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Grüss Gott Zürich So viel Fastenzeit war schon lange nicht mehr!

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Das winzig kleine Coronavirus gibt derzeit einem grossen Teil der Welt den Rhythmus vor. Es diktiert unseren Alltag und damit unser gesellschaftliches Zusammenleben: sozial, kulturell und wirtschaftlich. Was denkt sich wohl die heilige Corona?
13. März 2020 3 Kommentare

Der heimtückische Keim ist auch in meinem beruflichen und privaten Umfeld angekommen. Aktualisierte Empfehlungen wollen im Intranet kommuniziert werden, die meisten Anlässe sind abgesagt* und die Naturheilpraktikerin, die meinen Rückenschmerzen zu Leibe rückt, hat Existenzängste. Von den bisherigen 20 Kunden verbleiben ihr noch ganze 8. Die Angst geht um.

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Das Virus zwingt uns, eingespielte Abläufe zu ändern oder einfachste Hygiene-Regeln wieder ernster zu nehmen, untereinander Distanz zu wahren, sich nicht mehr die Hände zu schütteln, weniger zu reisen, sich aus dem Weg zu gehen. Der kleine Keim drängt uns in Richtung einer kollektiven Vollbremsung, die bis zum Stillstand führen kann. Umdenken ist angesagt. Wie sinnierte da jemand: So viel Fastenzeit war schon lange nicht mehr! Fastenzeit als Phase des Verzichts, der Besinnung und Einkehr sowie der Suche nach neuen Perspektiven.

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Die inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation als Pandemie ausgerufene Virus-Krise fordert uns heraus und wird die Welt verändern. Es kann durchaus sein, dass die jetzige Situation eine Chance für den Klimawandel ist, wenn kaum mehr Flugzeuge abheben und die Pendlerströme kleiner werden. Offensichtlich ist, dass in den kommenden Wochen Home-Office ein integraler Bestandteil der Arbeitswelt wird und die Menschen künftig zu unterschiedlichen Zeiten ins Büro, an den Werkbank oder in die Schule gerufen werden. Im Denken und Handeln könnte Corona einen Trend beflügeln, wie die NZZ am Sonntag schreibt: weniger global, mehr lokal.

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Zur Coronakrise geäussert hat sich auch der Zürcher Weihbischof Marian Eleganti in einer Videobotschaft. Jenseits aller Realität und im Wissen um die Streichung aller Gottesdienste im Kanton Genf und die Schliessung aller Kirchen im Bistum Rom torpediert er mit seinem prophetischen Geschwafel zu Glauben, Wundern und dem unbedenklichen Umgang mit Weihwasser und Hostien die von staatlichen Stellen und Bistümern verfügten Empfehlungen. Das ist schlicht verantwortungslos, unsolidarisch, menschenverachtend und zynisch. Von wenig Verantwortung und Sensibilität zeugt auch die Reaktion der Schweizer Bischofskonferenz, die ihren Mitbischof einmal mehr gewähren lässt und schweigt. Wie sagte mir ein Kollege: Das Virus ist eine Pandemie, Eleganti eine Plage! Aber hören und lesen Sie selber auf kath.ch mit Bericht und Kommentar sowie im Tages Anzeiger.

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«Lassen wir uns nicht von ihnen mitreissen!», reagiert Pater Martin Werlen, Benediktinermönch in Einsiedeln und bald in St. Gerold, in seinem Gastbeitrag auf kath.ch auf unverantwortliche Besserwisser. «In Krisenzeiten melden sich immer wieder auch Leute zu Wort, die sich auszeichnen durch ihre nicht hinterfragte Treue zur eigenen Dummheit.» Er ist überzeugt, dass wir vom Virus lernen können. Die Ent-Täuschung darüber, dass wir nicht alles im Griff hätten, bringe uns näher an die Wahrheit des Lebens. Es bestehe die Hoffnung, dass über Grenzen von Nationen, Kulturen, Religionen und Ideologien eine Solidarität entstehe, die uns Menschen verbinde. Zur Solidarität gehöre auch die Bereitschaft der Menschen, die Empfehlungen der Verantwortlichen im Staat solidarisch mitzutragen. Der heimtückische Keim provoziere uns, unseren Lebensstil zu überdenken und den Wert der Familie, der Gemeinschaft und der Freundschaft neu zu entdecken und zu pflegen.

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Die Sache mit dem Virus ist also noch lange nicht ausgestanden, wir brauchen einen langen Atem. Umso wichtiger, so scheint mir, wird sich in dieser Krise der gesellschaftliche Zusammenhalt bewähren müssen. Da kommt eine Studie der Universitäten Bern und Leipzig gerade zur rechten Zeit, auf die mein Kollege Simon Spengler in seinem Blog hinweist. Sie zeigt empirisch auf, dass Glaube vor rechtem Gedankengut schützen kann und die Integration fördert. Konkret: Kirchen und religiöse Gemeinschaften sind für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wichtig. Diesen Kitt brauchen wir jetzt erst recht und wollen wir gerade als Katholische Kirche im Kanton Zürich mit einem Drittel Mitglieder ohne Schweizer Pass einbringen.

 

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Das Leben geht mit Einschränkungen und Unsicherheiten weiter. Unsere Kommunikationsstelle wurde geradezu mit Fragen zum richtigen Umgang in der Viruskrise bombardiert: Dürfen wir noch Gottesdienste durchführen? Was ist mit Erstkommunions- und Firmfeiern? Dürfen ältere Priester noch mit Ministranten auftreten? Soll sich unser Kirchenchor noch treffen und Werke für Ostern proben?

Der Corona-Stab des Synodalrats wird sich heute Nachmittag treffen und anschliessend via Intranet die kirchlichen Angestellten und Behördenmitglieder über die neuesten Entwicklungen orientieren. Ebenso ist eine Medienkonferenz der Zürcher Gesundheitsdirektion mit neuen Empfehlungen geplant.

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine (be)sinnliche Fastenzeit. Bewegen Sie sich achtsam und solidarisch, vergessen Sie das Lachen nicht und bleiben Sie gesund!

 

Herzlich

Aschi Rutz

 

 

*Abgesagt sind unter anderem der Pastoralkongress des kantonalen Seelsorgerates vom 14. März, die Feierlichkeiten zur Eröffnung der Paulus Akademie im Kulturpark an der Pfingstweidstrasse in Zürich vom 26. und 28. März und die Kirchenpflege-Treffen vom 17. März und 1. April.

 

 

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.