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Gegen das Vergessen

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Im fast permanenten Krisenmodus der Pandemie geht schnell Vieles vergessen. Umso wichtiger, dass auch die Kirchen in der Öffentlichkeit immer wieder das Wort ergreifen.
15. Januar 2021

Erste Impfdosen gegen das Coronavirus sind im Umlauf, Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt bereits geimpft. Nichtsdestotrotz hat uns die Pandemie fester im Griff denn je. Der Bundesrat hat diese Woche die bereits bestehenden Massnahmen verlängert und neue, harte Regeln verkündet. Nicht betroffen von den einschneidenden Restriktionen im öffentlichen Raum, wo sich ab kommendem Montag lediglich noch fünf Personen treffen dürfen, sind Gottesdienste und Beerdigungen. Hier gelten noch immer 50 Personen als oberste Grenze. Trotzdem fordert die reformierte Landeskirche im Kanton Zürich seine Mitarbeitenden in einem Schreiben auf, sorgfältig zu prüfen, ob und wie die Durchführung von Gottesdiensten zu verantworten ist. Diese Abwägung sollten auch die katholischen Pfarreien machen.

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Die Regelung bezüglich Beerdigungen betrifft seit letzter Woche auch mich direkt, nachdem mein Schwiegervater überraschend verstorben ist und die Abdankung auf Ende Januar angesetzt ist. Er reiht sich ein in die grosse Zahl der bisher offiziell in der Schweiz (7‘904) und weltweit (rund 2 Millionen) registrierten Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Diese Zahlen stehen für viele leidgeprüfte Menschen – Verstorbene und trauernde Hinterbliebene. Die lose Internetgruppe „Mahnwache Schweiz“ weist in allen Kantonshauptstädten auf all die in der Schweiz verstorbenen Corona-Opfer hin. Sie tut es mit Kerzen als leuchtende Mahnmale für jedes Opfer und will mit dem lauten Protest in stiller Form auf das verfassungsmässige Recht auf Leben und Gesundheit hinweisen.

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Freiwillige unterwegs in der Langstrasse
Foto: Verein Incontro

Verschärft hat sich die Situation für viele Menschen auch wirtschaftlich. So auch im Langstrassenviertel in Zürich. Sr. Ariane Stocklin vom Verein Incontro ortet seit Beginn der Hilfe mit Lebensmitteln eine zunehmende Armut und Verzweiflung. Für die täglich 250 warmen Mahlzeiten stehen vermehrt auch Familien und Kinder in der Schlange. Für das Entgegennehmen, Lagern, Aufbereiten und die Abgabe der Essenspakete und warmen Mahlzeiten sind viele Freiwillige im Einsatz. Seit Mitte Dezember sind rund 200 freiwillige Helferinnen und Helfer neu dazugekommen. Eine meiner Arbeitskolleginnen im Sekretariat, Luzia Züger, gehört auch dazu: „Ich war am 24. Dezember vor Ort und erlebte so einen ‚Weihnachts-Gottesdienst‘ der speziellen Art, den ich nicht vergessen werde.“

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Nicht vergessen wird der Pastoraltheologe Leo Karrer. Er ist Ende letzter Woche im Alter von 83 Jahren gestorben. Unzählige Nachrufe sind hier nachzulesen. Was er unbestreitbar verkörperte, war die Hoffnung auf eine Erneuerung der Kirche und ein Aufleben der Synodalität, so der frühere Synodalrat Zeno Cavigelli. Ernüchtert stellt er aber fest: „Es ist bei der Hoffnung geblieben. Jetzt ist Leo Karrer, der Unermüdliche, gestorben. Aber die Hoffnung ist noch nicht ganz tot.“

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Was sagt der Bischofs-Zwingli in seinem verschneiten Hirtenwort?
Foto: Arnold Landtwing

Zur Erinnerung: Im Nachgang zur Konzernverantwortungsinitiative (KoVi ) verlangt in St. Gallen eine Motion, dass sich die öffentlich-anerkannten Religionsgemeinschaften an den Grundsatz der politischen Neutralität halten müssen. Nicht nur die Kirchen sehen dies anders. Für den ehemaligen Bundesrichter Giusep Nay verletzt die Motion die Religionsfreiheit der Kirchen. Religiöse Gemeinschaften seien autonom und vom Staat unabhängig. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass in diesen Tagen das Bistum Chur in einem Mail allen Priestern, Diakonen und kirchlichen Mitarbeitenden empfiehlt, sich für das Referendum gegen die Vorlage «Ehe für alle» zu engagieren. Ausgerechnet, nachdem es sich im Herbst anders als Bischofskonferenz und zahlreiche Pfarreien vehement gegen das kirchliche Engagement zur KoVi in Szene gesetzt hatte.

In seinem Hirtenwort zum kommenden Sonntag schreibt Bischof Felix Gmür unter dem Stichwort «Öffentlich»: «Der Glaube ist auch öffentlich, und zwar gerade deswegen, weil er lebensrelevant ist. Das soll und darf die Öffentlichkeit wissen. Deswegen ist die Kirche immer öffentlich, bis hin zu öffentlichen Meinungsäusserungen zu gesellschaftlichen Fragen.»

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Eine Kerze für einen lieben Menschen
Foto: Aschi Rutz

Gegen das Vergessen. Gefragt sind engagierte und mutige Journalisten. Zum Beispiel Raphael Rauch, Redaktionsleiter vom Internetportal kath.ch, der gerade mit seiner Berichterstattung zur KoVi scharf angegriffen worden war. Es bleibt die Hoffnung, dass es so bleibt, wie er im Interview in der KirchenZeitung der Diözese Linz sagt: „Ich habe keinen Maulkorb.“

Schnee hat es nun wirklich genug. Eine Kerze mehr für einen lieben Menschen verträgt es alleweil. Ich grüsse Sie herzlich

Aschi Rutz

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.