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Und was ist mit der Seele?!?

Informationsbeauftragte Synodalrat
Kerstin Lenz

Schwerpunkte: Online-Kommunikation, Publikumsanlässe und Events

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Corona macht nicht nur krank sondern auch arm. Schneller und schwerwiegender als noch zuvor in der ersten Welle im Frühjahr. Das melden zumindest die Menschen, die sich professionell mit Armut in der Schweiz beschäftigen.
30. Oktober 2020

Corona macht nicht nur krank sondern auch arm. Schneller und schwerwiegender als noch zuvor in der ersten Welle im Frühjahr. Das melden zumindest die Menschen, die sich professionell mit Armut in der Schweiz beschäftigen. Schwester Ariane Stocklin und Pfarrer Karl Wolf schlagen Alarm. Die Not im Rotlichtmilieu wird immer grösser und mit ihr die Verzweiflung. «Die Frauen in der Prostitution wissen nicht mehr weiter. Wir hören auf die Not und versuchen Antworten darauf zu geben», konstatiert die Seelsorgerin erschüttert. Mit «Primero» bekommt der Verein Incontro nächste Woche ein eigenes Lokal, das auch am Wochenende für Begegnungen geöffnet ist. Nach wie vor fertigen die Frauen Gesichtsmasken an, die gegen eine Spende beim Verein Incontro bestellt werden können.

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Auch das Armuts-Forum der Caritas Zürich beschäftigte sich Ende Oktober mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie und mit «prekären Arbeitssituationen», den «working poor»: Menschen bleiben trotz Arbeit arm. Viele haben durch die Corona-Krise weitere Lohneinbussen hinnehmen müssen oder ihre Arbeit verloren. Caritas-Direktor Max Elmiger vermeldet steigende Zahlen bei den Beratungen, die Caritas Märkte sind viel besucht – nicht nur wegen der günstigen Waren, sondern auch weil die Besucherinnen und Besucher dort ein offenes Ohr in ihrer Notlage finden. «Wir engagieren uns nun noch klarer für die Mindestlohninitiative», gibt sich Elmiger kämpferisch. «Nur schon in der Stadt Zürich gibt es 17 000 Menschen, die weniger als 23 Franken in der Stunde verdienen – da reicht das Geld schnell nicht mehr.»

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Eins der ärmsten Länder der Welt ist Burkina Faso. Hunger herrscht schon länger in dem zentralafrikanischen Land. Nun sollen Hygieneprodukte und sauberes Wasser die Verbreitung des Corona-Virus vor allem in den ländlichen Gebieten zumindest verlangsamen. 75 000 Franken Soforthilfe sprach der Synodalrat dem Caritas-Projekt in Burkina Faso zu.

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In den sozialen Medien kursierte dieses Plakat – inspiriert von den Corona-Massnahmen-Plakaten des Bundes. Das halbe Internet rätselt, wer der Urheber oder die Urheberin ist. Wer es weiss, bitte melden!

Wie geht es Ihnen denn gerade? Auch wer nicht von Armut oder Krankheit betroffen ist, leidet an den Folgen der Pandemie. Kann ich zum Treffen meiner Frauengruppe in der Pfarrei gehen? Zum Seniorenkaffee? In den Gottesdienst? Was ist mit dem Versöhnungsweg? Die Unsicherheit ist gross, die seelische Not aber auch, wie mir eine Pfarrei-Seelsorgerin erzählte. Die Menschen lechzen nach Begegnungen, vor allem die Alleinstehenden und die Älteren. Hingehen, es gibt ja ein Schutzkonzept, oder doch lieber zu Hause bleiben? Den engagierten Laiensängerinnen und -sänger ist dieser Entscheid schon bundesrätlich abgenommen worden. Chorproben zumindest von Laien bleiben verboten, genauso wie Auftritte.

«Ich muss nicht in die Therapie, ich bin im Kirchen-Chor». Dieses Bonmot meiner Mutter kommt mir in den Sinn, als ich von diesem Verbot höre. Chorleiter Andreas Gut, einst Kantor in der Pfarrei Küsnacht nun an der St. Galler Kathedrale, hat sich mit einem offenen Brief an den Bundesrat gewandt und schreibt: «Mit einem generellen Sing-Verbot für Laien-Chöre enttäuschen Sie nicht in erster Linie unsere Singenden, die für Mitmenschen eine engagierte und hoch qualifizierte Freizeitbeschäftigung ausüben, sondern Sie bedrohen durch die möglicherweise anstehenden Konzertabsagen und den damit verbundenen Ausfall an Gagen viele professionelle Musikerinnen und Musiker, Sänger und Sängerinnen, Profis also, die von Laien-Ensembles für ihre Konzerte als Instrumentalisten und Solisten beigezogen werden.» Auch die Kulturbranche trifft Corona hart.

 

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Für die Seele rund um die Uhr im Einsatz und das seit 60 Jahren ist die die Dargebotene Hand – und vor allem ihre Freiwilligen, die an Telefon und Computer sitzend sich mit den Sorgen anderer Menschen beschäftigen. Heute erhält die Dargebotene Hand den «Prix Courage» Lifetime Award der Zeitung «Beobachter». Wir gratulieren und ziehen den Hut vor der Leistung der Freiwilligen, die anonym und ohne materielle Entschädigung einfach zuhören. Sie sind gut ausgebildet, geschult darin, Krisengespräche zu führen. Wann haben Sie das letzte Mal so richtig gut zugehört oder sich einem Freund, einer Freundin im Gespräch geöffnet? Es lohnt sich. Gerade jetzt. Für die Seele.

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Der südamerikanische Abschiedsgruss «Primero Dios» heisst wörtlich übersetzt «Gott zuerst», gemeint ist aber so etwas wie «So Gott will…». Dieser schöne Wunsch stand Pate bei der Benennung des neuen Begegnungslokals von Schwester Ariane Stocklin im Langstrassenviertel. Also: «Primero Dios» und einen gesegneten Sonntag, bleiben Sie auch seelisch gesund, herzlich Kerstin Lenz

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.