Kirche aktuell

Bistumstag am HB Zürich Mitten unter den Menschen

Über ein Jahr war der Bistumstag in Planung: Zahlreiche Stunden haben sich das OK, verschiedenste Akteure, Dienststellen und Pfarreien mit dem Programm, den Ständen, dem Gottesdienst auseinandergesetzt. Mit dem Glockengeläut im Grossmünster am Sonntagabend ist er jetzt vorbei, der Bistumstag – er wird allen aber noch lange in Erinnerung bleiben.
31. Mai 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich

Auf 10 Uhr war der offizielle Start am Sonntag, 31. Mai, in der Bahnhofshalle gelegt. Während noch Stände eingerichtet, Bänke aufgestellt und die Technik getestet werden, stehen vor dem rot-weissen Absperrband schon unzählig viele Leute.

Als um 10.30 Uhr die Eucharistie-Feier mit Generalvikar Luis Varandas und Bischof Joseph Maria Bonnemain beginnt, muss zwischen den Ständen vom Welcome-Team der Veranstaltung zuerst einmal Platz geschaffen werden: «Bitte uf d’Siite» hört man von überall, sogar einer der anwesenden Schweizer Gardisten eilt zur Hilfe – ohne Hellebarde natürlich. Dann geht es auch schon los und eine Welle aus Weiss strömt mitten durch die Stände. Es sind 140 «Minis», also Ministrantinnen und Ministranten, die vom Zwischenstock her gemeinsam mit Generalvikar, Bischof und allen anderen Beteiligten einziehen.

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Kirche ganz jung

Die Ministrantinnen und Ministranten kommen aus den verschiedensten Gebieten im Kanton Zürich. Sie tragen Schilder ihrer jeweiligen Pfarrei bei sich, organisiert wurde das Ganze durch die Jugendseelsorge.

Nicht nur die 140 «Minis» zeigen, dass Kirche ganz jung geht: Auch das Welcome-Team, das tatkräftig bei der Organisation mithilft, setzt sich aus Mitgliedern des Jugendrates oder von Adoray zusammen, einige befinden sich kurz vor der Firmung. Sie alle tragen lilafarbene T-Shirts, auf deren Rückseite steht: «Was glaubst du» oder «Was hoffst du» - selbst designt. Die Botschaft funktioniert (fast) ganz ohne Worte: Auch wir sind hier, sind ein Teil des Ganzen.

Ein wahrhaft gutes Herz

So zieht der weisse Zug also durch die Menschenmenge bis nach vorne zur Bühne, wo die Eucharistie-Feier beginnt: Der Segen, gesprochen von Joseph Maria Bonnemain, hallt durch den vollen Zürcher Hauptbahnhof – weit ausserhalb der Stände stehen die Leute verteilt, Kinder sitzen auf den Schultern der Eltern, überall werden Kameras in die Luft gestreckt. Man könnte meinen, ein Weltstar tritt hier auf.

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Diakon Urs Länzlinger, Bischof Joseph Maria Bonnemain und Generalvikar Luis Varandas am Altar (v.l.) Bild: Dennis Baumann.

Die Lesung der Feier ist aus dem 1. Buch der Könige: Der junge König Salomo bittet Gott um Hilfe bei der Regierung seines Reiches. Gott erscheint ihm im Traum, fragt ihn nach seinem Wunsch. Salomo will ein gutes Herz, um so die richtigen Entscheidungen zu treffen, gut von schlecht zu unterscheiden und zu wissen, was die Menschen seines Landes brauchen – dieser Wunsch wird ihm gewährt.

Bischof Bonnemain wendet sich an die Zuhörenden und erinnert daran, dass auch wenn das Bistumsjahr mit dem heutigen Tag endet, alle Anwesenden nach wie vor die Trägerinnen und Träger der Hoffnung und Freude Gottes sind. Dass man nicht stehen bleiben, sondern unterwegs sein soll, bis das Festhaus so gut gefüllt ist wie heute diese Halle.

Die Ministrantinnen und Ministranten haben beim Einlauf Hostien vor den Altar gebracht: Diese werden jetzt in der gesamten Halle verteilt. Die Leute stehen Schlange, machen mitten im Zürcher Hauptbahnhof den Kniefall und im Nu sind 2000 Hostien weg.

Ab geht’s

Kaum ist die Messe vorbei, geht es auch schon weiter auf der grossen Bühne. Auf Bischof und Generalvikar folgt die Band der Freien Katholischen Schulen Zürich, «Pfajaaal». Während die Feier vorangeht, warten die Bandmitglieder vor dem Eingang – auf die Nachfrage zu ihrer Nervosität kommt prompt die Antwort: «Ich bin nöd so nervös, well das isch ja nur de HB. Aber es isch schön andere Lüüt z zeige, was mer chann». Sie erklären, sie hätten schon viele grosse Auftritte gehabt und es sei immer alles super gelaufen, darum würde es heute wohl auch super laufen – sie haben absolut Recht, läuft absolut super.

