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Weg-Weiser

Fachmitarbeiterin Kommunikation
Leonie Maurer
Leonie Maurer
Nach den Eisheiligen sind die Temperaturen rasant in die Höhe geklettert – willkommen im Vor-Sommer und dem summenden und brummenden Zürich! Der Titel soll aber keinesfalls dazu verleiten, der Hitze und Geschäftigkeit der Stadt zu entfliehen und eine Wanderung hoch in den Bergen zu machen – vor allem nicht diesen Sonntag! Viel mehr sind diese Woche einige durchaus wegweisende Dinge geschehen.
29. Mai 2026

Papst Leo XIV. hat nämlich am Pfingstmontag seine erste Enzyklika «Magnifica humanitas» erlassen – Sie werden es bestimmt schon mitbekommen haben. Die erste Enzyklika eines Papstes gilt traditionell als Wegweiser seines Pontifikats. Umso bemerkenswerter ist die Themenwahl: die Bewahrung des Menschlichen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

Nicht nur der Inhalt selbst ist bedeutungsschwer: Papst Leo XIV. hat die Enzyklika am 15. Mai 2026 unterschrieben. An diesem 15. Mai vor 135 Jahren, also 1891, veröffentlichte Papst Leo XIII. die Enzyklika «Rerum novarum», also «über die neuen Dinge». Damit wurde inmitten der industriellen Revolution die Grundlage der katholischen Soziallehre gelegt – jetzt bezieht Papst Leo XIV. ebenso klar Stellung, was die rasanten Veränderungen in Zusammenhang mit der digitalen Transformation betrifft. Er stimmt mit seinem Vorgänger überein, dass die Kirche sich öffentlich äussern muss, wenn es um die Menschenwürde und das Menschlich-Sein geht.

Papst Leo XIV. kritisiert dabei aber nicht Künstliche Intelligenz an sich, sondern die Menschen dahinter – und was damit gemacht wird. Er ruft in Erinnerung, dass die Gefahr von fehlender Regulierung und einer Machtkonzentration ausgeht, dass KI soziale Ungleichheiten nicht verschärfen soll. Ebenfalls warnt er vor der Verwendung von KI im Krieg. Die Verantwortung liegt letztendlich immer beim Menschen, kann und soll also nicht an eine Maschine ausgelagert werden.

Dabei ist «Magnifica humanitas» keineswegs eine Anti-KI-Enzyklika. Es ist eine Pro-Mensch-Enzyklika, eine Analyse und eine Erinnerung daran, was menschlich ist und wie wichtig es ist, menschlich zu sein. Die Enzyklika führt uns vor Augen, dass der Wert des Menschen inhärent ist – dass wir nie auf blosse Datensätze reduziert werden können und sollen.  

Ganz nebenbei schleicht sich Papst Leo XIV. auch noch in das Herz des einen oder anderen Tolkien-Fans: Er zitiert nämlich in Absatz 213 Gandalf aus der Welt von «Herr der Ringe»: «Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten…».

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Bild: Catholic Women's Council.

Einer der berühmten Filme der Trilogie heisst im Deutschen ja «Die zwei Türme» – um gleich bei diesem Bild zu bleiben, geht es weg von Fantasy und hin zu einer wichtigen biblischen Wegweiserin. Maria Magdalena ist nämlich auch als Maria von Magdala bekannt – Magdala vom aramäischen Wort «Migdal», was Turm oder Wachtturm bedeutet. Jetzt wird der Turm zum Leuchtturm und Maria Magdalena damit zum Symbol vom «MAGDALENA CENT», initiiert durch den CWC, den Catholic Women’s Council.

Vom Peterspfennig inspiriert soll der «MAGDALENA CENT» als jährliche Kollekte für die Sichtbarkeit von und Anerkennung für Frauen in der katholischen Kirche sorgen. Und vor allem daran erinnern, dass Frauen nie blosse Zuschauerinnen des Evangeliums waren, sondern immer aktive Mitgestalterinnen des christlichen Glaubens. Ob die Kollekte nun am 22. Juli, dem Gedenktag von Maria Magdalena, oder einem anderen Tag im Kirchenjahr angesetzt wird: Die gesammelten Beiträge fliessen direkt in die Arbeit von katholischen Frauen in der Kirche – ihre Arbeit wird also nicht nur gewürdigt, sondern auch unterstützt und gefördert.

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Eine klare Richtung oder eher eine klare Position nehmen auch beide Landeskirchen in Bezug auf ein tragisches und unglaublich wichtiges Thema ein: Die Rede ist von Konversionstherapien, oder eher der Vermeidung ebendieser, besonders für junge und vulnerable Menschen.

Konversionstherapien sind pseudowissenschaftliche Massnahmen, die, oft religiös begründet, zum Ziel haben, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität einer Person zu ändern oder zu unterdrücken. Was Konversionsmassnahmen aber tatsächlich auslösen können, sind unter anderem Depressionen, mangelndes Selbstwertgefühl, Traumata und in besonders schwerwiegenden Fällen sogar Suizidgedanken oder -versuche. 

Der Hintergrund der Stellungnahme ist ein in Bern hängiges Geschäft, dass Konversionstherapien verbieten und gleichzeitig strafrechtlich verfolgbar machen soll. Hängig deshalb, weil der Ständerat mit dem Entscheid auf einen Bericht des Bundesrates warten will. Jetzt sprechen sich sowohl der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) als auch die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) klar gegen diese Form von Missbrauch aus – denn das ist es, genauso wie ein kompletter Widerspruch zum seelsorgerlichen Auftrag. 

 

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Bild: Jesuiten in der Schweiz 2026.

Oberhalb von Zug geht derweil ein Weg zu Ende: Am Pfingstsonntag hat sich der Jesuitenorden nach fast 100 gemeinsamen Jahren vom Lassalle-Haus in Bad Schönbrunn endgültig verabschiedet.

Fast 100 Jahre sind eine lange Zeit: Das musste natürlich gebührend gewürdigt werden mit Eucharistie-Feier, Musik, Apéro Riche – und dem Gedenken an die Bedeutung des Hauses und an alle, die diesen langjährigen Weg gemeinsam gegangen sind.

Und das waren einige: 1928 wurde die ehemalige «Wasserheil-Anstalt Bad Schönbrunn» vom Jesuitenorden übernommen, dann 1929 als erstes Exerzitienhaus in der Schweiz eröffnet. Es folgen Umbauten, Sanierungen, neue Namen und 2025 die Nachricht, dass Hotellerie und Gastronomie eingestellt werden. Trotzdem sollte der Grundgedanke hinter dem Lassalle-Haus in der Liegenschaft weitergetragen werden – jetzt aber doch ohne die Liegenschaft selbst. Es ist also eine Geschichte geprägt von Umbrüchen und viel Engagement.

Abschiede sind und bleiben schwer – hoffentlich taucht aber hinter der nächsten Biegung schon wieder eine neue Chance auf und der Gedanke, der dem Lassalle-Haus Leben eingehaucht hat, findet noch lange Fortbestand.

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Bild: Andreas Kopp.

Den Weg weisen möchte ich auch allen Interessierten diesen Sonntag ab 10 Uhr, und zwar in die Halle vom Hauptbahnhof Zürich – Sie sehen, die Aufbauarbeiten laufen schon. Da feiern wir nämlich gemeinsam mit Bischof Joseph Maria Bonnemain gross den Bistumstag und damit auch den Abschluss des Bistumsjahrs 2025/2026.

«Gross» wird der Tag auf jeden Fall – nur schon wegen all den «Minis» (Kirchenslang für Ministrantinnen und Ministranten), die anwesend sein werden: Ganze 140 Nasen! Das ist aber nicht der einzige spannende Programmpunkt: Es locken tänzerische, musikalische und informative Auftritte, spannende Diskussionen und Begegnungen. Sie finden hier das gesamte Programm, die Standpläne, verschiedene Inputs von Beteiligten… alles, was das Herz begehrt.

Sollte aber der Gedanke an eine summende und brummende Bahnhofshalle bei über 25 Grad die eine oder den anderen eher abstossen, ist das natürlich kein Problem: Ich kann Ihnen gern einen Richtungswechsel vorschlagen. Der gesamte Tag wird live übertragen, man kann also auch vom eigenen Sofa aus via Livestream dabei sein und geniessen.

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Ebenfalls live geht ab Juli unsere Sommerserie via Instagram und Facebook: So wollen wir Ihnen verschiedene Vorschläge für heisse oder weniger heisse Sommertage machen und hoffen, Sie haben beim Entdecken viel Freude.

Jetzt steht aber zuerst einmal das Wochenende vor der Tür – mit viel Sommersonne. Ich hoffe, Sie haben bereits Pläne zum Sich-drauf-freuen (vielleicht ja der Bistumstag?) und wissen, wo der Weg hingehen soll.

Herzlich, 

Ihre Leonie Maurer

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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