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Grüss Gott Zürich Keine Rose ohne Dornen

Bereichsleiter Kommunikation des Synodalrates
Simon Spengler

Gesamtverantwortung Kommunikation. Katholischer Theologe und Journalist.

Author
«Rosengarten», welch lieblicher Name für eine Strasse, ein Quartier. Man hört in diesem Wort schon den Vorhof zum Paradiese anklingen. Wie aber Begriffe täuschen können.
31. Januar 2020 / 6 Kommentare

 Im Zürcher Abstimmungskampf um die künftige Gestaltung eben dieses «Problemquartiers» geht’s gar nicht selig zu und her: angeblich oder tatsächlich gezinkte Zahlen, verwirrende Versprechungen, unklare Interessen – ein Nicht-Zürcher fühlt sich da eher an ein unentwirrbares Dornengestrüpp erinnert als an lieblich duftende Blütenpracht.

Das Thema soll uns aber nicht auf die falsche Spur bringen und für die beste Verkehrsführung ist Kirche sicher nicht zuständig. Was mich als Beobachter aber beschäftigt ist einmal mehr der Eindruck, dass am allerwenigsten die Menschen gefragt werden, die unmittelbar betroffen sind. Mir kommt da ein altes Lied kämpfender amerikanischer Gewerkschafterinnen in den Sinn: «Brot und Rosen». Abgewandelt aufs Rosengartenquartier könnte der Refrain lauten: «Gebt uns Wohnungen, aber auch die Rosen dazu».

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Dornengestrüpp wuchert leider auch in der Kirche. Diese Woche hat die römische Kurie einmal mehr ihre Stacheln gezeigt. Durch einen hochwürdigen Prälaten wurde dem Schweizer Bündnis «Zeichen gegen Missbrauch», in dem sich auch viele Zürcher Seelsorgende engagiert haben, mitgeteilt, es könne keine strukturellen Änderungen in der Kirche geben. Mitbestimmung, Gleichberechtigung – Pustekuchen! Schliesslich wolle Christus selbst die «hierarchisch-sakramentale Struktur der Kirche», ohne diese kein «Erlösungswerk Christi auf Erden».

Nur, es ist das hierarchische System selbst, welches definiert, was Christus will. Und dann leitet das System aus den eigenen Gesetzen seine Legitimation ab. «Selbstreferenziell» nennt man das in der Wissenschaft. Zu deutsch: abgeschottet gegen jeden Einfluss von aussen. Ein undurchdringliches Dickicht.

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Doch auch Dornengestrüpp treibt immer wieder neue Blüten. Gestern begaben sich in Deutschland Bischöfe und Kirchenvolk gemeinsam auf den «Synodalen Weg», um Auswege aus dem Dickicht zu finden. Heute Abend treffen sich engagierte Kirchenfrauen in Frankfurt, um vor der Versammlung eine Mahnwache für Gleichberechtigung in der Kirche abzuhalten. Ihr Motto: «Es werde Licht!» Mit dabei auch Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding.

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«Wenn wir zusammen gehen, kommt mit uns ein bessrer Tag», heisst es im Lied «Brot und Rosen». Die Frauen meinen das ganz konkret. Am 8. März finden auf fünf Kontinenten Sternmärsche statt für gleiche Rechte für alle in der Kirche. Ein Ziel wird die Kirche Felix und Regula in Zürich sein (ab 15 Uhr), die Vorbereitungen laufen. Weitere Infos in Bälde, aber das Datum darf bereits vorgemerkt werden. Natürlich sind auch Männer eingeladen. Im September 2021 folgt dann eine globale Pilgerreise nach Rom. Ich wünsche allen hier engagierten Frauen viele Rosen in leuchtenden Farben und lieblichem Duft! Zur Einstimmung schon mal das Video zum 8. März

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Hoffen wir auf reiche Blütenpracht. Das würde unserer Kirche auch helfen bei einem ernsten Problem, auf das Jugendarbeiter Stefan Ritz eindringlich hinweist: den Notstand bei der Suche nach gutem Personal, speziell in der Jugendarbeit. Deshalb hier eine Rose für alle, die sich auf dem nicht leicht zu beackernden Feld der Jugendarbeit engagieren. Ohne euch gibt’s für uns keine Zukunft.

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«Es werde Licht», das habe ich mir auch nach der Lektüre des NZZ-Gastkommentars unserer Paulus-Akademie-Theologin Beatrice Acklin gedacht. Sie warnt darin die Bischöfe und die reformierte Kirchenleitung davor, sich an der von deutschen Kirchen initiierten Seenot-Rettungsaktionen im Mittelmeer zu beteiligen. Bevor die Kirchen ein Rettungsschiff auslaufen liessen, müssten sie abklären, welcher Staat die Geretteten dann aufnehme. Und es sei den Kirchen «verwehrt, die Staaten vor vollendete Tatsachen zu stellen».

Die Theologin und Freiburger FDP-Lokalpolitikerin rät den Kirchen, sie sollten besser jene Flüchtlinge unterstützen, die es bis an den Strand geschafft hätten, statt neue zu retten. Da frage ich mich: Welche Botschaft hat die Kirche für jene, die im Wasser treiben...?

Die Bischöfe geben eine klare Antwort und haben beschlossen, 10'000 Franken für das Schiff zur Verfügung zu stellen, die reformierte Kirche spendet ebenfalls. Für einmal bin ich froh, dass die Bischofskonferenz auf einen «theologischen» Rat aus Zürich verzichtet. Danke, ihr Schweizer Bischöfe und Kirchenräte, für dieses mutige Zeichen! Und ich summe das Lied: «Brot und Rosen dazu!» Eine schöne Vertonung findet sich übrigens hier.

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Zum Schluss noch ein Hinweis für historisch Interessierte: Die Zürcher Zentralbibliothek stellt neben anderen Titeln neu die vollständigen Ausgaben der katholischen Zürcher Tageszeitung NZN digital zur Verfügung, welche von 1904 bis 1991 erschien. Eine wertvolle Quelle zur Geschichte der Katholiken in Zürich, speziell ihres früher mal starken christlich-sozialen Flügels.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Hoffentlich ohne zu viel Regen, damit ich endlich meine Rosenstöcke schneiden kann.

Simon Spengler

 

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.