Über uns

Glaube, Hoffnung, Liebe

Informationsbeauftragter Synodalrat und stellvertretender Bereichsleiter
Aschi Rutz

Schwerpunkte: Verhältnis Kirche Staat, Kirchgemeinden, Jahresbericht und Informationsblatt

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Was glauben Sie eigentlich? Welche Farbe hat Ihre Brille, mit der Sie hoffnungsvoll in die Zukunft blicken? Und wie haben Sie es mit der Liebe?
19. August 2021

Jeder und jede von uns ist aus verschiedenen Gründen unterschiedlich unterwegs. Sie fühlt sich aktiv, lebendig und ausgeglichen, er ist eher auf einer Achterbahn mit Höhen und Tiefen und mein Nachbar ist apathisch. Ich konstatiere bei mir im Moment sehr viel Trauer und kämpfe gegen starke Zweifel, sehe aber auch einige blaue Fenster in der grauen Wolkendecke.

 

Meine gedämpfte Stimmung wird aktuell genährt durch ein Zusammentreffen von menschlichen Schicksalen in meinem privaten Umfeld: Da kämpft sich ein sehr guter Arbeitskollege von mir nach einem Hirnschlag wieder in sein Leben zurück, ein Freund hofft, mit Chemotherapie seinen Krebs zu besiegen, und gestern erfahre ich vom Tod eines lieben Nachbarn, der auf einer Velotour den Herzinfarkt nicht überlebt hat. Obwohl ich weiss, wie unberechenbar das Leben auch in weniger volatilen Zeiten ist, manchmal ist zu viel einfach zu viel!

 

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Kommt hinzu, dass mich der Blick auf das Weltgeschehen traurig und wütend zugleich stimmt und ohnmächtig macht. In Afghanistan ist die sogenannte aufgeklärte Welt einmal mehr gescheitert, beim Klimawandel scheint der Zug für viele bereits abgefahren zu sein, für immer mehr Menschen rückt ein Leben in Frieden und Würde ob all der Ungerechtigkeit in weite Ferne und die Pandemie beschert uns weiterhin Atemnot. Es ist zum Verzweifeln!

 

Ich spüre aber gleichzeitig, dass gerade dieses Gefühl von Ohnmacht, die starken Zweifel an Vielem oder fast Allem drängende Fragen aufwerfen. Das tut auch, wer hätte das gedacht, eine Blick-Umfrage. Das Boulevardblatt fragt diese Woche: Woran glaubst du und warum? Die Frage nach dem Glauben schliesst dabei Gott, eine sonstige Macht, den Glauben an Naturkräfte oder das eigene Handeln und Denken mit ein. Gespannt warte ich auf Antworten couragierter Menschen.

 

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Es ist der Glaube an etwas, das uns Menschen als wichtige Quelle von Kraft, Mut und Inspiration dient. Und es ist der Glaube, der uns Orientierung und Sinnhaftigkeit stiftet. Zusammen mit der Hoffnung, die nie stirbt, auch nicht zuletzt! Ein hoffnungsvolles Zeichen unter vielen setzen an diesem Sonntag engagierte Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Pfarrei Johannes XXIII in Greifensee. Sie bieten künftig neue Formen von Gottesdiensten an – gleichberechtigt und solidarisch, sinnlich und lebensfroh, kraftvoll und prophetisch.

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Glaube und Hoffnung gehören irgendwie zusammen. Und dann ist da noch die Liebe, ohne die nichts geht. Apostel Paulus schreibt in seinem 1. Brief an die Korinther im Kapitel 13 zur Liebe: «Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die grösste unter ihnen.» Um Liebe geht es auch bei der Vorlage «Ehe für alle», über die wir Ende September abstimmen werden. Wir haben dazu auf unserer Homepage diese Woche eine Serie gestartet, in der Pro- und Contra-Stimmen zu Wort kommen.

 

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In einem Gespräch auf dem Youtube-Kanal «schwule-gedanken» bringt Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding zum Ausdruck, dass die Kirche geradezu die Pflicht habe dafür einzustehen, dass Liebe zwischen Menschen in Ordnung sei, dass Liebe immer schön und ein Traum sei. Sie sagt auch klar, dass die heutige Regelung eine Diskriminierung von nicht heterosexuellen Menschen bedeute, die endlich behoben werden müsse.

 

Im «Club» des Schweizer Fernsehens hat der Churer Bischof Joseph Bonnemain diese Haltung überraschend bestätigt: Er befürworte, dass in unserer Gesellschaft verschiedene Partnerschaften Platz hätten und jegliche Diskriminierung beseitigt werde. Er habe nichts dagegen, wenn die reformierte Pfarrerin Priscilla Schwendimann ihre Partnerin heirate und dass das Volk zustimme, allen die gleichen Rechte zu gewähren. Er plädiere aber für eine Differenzierung im Hinblick auf die Benennung der Ehe und möchte, dass die klassische Ehe zwischen Frau und Mann als Bereicherung für uns alle gesehen werde und nicht verloren gehe.

 

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Hoffnungsvoll reibe ich die Augen und möchte allen Menschen, unabhängig ihrer sexuellen Orientierung das Schlusswort meines Kollegen Simon Spengler im besagten Gespräch auf Youtube mit ins Wochenende geben: «Liebet einander! Und zwar mit allem, was Liebe impliziert.»  

 

Herzlich

Aschi Rutz

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen