Mehr als genug
Die grossen Sommerferien sind vorbei. Privilegiert diejenigen, die sich eine Auszeit leisten konnten und es sei allen zu gönnen. Sich dieser Möglichkeiten bewusst zu sein in unserem Leben, sollte wohl demütig und dankbar machen.
Trotzdem leben wir alle doch auch so, dass wir die Schöpfung belasten, gedankenlos mit ihr umgehen und mehr Ressourcen verbrauchen, als wir eigentlich dürften.
Nein, nein, es wird keine Moralpredigt, die ich hier niederschreiben will. Aber hinweisen möchte ich darauf, dass die christlichen Gemeinschaften eben diese Schöpfung in den nächsten fünf Wochen vom 1. September (Weltgebetstag für die Schöpfung) bis zum 4. Oktober (Gedenktag Heiliger Franz von Assisi) in den Fokus rücken.
Die diesjährige Schöpfungszeit wird unter dem Motto «Mehr als genug» in den Pfarreien und Kirchgemeinden gelebt und gefeiert. Der Verein oeku stellt dafür verschiedene Materialien zur Verfügung.
Auf der Website sind auch interessante Rezepte gegen Food Waste zu finden. Es geht um einen bewussten Umgang mit der Fülle, die wir in unserem Leben haben und darum, das Bewusstsein der Menschen für die Umwelt zu stärken.
Am 6. September findet im Kloster Fahr der Regionale Schöpfungstag statt. Schauen Sie auch bei Ihrer Pfarrei, ob und was da so läuft. Bereits zum Vormerken: der Impulstag vom 24. September zum Thema «Esskultur bewegt» in Zürich.
Die Verwaltung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich setzt sich ebenfalls immer wieder mit dem Thema Ressourcen und deren Nutzung auseinander. Diese Woche konnte die Körperschaft die Auszeichnung zum «Grünen Güggel» entgegennehmen.
In kleiner Runde wurde zusammen mit dem engagierten Team der Verwaltung, das sich dafür eingesetzt hat sowie die ganzen Audits vorbereitet und organisiert hat, gefeiert. Markus Staudinger, Nachhaltigkeitsbeauftragter, durfte von Feyna Hartman vom Verein oeku das Zertifikat für die Körperschaft entgegennehmen.
Vor dem Beginn der «Schöpfungszeit» steht noch der Caritas-Sonntag an. Dieses Jahr sammelt er in der Kollekte unter dem Motto «Ja zu einer Welt ohne Armut» für entsprechende Projekte.
Caritas Schweiz mit ihren Partnerorganisationen setzt sich im Inland und rund zwanzig Ländern dafür ein, die Lebensbedingungen von armutsbetroffenen Menschen zu verbessern und Armut nachhaltig zu bekämpfen. Das hat sicherlich unsere Unterstützung verdient.
Über die knapp zwei Sommermonate ist viel in der Welt passiert und auch in der Kirche. Alles aufzählen geht gar nicht und würde den Rahmen dieses Newsletters sprengen. Hängengeblieben über diese Wochen sind hoffentlich viele schöne Begegnungen, Austausch, Gemeinschaft mit Menschen, die Sie lieben.
Ich durfte solche Treffen erleben mit Freunden, Familie, Bekannten und Unbekannten. Denn, es funktioniert: Man kann durchaus auch im Alltag mit Fremden ins Gespräch kommen und wird erstaunt sein, wie gut es klappt. Einfach mal ausprobieren beim nächsten Kafi!
Es ist ein Kommen und Gehen auf dieser Welt. Für uns alle ist Zeit auf dieser Erde begrenzt. Vielleicht mussten auch Sie einen geliebten Menschen gehen lassen. Erinnern möchte ich an dieser Stelle insbesondere an Albin Reichmuth. Er war Mitgründer der IG-M!Ku. Nach schwerer Krankheit verstarb er Mitte August im Alter von 78 Jahren.
Seit dem Beginn meiner Arbeit bei der Katholischen Kirche ist das Thema Missbrauch omnipräsent und begleitet mich. Ich habe Albin Reichmuth leider nicht mehr persönlich kennengelernt.
Aber ich habe höchsten Respekt vor seiner Geschichte und vor dem Einsatz der Mitglieder der Arbeitsgruppe IG-M!Ku. Wir alle sind in der Pflicht hinzuschauen. Und diese Pflicht wird auch nie aufhören.
Dass das Thema «Missbrauch» nicht nur die Katholische Kirche im Kanton Zürich betrifft, zeigt auch der Kanton St. Gallen. Er hat einen «Kompass zum Umgang mit Machtmissbrauch im religiösen Kontext» im Rahmen der St.Galler Konferenz zu Fragen von Religion und Staat erarbeitet.
