Wir können uns engagieren, damit am Arbeitsplatz, bei der Lehrstelle, der Schule niemand gemobbt, sondern alle für das gemeinsame Fest als wertvoll respektiert und anerkannt werden. Das politische Parkett, die gesellschaftlichen Anlässe, die Sportwelt, die Finanzplätze brauchen dringend eine festliche, geschwisterliche Atmosphäre.»
 
Die ganze Predigt von Joseph Maria Bonnemain können Sie hier nachlesen.

Machen wir in dieser Gesinnung weiter!
 
Ihre,
Manuela Moser


Ps. Am 4. Juli findet die alljährliche Zürcher Wallfahrt nach Einsiedeln statt. Kommen Sie mit! Zur Anmeldung für die verschiedenen Wegstrecken geht es hier.

Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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