Parallel zum Bühnenprogramm geht es auch mit dem Standbetrieb munter weiter. Besonders beliebt ist bei der Migrantenseelsorge das «Fischlispiel», bei dem man magnetische Fische angeln muss und ein Branchli gewinnen kann. Auch beim Kirchenmagazin Forum gibt es etwas zu gewinnen, hier via Glücksrad. Eine Besucherin sagt, nachdem sie bereits ein erstes Mal den Hauptpreis gewonnen hat: «Ich glaube nicht an Glück, ich glaube nur an Gott», und gewinnt den Hauptpreis prompt ein zweites Mal. Die Theologische Hochschule Chur verteilt, unter anderem, an den Bischof THC-Gummibärchen – also THChur für die Hochschule natürlich – das einzig Bewusstseins-verändernde ist ihr Studiengang.

Unterdessen steht Peter Januš mit der Andreasband und dem Jugendchor Uster auf der Bühne. In einem kurzen Moment der Stille singt ein vorbeilaufender Uber-Eats-Fahrer ein kleines Solo in die Halle hinein und erntet prompt tosenden Applaus – es geht also lebendig zu und her.

Raphael Meyer, Synodalratspräsident der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, sagt dazu: «Mein grosser Wunsch war es, dass der Bistumstag ein Volksfest wird, an dem die Bevölkerung vorbeikommt und mitfeiert. Wenn ich hier in die Runde schaue, dann ist uns das gelungen. Es ist kein stierer, interner Anlass, es sind wirklich Leute von extern hier zum Mitfeiern.»

Kirche mit Zukunft?

Dann geht es für Meyer auf der Bühne weiter. Ein wichtiger Punkt auf dem Bühnenprogramm ist die Diskussion zur «Zukunft der Kirche» mit Bischof Joseph Maria Bonnemain, Synodalratspräsident Raphael Meyer, Unternehmerin Hubertine Underberg und Religionswissenschaftlerin Rafaela Estermann. Ein grosses Thema ist die zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft – Rafaela Estermann hält fest, dass ein Grossteil der nicht-religiösen Menschen nicht unbedingt Atheisten sind, sondern eher indifferent zur Kirche stehen – sich in grossen Lebensfragen abseits der Religion Hilfe suchen.

Als angesichts dieser Tatsache die Frage nach der gesellschaftlichen Relevanz der katholischen Kirche kommt, verweist Raphael Meyer auf diese gut besuchte Veranstaltung – und die immer hochdiskutierten Stellungnahmen der Landeskirchen bei Abstimmungsvorlagen.

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Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion im Gespräch. Bild: Dennis Baumann.

Nichtsdestotrotz gibt es heute weniger religiöse als nicht-religiöse Menschen – wir leben also in einer zunehmend säkularen Welt, in der das Bekenntnis zur Religion durchaus ein Risiko darstellen kann. Bischof Bonnemain weist darauf hin, dass wir immer schon in einer säkularen Welt gelebt haben: Gott hat sich entschieden, das Himmelreich zu verlassen, ist zum Menschen, der Erde, der Zeit geworden. Wir müssen also gar nicht in eine säkulare Welt gehen, wir leben bereits in einer.

Hubertine Underberg lenkt die Unterhaltung auf das Spannungsfeld zwischen Kirche und Staat, es wird über gute und weniger gute Zusammenarbeit und persönliche Erfahrung gesprochen.

Die Diskussion endet mit der Ergänzung des Satzes: «Die Zukunft der Kirche…» und alle sind sich einig: Auf welche Weise auch immer, es gibt sie, die Zukunft der Kirche.

Weiter im Programm

Kurz darauf nimmt «La Chorale Africaine de la Sainte Famille de Zurich» die Bühne ein – und wie sie das tun. Die ganze Halle steht auf, schwingt die Arme, tanzt mit. Sogar der eine oder andere Mitarbeitende der Körperschaft hier im Kanton kann das Wippen nicht unterlassen.

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Der «Chorale Africaine» bringt viel Schwung in die Bahnhofshalle. Bild: Dennis Baumann.

Während also die ganze Halle mittanzt, zieht Mathias Werfeli, OK-Präsident und damit verantwortlich für den Bistumstag, ein erstes Fazit: «Ich bin sehr berührt von dem schönen Tag, nicht nur von den Mitwirkenden und Standbetreibenden, sondern dem ganzen Volk, das gekommen ist und den Gottesdienst mitgefeiert und so gemeinsam den Moment erlebt hat. Dafür bin ich unglaublich dankbar.»

Zu einem kurzen Talk wird auch Nationalrat Philipp Kutter zusammen mit der Wirtschaftsprofessorin Margit Osterloh auf die Bühne gebeten; sie diskutieren darüber, wie und ob Glaube in schwierigen Zeiten helfen kann. «Gäbe es die Kirche nicht, müsste man sie erfinden», mit diesem prägnanten Satz schliesst diese Runde ihre Diskussion.

Das Bühnenprogramm endet nachdenklich mit der Beratungsstelle rund um die Berufslehre, Kabel, und einem Theater bestehend aus vier Szenen zum Thema Lehrabbruch und psychische Gesundheit von jungen Menschen. Wir begleiten den Lernenden Fabian durch eine schwere Zeit, beruflich und privat.

Dann bringen vier Tanzgruppen von Roundabout nochmals richtig Schwung in die Bude und das Publikum wird gebeten, gleich Richtung Grossmünster zu tanzen.

Dort endet dieser Bistumstag feierlich mit der ökumenischen Vesper, mitten unter den Menschen.

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Bischof Joseph Maria Bonnemain an der Vesper im Grossmünster. Bild: Dennis Baumann.