Farbenfrohe Vielfalt
Eine junge Amerikanerin wurde Anfang der Woche zur Kommunikationschefin im Vatikan ernannt. Die gebürtige 39-jährige Mexikanerin María Montserrat Alvarado ist die erste Laiin und erst die zweite Frau an der Spitze einer Vatikanbehörde. Ihre Ernennung zur Präfektin des Kommunikations-Dikasteriums durch Papst Leo XIV. ist nicht ganz unumstritten.
Die Ernennung einer hochqualifizierten Laiin, die als ultrakonservativ und papstkritisch verortet wird, zur Leiterin der Behörde für Kommunikation der Verwaltung des Heiligen Stuhls ist sicher symbolträchtig. Es wird sehr spannend zu sehen, wie sich die Kommunikation des Vatikans entwickelt, wenn Montserrat Alvarado ab kommendem November die Verantwortung für die Koordination der Kommunikationsmaschinerie vom bisherigen Leiter Paolo Ruffini vollständig übernehmen wird.
Auch bei uns in Zürich tritt eine Frau in Kürze eine verantwortungsvolle Position an. Ab 1. August wird Susanna Rodi-Giger neue Präventionsbeauftragte in den Bistümern Chur und Basel.
Mit 60% wird die 52-jährige Rodi-Giger die aktuelle Beauftragte Dolores Waser Balmer in der Präventionsarbeit im Bistum Chur unterstützen. 20% wird sie für das Bistum Basel in der Prävention tätig sein. Damit sind ihre Pensen ähnlich aufgeteilt, wie die von Waser Balmer, die mit 50% als Präventionsbeauftragte im Bistum Chur angestellt ist und sich mit 20% bei der Fachstelle Prävention in St. Gallen engagiert.
Durch diese Konstellation wird auch die engere Zusammenarbeit der drei Deutschschweizer Bistümer Chur, Basel und St. Gallen im Bereich Prävention gestärkt. Ein wichtiger Schritt in der Missbrauchsprävention, der hoffentlich auch Transparenz fördert.