Im Juni hat in St. Gallen eine Tagung zu Machtmissbrauch im religiösen Kontext stattgefunden. Die Referate können auf der Website nachgehört und nachgeschaut werden.
Unter anderem findet schon am 8. September in der Paulus Akademie Zürich der Anlass «Grenzen des Heiligen», organisiert durch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz, statt und am 11. September, ebenfalls in der Paulus Akademie Zürich, ist die Veranstaltung «Gemeinsam gegen Missbrauch, Ökumenische Perspektiven für wirksame Schutzkonzepte» angesagt.
In wenigen Tagen, in wenigen Wochen kann sich viel verändern. In uns selbst, in unserem Umfeld, auf der Welt. Dazu muss ich keine Beispiele nennen.
Im kirchlichen Umfeld hat sich Folgendes geändert: Charles Martig, ehemals Direktor und Leiter von kath.ch, des Katholischen Medienzentrums, und danach in Bern tätig beim Pfarrblatt, geht frühzeitig in Pension.
Das Medienzentrum seinerseits verlässt die bisherigen Räumlichkeiten und zügelt nach Altstetten.
Ob es beim Kloster Einsiedeln zu Veränderungen kommt, wird sich erst in den nächsten Tagen oder Wochen zeigen. Morgen Samstag ist die Amtszeit von Abt Urban Federer vorbei, beziehungsweise es steht eine Wahl bevor. Es braucht dann nach der Wahl noch eine Bestätigung aus Rom.
Gibt es nochmals eine weitere Amtszeit für Federer oder gibt es einen neuen Klostervorsteher? Die Zeichen stehen aber eigentlich günstig, dass er wiedergewählt wird.
Als Leuchtturmprojekt wurde kürzlich die Spitalseelsorge im Kanton Zürich auch in deutschen Medien erwähnt. Christentum und Islam stehen gemeinsam am Krankenbett, was keine Selbstverständlichkeit ist, aber in Zürich eben dank der langjährigen Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften bestens funktioniert. Sabine Zgraggen, unsere Leiterin der Klinik- und Spitalseelsorge wird ebenfalls erwähnt. Lesenswert!
Ich komme zurück auf die Schöpfungszeit: Dieses Wochenende ist die Klimakrise auch «Chefsache». Gestern und heute ist Wien Schauplatz eines hochrangigen internationalen Klima-Gipfels mit Fokus auf regionale und lokale Strategien zum Umgang mit der Klimakrise. Mitveranstalter sind unter anderem die Päpstliche Akademie der Wissenschaften (PAS) und die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften (PASS).
Dabei hat Kardinal Turkson bereits zu mehr Solidarität aufgerufen. Mal schauen, ob daraus auch Handlungen entstehen. Aber wir selber haben es mit unserem täglichen Tun auch in der Hand.
Das Schreiben des Newsletters beschäftigt mich jeweils mehrere Tage in der Woche, in der ich Autorin sein darf. So habe ich die Themen herausgepickt, die ich mit Ihnen teilen wollte. Heute Morgen bin ich dann noch auf zwei weitere Themen gestossen, die ich Ihnen zum Schluss nicht vorenthalten möchte.
In Mexiko Stadt hat ein Bischof mit einer anglikanischen Priesterin konzelebriert. Aufreger oder Freude, dass Geschwisterlichkeit möglich ist? Der Anlass erinnert mich an den Beginn meiner Tätigkeit in Zürich. Hoffentlich wird das Miteinander in Zukunft wichtiger als das Gegeneinander.
Denn auch gerade heute gelesen und ein hoffentlich freudiger Anlass: Papst Leo XIV plant am 13. September auf dem Petersplatz ein grosses Konzert unter dem Zeichen und dem Aufruf zu «Geschwisterlichkeit». Wenn etwas göttlich ist in unserem Leben, dann ist es Musik, die so viel bewegen kann, egal, in welcher Verfassung wir sind. Da wäre ich auch gerne dabei. Geht grad nicht, da ich noch andere Verpflichtungen in meinen Leben und in Zürich habe.
Aber in Zürich selbst läuft auch an diesem Wochenende viel, mehr als genug. Es gibt Dutzende Veranstaltungen, an denen ein Miteinander möglich ist, Begegnungen aller Art. Aber auch Ruheinseln und Orte der Stille, wie in einer Kirche - oder an der Ausstellung zum Turiner Grabtuch in Maria Lourdes in Zürich-Seebach.
Nutzen Sie die Zeit für sich und Ihre Liebsten!
Mit herzlichen Grüssen
Sibylle Ratz
Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.
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