Über uns

Grüss Gott Zürich Wanderung durch den Advent

Bereichsleiter Kommunikation des Synodalrates
Simon Spengler

Gesamtverantwortung Kommunikation. Katholischer Theologe und Journalist.

Author
Advent heisst bekanntlich Ankunft. Aber um ankommen zu können, muss man sich zuerst auf den Weg machen.
06. Dezember 2019 / 1 Kommentar

Schlendern wir also ein wenig durch die erste Woche dieses Advents.

Wir starten da, wo Zürich nicht zürcherischer sein kann, auf dem Münsterhof. «Tanzen die Tango?» «Nein, die küssen sich.» «Ist das echt eine Weihnachtskrippe?» Solche und ähnliche Kommentare hörten meine Kolleginnen und Kollegen und ich selbst an unserem Stand am neuen Weihnachtsmarkt. Und alles, was die Passanten in die Spiegelkrippe hineinsehen, sehen sie richtig.

Auch die Zusatzfrage: «Das kommt von der katholischen Kirche?» kann ich nur bejahen, selbst wenn sie eigentlich so gemeint ist: «Darf man Maria und Josef so zeigen?» Ja, man darf, ja, man sollte. Gott ist Mensch geworden, das ist Weihnachten. Der Menschensohn ein Kind von sich liebenden Eltern aus Fleisch und Blut. Du und Ich werden zum Wir. Mir graut jedenfalls vor der Vorstellung, Maria und Josef hätten sich nie geküsst. Wäre ja schlimm! Geben wir also der Liebe mehr Raum. Das ist dann Kirche.

Die Krippe spiegelt übrigens bis Weihnachten dort das göttliche Licht zurück in die Gesichter der Betrachter. Der Caritas-Shop daneben bleibt nur noch bis Sonntag. Wer noch nicht dort war, mache sich auf den Weg.

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Ziehen wir weiter zum Rathaus. Dort beschloss am Donnerstag die Synode das Jahresbudget. Spannender als dieses waren die einleitenden Worte der Synodalin Edith Wüst aus Dielsdorf. Mit Worten des Dichters Peter Schütt fragte sie keck, was wohl geworden wäre, wenn`s in der Krippe ein Maiteli gegeben hätte statt einen Buben. Wie sähe dann wohl unsere Kirche aus? Ob wirklich alles besser rausgekommen wäre? Da war sich auch Edith Wüst nicht sicher. Am bestens wären deshalb Zwillinge gewesen, ein Mädchen und ein Junge. Nun, es kam anders. Aber Edith Wüsts Wunsch bleibt aktuell: Dass sich Frauen und Männer für Gleichberechtigung in der Kirche engagieren. Im Namen des Kindes in der Krippe.

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Weiter geht’s zum Central. Hier wartete am gleichen Tag die TV-Predigerin und Zürcher Theologin Veronika Jehle. Auf was? Na, dass sie endlich kommt, die Gleichberechtigung in der Kirche. Den ganzen Tag harrte sie aus und wartete in der Kälte der Gegenwart. Jeden Donnerstag im Advent will sie dort weiter öffentlich-provokativ warten. Ob sie nächste Woche Gesellschaft hat? Ich möchte nur hoffen, dass sie beim Warten nicht erfriert oder den Mut verliert, denn sie wird noch einige Kirchenjahre ausharren müssen. Aber man bzw. frau weiss ja nie…

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Derweil hüpfen wir (im Geiste, nicht im Flieger!) schnell über den grossen Teich. Dort macht ein Ex- Berufskollege Veronika Jehles neue Schlagzeilen. Erzbischof Fulton Sheen (1895-1975) war seinerzeit mit seinen TV-Predigten der populärste Katholik der USA. Am 21. Dezember hätte der Kirchenstar zur Ehre der Altäre erhoben werden sollen. Die Tickets für den Fest-Gottesdienst waren schon verkauft (wir sind in der USA), als die vatikanische Bombe platzte: Die Seligsprechung wird annulliert, die Akte Sheen in Rom nochmals genau geprüft.

Potzdonner, so was gabs glaub in der ganzen Kirchengeschichte noch nie! Da soll ein berühmter Bischof selig gesprochen werden, und dann wird die Party ohne Angabe von Gründen wieder storniert. Für so eine Ungeheuerlichkeit kann es eigentlich nur einen Grund geben. Sie ahnen es schon - aber lassen wir das Spekulieren.

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Zurück in Zürich besuchen wir heute Abend das Grossmünster. Hier kommen um 17 Uhr in einer öffentlichen Vergantung die Zwingli-Figuren unter den Hammer, welche die letzten Monate das Stadtbild bereicherten. Sie suchen schon lange ein XXL-Weihnachtsgeschenk? Bieten Sie mit, ab 1000 Franken sind Sie dabei (der Erlös geht selbstverständlich an einen sozialen Zweck). Frei nach dem Motto: Zwingli-Riesen statt Garten-Zwerge.

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Einen kurzen Abstecher wagen wir in den Aargau. Der örtliche Präsident der katholischen Landeskirche Luc Humbel tritt Ende Jahr turnusgemäss als Präsident der röm.-katholischen Zentralkonferenz zurück. Für sein Engagement sei ihm von Herzen gedankt. Bedenkenswert seine Abschiedsworte zum «dualen System»: «Schön wäre es, wenn schon bald auf diese Begrifflichkeit verzichtet werden könnte, weil die partizipative Mitwirkung der Gläubigen nicht weiter «dual» gedacht und gelebt würde, sondern als Ausdruck zum Miteinander in der einen Kirche.» Also synchron gemeinsam statt dual nebeneinander. Hoffen wir, dass seine Nachfolgerin Renata Asal-Steger dieser Vision ein wenig näher kommt. Ihr dafür nur beste Wünsche.

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Von Bern macht sich derzeit der Theologe Csongor Kozma auf nach Zürich, um im Sommer Direktor der neuen Paulus Akademie zu werden. Er übernimmt dann ein tip-toppes neues Haus, das aber noch mit Leben gefüllt werden muss. Jammern über die da oben oder schimpfen über die da unten können wir in der Kirche prima. Aber debattieren fällt uns schwer. Hier hätte die Paulus Akademie eine wichtige, aber auch schwere Aufgabe. Ich wünsche Dir, mein Studienfreund Csongor, viel Mut und Freude an der Auseinandersetzung. Komm gut an in Zürich!

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Unsere adventliche Wanderung nähert sich dem Ende. Den Abstecher nach Dietikon zur Dienstwohnung von Weihbischof Eleganti spare ich mir. Sein Nein zur Ausweitung der Antirassismus-Strafnorm auch auf öffentliche Hetze gegen Homosexuelle erspare ich Ihnen und mir. Da sind Hopfen und Malz bzw. Myrrhe und Weihrauch verloren.

Wer noch nicht müde vom Wandern ist, dem seien die «Spirituellen Wege der Schweiz» empfohlen. Norbert Bischofberger hat neu ein Buch zu seiner gleichnamigen TV-Reihe herausgebracht, lesens- und wandernswert. Und ein weiterer Tipp für den Christbaum für jene, die für Zwingli-Figuren keinen Platz haben.


Ich wünschen Ihnen einen schönen Samichlaus-Abend und dann einen gesegneten zweiten Adventssonntag. Und nun der letzte Tipp: Beim Plätzchen-Backen vergeht die Zeit des Wartens im Nu.

Ihr Simon Spengler

 

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.