Die einen kommen, die anderen gehen. Nachdem es zu Beginn des Newsletters um neue Gesichter in der Kirche ging, möchte ich nun zu zwei Persönlichkeiten kommen, welche die Katholische Kirche im Kanton Zürich in den vergangenen Jahrzehnten massgeblich mitgeprägt haben.
Nach acht Jahren in der Kirchenpflege, davon sieben als Präsident, ist am Dienstag Hans Hollenstein von seinem Amt als Kirchenpflegepräsident in Winterthur zurückgetreten. Nachfolger wird Dr. iur. Markus Winkler.
Auch nach seiner aktiven Zeit als Politiker im Winterthurer Stadtrat und als Regierungsrat des Kantons Zürich, lag Hollenstein das Zusammenleben unserer Gesellschaft am Herzen. In den Jahren, in denen er sich in der Kirchenpflege engagiert, brachte er deshalb zahlreiche gesellschaftsdienliche Projekte ins Rollen.
Mir wird Hans Hollenstein in sehr guter Erinnerung bleiben. Unter anderem durch die Zusammenarbeit für einen Artikel über «Das zweite Grab des Mönches» Heinrich von Linz. Die Organisation eines würdigen Grabes für den Konventsgründer des Klosters Beerenberg bei Winterthur war eine Passion Hollensteins, für die er sich jahrelang einsetzte.
Vielen herzlichen Dank lieber Hans für Dein engagiertes Wirken zugunsten der katholischen Kirche in Winterthur und für Dein mehrfach positives Feedback zu meiner Kommunikation! Markus Winkler gratuliere ich herzlich zur Wahl und wünsche einen guten Einstieg.
Einen weiteren Abschied feierte am Samstag der katholische Seelsorger und Theologe Thomas Münch. Nach rund 37 Jahren im Dienst der katholischen Kirche der Stadt Zürich zelebrierte er gemeinsam mit langjährigen Kolleginnen und Kollegen einen ökumenischen Festgottesdienst in der Predigerkirche, mit dem er sich in den Ruhestand verabschiedete.
Münch war sehr engagiert in der Erneuerung der Kirche. Zudem gehörte die ökumenische Zusammenarbeit zu seinen Herzensprojekten. Rückblickend auf seine Zeit im Dienst der Kirche merkt Münch an, dass wir als römisch-katholische Kirche zu sehr um uns selbst kreisen. Lösungsansätze wie Kooperationspartnerschaften, Zusammenarbeit über Pfarrei-, Kirchgemeinde-, Konfessions- und Religionsgrenzen scheinen immer noch Zukunftsmusik.
Ein wenig heraus gewagt aus unserer Kirchen-Bubble haben wir uns vergangenen Sonntag mit einem grossen Glaubensfest im Zürcher Hauptbahnhof. Mitten unter den Menschen feierten rund 5000 Gläubige zusammen mit Bischof Bonnemain im Trubel der grossen Halle zwischen Kommenden und Gehenden die Eucharistie. Mit dabei waren fast 140 Ministrantinnen und Ministranten aus dem gesamten Kanton.
Wer aus irgendeinem Grund nicht dabei sein konnte oder die Emotionen des Tages nochmals aufleben lassen möchte, kann den Bistumstag in der Aufzeichnung des Livestreams nochmals Revue passieren lassen oder einzelne Momente in der Bildgalerie anschauen.
Der Bistumstag ist nun vorbei. Die Idee des Tages, beziehungsweise des gesamten Bistumsjahrs, gilt es nun weiterzutragen. In den Worten von Bischof Bonnemain: «Wir sind alle nach wie vor Trägerinnen und Träger der Hoffnung und Freude Gottes. Es gilt nicht stehen zu bleiben, sondern unterwegs zu sein, bis das Festhaus des Lebens so gut gefüllt ist wie die Halle im Zürcher Hauptbahnhof».
Als katholische Kirche in einem doch relativ protestantisch geprägten Kanton wie Zürich, kommt es manchmal zu ungewöhnlichen Situationen. So verbrachten die meisten Mitarbeitenden der Körperschaft das gestrige Fronleichnamsfest im Büro.
Während in Kantonen mit überwiegend katholischer Bevölkerung das Fest zur Erinnerung der Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie als gesetzlicher Feiertag gilt, war im protestantischen Zürich ein ganz normaler Arbeitstag.

Apropos Arbeit: Nicht alle Menschen haben das Glück, genügend Geld für sich und ihre Bedürfnisse zur Verfügung zu haben. Zu ihrem 100. Geburtstag hat die Caritas deshalb eine kreative Aktion zur Unterstützung sozialer Projekte ins Leben gerufen.
Nach dem Vorbild der Fontana di Trevi in Rom wird der Brunnen auf dem Zürcher Münzplatz noch bis zu den Sommerferien zum «Glücksbrunnen» zugunsten armutsbetroffener Menschen. Wer eine Münze in den Brunnen wirft, leistet einen Beitrag an ein soziales Projekt der Caritas und erhält obendrauf ganz viele Karmapunkte.
Also auf zum Münzplatz und schnell eine Münze über die Schulter geworfen!
Wie die Zukunft der Kirche aussehen wird, können wir heute noch nicht wirklich voraussagen – auch nicht per Wunschmünze. Worte, die wir immer wieder nutzen sind «offen», «bunt», «transparent». Doch neben Worten braucht es auch Taten. Nun liegt es an uns allen, sie zu vollbringen.
Damit bin ich fast am Ende meines bunten Themenregenbogens. Noch zwei ganz besondere Veranstaltungstipps für die kommende Woche auf den Weg:
- Am Sonntag, 7. Juni, ist der chilenische Schönstatt-Pater José Luis Correa Lira zu Gast in der Dreifaltigkeitskirche in Tann und berichtet über seine Erfahrungen in Kuba
- Am Freitag, 12. Juni, findet im Rahmen der Zurich Pride ein Multireligiöser Pride-Schabbat in der Jüdisch Liberalen Gemeinde Zürich statt
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein angenehmes, und vielleicht auch vielfältiges, Wochenende.
Ihre Saskia Richter

Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.
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