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Grüss Gott Zürich Aufruf zur Umkehr

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Zur Eröffnung der Schöpfungszeit erneuert Papst Franziskus seine Kritik an der weltweit fortschreitenden Umweltzerstörung, an Egoismus und Gier sowie der sozialen Ungerechtigkeit.
04. September 2020

«Die Pandemie», so Franziskus in seiner Botschaft zum Weltgebetstag zur Bewahrung der Schöpfung, «hat uns an einen Scheideweg geführt. … Die Krise hat uns in einem gewissen Sinn die Möglichkeit gegeben, neue Lebensweisen zu entwickeln.»

Es sei erfreulich, so Franziskus, dass das Bewusstsein für ein ökologisches Umdenken jetzt überall zu spüren sei. Dennoch bleibe noch viel zu tun, die Welt erlebe hier noch zu viel Langsamkeit und sogar Rückschritte. Der Papst gesteht auch ein, dass die katholische Kirche keine fertigen Lösungen vorzuschlagen hat und sich der Komplexität der Herausforderungen durchaus bewusst ist. Er ermutigt die Christen, die Hoffnung nicht zu verlieren.

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Da schwingt doch tiefe Besorgnis mit, dass die Coronakrise nicht wirklich zu einer nachhaltigen Umkehr führen könnte. Die Pandemie hat die Welt in verschiedener Hinsicht auf dem falschen Fuss erwischt. So ist das Virus nicht nur ein gesundheitlich-medizinisches Problem, sondern trifft unsere Wirtschaft und unser soziales Zusammenleben entscheidend. Das schlimmste aber ist die globale Verunsicherung, die der Schriftsteller und Germanist Peter von Matt in einem Interview mit der NZZ am Sonntag so beschrieb: «Wir treiben mit einem Floss auf eine Nebelwand zu. Was erwartet uns dahinter? Ein schöner See oder ein Wasserfall? Wir wissen es nicht.»

 

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Diese Verunsicherung erinnert an einen apokalyptischen Katastrophenfilm mit offenem Ende. Und wie reagieren wir Menschen auf eine Realität, die uns aufgrund ihrer Unfassbarkeit und Komplexität überfordert? Fehle in einer Krisensituation wie der Pandemie oder beim Klimawandel der Glaube an die furchterregende Wirklichkeit, würden die Menschen diese mit Abwehren, Leugnen und Ignorieren zu bewältigen versuchen, ist die Philosophin Ana Honnacker vom Forschungsinstitut für Philosophie Hannover überzeugt. «All das Wissen und die Erfahrungen reichen nicht, um das Gefühl zu überschreiben, es einfach nicht glauben zu können - oder auch nicht zu wollen».

Was mir dabei besonders zu denken gibt: Diese verweigerte Einsicht als Abwehrreaktion gilt nicht nur für Wutbürgerinnen und Verschwörungstheoretiker, sondern ist gemäss Honnacker ein Massenphänomen. Die Stabilität unseres psychisch-emotionalen Haushalts verlange geradezu danach, das Ausmass einer Krisensituation kleinzureden und zu beschönigen.

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Zurück zu Papst Franziskus, der in seiner Botschaft auch das weltweite Wirtschaften scharf kritisiert. Unter anderem findet er es ungeheuerlich, «wenn multinationale Unternehmen im Ausland das tun, was sie im eigenen Land nicht tun dürfen». Damit und mit seiner klaren Forderung nach einer nationalen und internationalen Gesetzgebung für Konzerne, macht sich der Papst für dieselben Anliegen stark, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative (KoVi) in der Schweiz vertritt. Diese will Konzerne mit Sitz in der Schweiz und deren Tochtergesellschaften weltweit für Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen haftbar machen.

 

Die KoVi kommt zwar erst Ende November vors Volk, der Abstimmungskampf brummt aber schon jetzt ziemlich hochtourig. Nachdem die Kirchen – Schweizer Bischofskonferenz, Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz, Schweizerische Evangelische Allianz, Verband Freikirchen Schweiz und gegen 500 Kirchgemeinden – gegen die Grosskonzerne predigen würden, so die NZZ am Sonntag, rege sich nun Widerstand.

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So erhebt neu ein «Ethik-Komitee» in dem auch reformierte und katholische Exponenten mitmischen, die Stimme gegen die KoVi. Wie kath.ch berichtet, ist das Komitee im Umfeld von liberal denkenden Kirchenleuten «von Vertretern der Wirtschaft ermutigt worden, die Bedenken gegen die KoVi aus ethisch-moralischer Optik sichtbar zu machen». Man sei aber nicht auf Befehl der Wirtschaft entstanden, würde aber Spenden vom Dachverband Economiesuisse nicht ablehnen. So oder so ein cleverer Schachzug der Agentur Furrerhugi, die das Komitee betreut und u.a. auch Glencore zu ihren Kunden zählt. Das starke Eintreten der Kirchen für die Initiative soll mit einem ethisch etikettierten Komitee neutralisiert werden.

 

Da kommt die Botschaft des Papstes gerade zum richtigen Zeitpunkt, die hoffentlich die Auseinandersetzung um die Konzernverantwortungsinitiative in der Schweiz zusätzlich befeuern wird.

Geniessen Sie die schönen, kleinen Dinge im Alltag. Ich wünsche Ihnen und mir ein sonniges Wochenende, einen stabilen psychisch-emotionalen Haushalt und einen gesegneten Sonntag.

 

Herzlich

Aschi Rutz

 

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.