Kirche aktuell

140 Ministrantinnen und Ministranten am Bistumstag «Bin selber überwältigt von den vielen Anmeldungen»

Der 19-jährige Roberto Bosco übernimmt am Bistumstag vom Sonntag eine Herkulesaufgabe: Er betreut rund 140 Jugendliche im Gottesdienst am Zürcher Hauptbahnhof. Im Interview erzählt er von den grössten Herausforderungen und warum der Kirchendienst ihm heute noch die Seele bereichert.
26. Mai 2026 Katholische Kirche im Kanton Zürich

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Roberto, Du betreust die Ministrantinnen und Ministranten im Gottesdienst vom Bistumstag am Sonntag. Wie bist du dazu gekommen?
Roberto Bosco: Letztes Jahr wurde ich vom Generalvikariat Zürich-Glarus als Nachfolger für die Ministranten-Betreuung an der Zürcher Wallfahrt nach Einsiedeln angefragt. Dieser Anlass war für alle teilnehmenden Ministranten und mich persönlich ein unvergessliches Erlebnis, sodass ich es kaum abwarten konnte, auch dieses Jahr mit ihnen in Einsiedeln zu ministrieren. Das Generalvikariat ist nun zusätzlich auf mich zugekommen, um die Koordination der Ministranten an diesem Abschlussgottesdienst des Bistumsjahres in Zürich zu übernehmen.

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Roberto Bosco (hinten, 2. Reihe rechts), zusammen mit Generalvikar Luis Varandas (vorne links) beim Selfie in Einsiedeln. Foto: Luis Varandas

Nun haben sich exakt 138 Ministrantinnen und Ministranten angemeldet, das ist ja eine Riesenschar!
Ja, ich hätte niemals gedacht, dass sich so viele junge Menschen anmelden. Jede und jeder lebt ihren Glauben und seinen Dienst in den einzelnen Pfarreien, doch der Glaube ist mehr als das – er ist Gemeinschaft. Aus diesem Grund interessieren sich wohl so viele Ministrantinnen und Ministranten für diesen Bistumstag: um auf Gleichgesinnte zu treffen, sich auszutauschen, neue Freundschaften zu schliessen und so die Freude zu teilen.

So einen grossen Einzug hat es meines Wissens bei einem Gottesdienst noch nie gegeben. Wie managed du diese grosse Gruppe in der Zürcher Bahnhofshalle?
Eine gute Planung, Kommunikation und Organisation mit allen Beteiligten im Voraus sind die Grundbausteine. Ein klarer Ablauf mit Sitzordnung für diese Gruppe ist beim grössten und meistfrequentierten Bahnhof der Schweiz essenziell. Am Schluss will ich mit den Ministranten auf Augenhöhe und mit geteilter Begeisterung und Aufregung diesen Gottesdienst antreten.

Was wird die grösste Herausforderung sein?
Ein italienischer Bischof sagte einmal bei einem Ministrantentreffen: «La Messa non è tante cose da fare, ma Gesù da incontrare», was auf deutsch soviel heisst wie: «Die Messe ist nicht vieles, das man tun muss, sondern Jesus, dem man begegnen darf». In dieser Aussage beschrieb er die Grundaufgabe jedes Ministranten.

Kann denn jede und jeder eine Aufgabe übernehmen?
Bei so Vielen stellt sich diese berechtigte Frage tatsächlich. Um dem entgegenzukommen, werden die Ministrantinnen und Ministranten stellvertretend für ihre Pfarrei mit einer personalisierten Vortragetafel ein- und ausziehen. Zudem werden sie für die Gabenprozession aus ihrer Pfarrei ungeweihte Hostien zum Altar bringen und auf diese Weise ihre Verbundenheit als Teil der Kirche aufzeigen. Somit tragen alle dazu bei, dass wir dem wahren Leib Christi begegnen können, der unter der Gestalt des Brotes gegenwärtig ist.

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Der 19-jährige Roberto Bosco betreut fast 140 Minis (kurz für Ministrantinnen und Ministranten) am Bistumstag im HB. Foto: zvg.

Was freut dich an dieser Aufgabe?
Auch nach über zehn Jahren Ministrantendienst ist es für mich jedes Mal aufs Neue eine Bereicherung für die Seele. Umso mehr bei diesem besonderen Anlass, da ich mit meiner Planung und Organisation einen Dienst für die anderen leisten darf und mit vielen neuen Menschen in Kontakt getreten bin. Zudem ist es wie ein kleines Projekt, bei dem ich mit jedem Schritt und jeder Herausforderung dazulerne und mich am Ende den freudigen Gesichter anschliessen kann. Das Ziel ist keine perfekte Ausführung, sondern eine natürliche Harmonie, welche das Herz berührt.

Und auf was freust du dich am Bistumstag am meisten?
Ich freue mich am meisten auf die Atmosphäre, auf ein besonderes Gefühl, welches nicht alltäglich ist. Die aufgeregten und gespannten Gesichter der Besucherinnen und Besucher, die leichte Nervosität der Ministrantinnen und Ministranten und die daraus resultierende Freude. Schliesslich freue ich mich auf einen Anlass, von dem ich viele tolle Erinnerungen mitnehmen darf und der mich in meiner Persönlichkeit prägen wird.

Wie siehst du die Zukunft der Minis? Habt ihr  ein Nachwuchsproblem – oder wie der Bistumstag zeigt, eher nicht?
Der Ministrantendienst ist eine freiwillige, ehrenamtliche Aufgabe. Wir Ministranten haben in jedem Gottesdienst diese tolle Möglichkeit, unseren Dienst für die anderen zu machen und unseren Glauben damit zu bezeugen. Wichtig ist, dass wir den Jungen und Mädchen von diesem tollen Dienst berichten und auch die Eltern abholen und sie darüber informieren. Die Kinder sollen davon hören, es sehen, selbst ausprobieren können und am Ende selbst entscheiden, ob sie diesen Dienst auf sich nehmen wollen oder nicht. Wir müssen weiterhin die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen – wie Religionsunterricht oder Elternabende – nutzen, um den Ministrantendienst bekannt zu machen. So wird die Möglichkeit bestehen, dass dieser Einsatz Früchte trägt. Der Anblick dieser vielen Ministrantinnen und Ministranten am Bistumstag ist gewiss die Ernte davon.

Mehr Infos zum Bistumstag hier. Für alle Menschen zu Hause wird das Fest übrigens auf unserer Website  live ab Sonntag, 31. Mai, 10 Uhr übertragen. Die Übertragung endet um ca. 16 Uhr. Die ökumenische Vesper findet dann um 16.30 Uhr (ohne Kamera) im Grossmünster statt (siehe Programm).