Über uns

Wir schreiben Geschichte

Informationsbeauftragter des Generalvikariates
Arnold Landtwing

Schwerpunkte: Kommunikation Generalvikariat, Mitarbeitende in der Seelsorge, Beratung Pfarreien, pastorale Gremien. Katholischer Theologe und Mediator.

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Was für eine Woche! Von Papst Franziskus sind wir uns ja mittlerweile viel gewohnt. Am Freitag letzter Woche hat er erneut Zeichen für die Geschichtsbücher gesetzt.
03. April 2020

Mausbeinalleine betete er im strömenden Regen auf dem menschenleeren Petersplatz für ein Ende der Corona-Pandemie, predigte Klartext und erteilte nach langem Verweilen im Gebet vor dem Allerheiligsten den feierlichen Segen „urbi et orbi“ – dies notabene mitten in der Fastenzeit! Grosses Kino mit nachhaltiger Botschaft und eindrücklichen Bildern.

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„Auch für mich als Agnostiker war das, was der Papst gerade gesagt hat, eine reine Offenbarung. Vielleicht lernt der Mensch ja doch noch etwas aus der Krise…“ schickte mir ein Freund nur Minuten nach der Feier eine Nachricht aufs Handy. Auf dass auch viele aus unseren eigenen Reihen die Impulse von Franziskus wenigstens zur Kenntnis nehmen, hoffentlich verstehen und bestenfalls sogar in die Tat umsetzen mögen! Das Papstgebet war mir zu nachtschlafender Stunde noch einen Beitrag auf unserer Homepage wert.

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Was für eine Woche! Was wir hinter den Kulissen hochtourig gerödelt* haben, ist am Mittwoch offiziell als grosse ökumenische Kampagne „Wenn beten allein nicht reicht“ vom Stapel gelaufen.

 

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Online-Inserate in grossen Medienportalen und Inserate in den Printausgaben weisen darauf hin, dass die Seelsorgenden und Beratungsdienste der Zürcher Kirchen für Menschen in Not da sind. „Die Bischöfe schlafen oder streiten, ihr handelt“. Kurz nach dem Start der Kampagne ploppte dieses Echo per Mail im Kommunikationsbriefkasten auf. Das Anerkennen des vielfältigen Engagements der Kirche in Corona-Zeiten freut uns auch Tage später noch ausserordentlich, zumal es von einer markanten Persönlichkeit stammt, welche schon länger aus der Kirche ausgetreten ist, aber weiterhin wachsam-kritisch deren Wirken verfolgt.

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Und die Bischöfe? Was die Schweizer Bischofskonferenz mit Blick auf die Feier von Karwoche und Ostern in Zeiten von Corona bewegt, ist seit gestern bekannt. Ein einsames Osterfeuer vor der Kirche, bewacht vom Sakristan, ein gesungenes Osterlob in der leeren Kirche und ein Priester, der als einziger die Kommunion zu sich nimmt. Und unser Bistum macht einen Zeitsprung in die Zukunft: Bischof Bürcher schaut auf dem gemeinsamen Weg zur Erneuerung der Kirche im Bistum Chur bereits der Phase ab Ostern entgegen. Da persönliche Begegnung für Austausch nicht möglich ist, benötigen wir noch mehr Gebet, um die zweite Phase angehen zu können…

Zurück in die Gegenwart: Für uns kommen jetzt erstmal die Karwoche und Ostern. Findet Ostern dieses Jahr statt? Findet Eucharistie statt? Diese Fragen stellt sich auch die Erfurter Dogmatikprofessorin Julia Knop und sie schreibt: „Was in jeder Eucharistie gefeiert wird – die Hineinnahme der Gläubigen in das österliche Geheimnis –, geschieht 2020 in Krankenhäusern und Wohnungen. Eucharistie findet statt – im Leben der Gläubigen. Ostern wird nicht verschoben – doch es ist vom Karsamstag gezeichnet.“

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Dass wir den Leib Christi nicht nur in der Hostie empfangen, sondern er auch im Wort Gottes zu uns kommt, wusste schon der Heilige Hieronymus im 4. Jahrhundert. In seinem praktischen und familientauglichen Impuls zum Palmsonntag (ab morgen auf unserer Homepage zu finden) erinnert Generalvikar Josef Annen daran. Und auch daran, dass jede Getaufte und jeder Gefirmte segnen kann. So fallen zwar dieses Jahr in Karwoche und Osterzeit liebgewonnene Traditionen weg und festliche Gemeinschaft im grossen Rahmen fehlt. Dafür entdecken wir neu, dass Gott bei uns zu Hause ist. In der Familie. Im kleinen Kreis. Mit der Heiligen Schrift auf dem Stubentisch, persönlichem Gebet und eigenen Ritualen.

 

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Zum Ausklang des Newsletters weise ich noch auf drei Beiträge hin, die mich diese Woche in ruhigeren Momenten beschäftigt haben und die mir nahe gegangen sind:

Kürzlich ist Peter Witter gestorben. Er war Priester, Pfarrer, Bildungsfachmann, engagierter Integrationsbeauftragter der Stadt Zürich und Förderer der Orthodoxen Kirchen. Die Gründung des Forums der Religionen 1997 ist ein wesentlicher Teil seines vielfältigen Vermächtnisses. Stephan Schwitter würdigt ihn in einem persönlichen Abschiedsbrief auf unserer Homepage.

Was an Corona Erkrankte erleben, wissen Barbara Schmid-Federer und ihre Familie aus eigener Erfahrung. Sie erzählt eindrücklich davon in ihrem Blogbeitrag „Panik hilft niemandem“.

Unter besonderen Bedingungen stehen unsere Spitalseelsorgenden weiterhin täglich im Einsatz für die Kranken und auch das Personal. Ihre Präsenz ist sehr gefragt und geschätzt. Tatjana Disteli hatte die Gelegenheit, in einem Radiointerview Einblick in die aktuelle Situation zu geben.

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Fest- und Osterfreude kommen bei mir auf, wenn am Hohen Donnerstag abends um 20 Uhr und am Ostersonntag morgens um 10 Uhr das ökumenische festliche Glockengeläut aller Kirchen die vielen kleinen Hauskirchen zu einer einzigen grossen verbindet.

„Lasst uns ein lebendiges Zeichen setzen! Lasst uns spüren, dass wir Gemeinschaft sind!“ ruft forum-Redaktor Thomas Binotto zur Aktion auf, die am 11. April startet. Alle Frohe-Ostern-Postings unter dem Hashtag #osternathome werden auf einer Social Wall gesammelt und veröffentlicht. Da twittern, facebooken und instagramen wir doch, was die Osterfreude hergibt!

Karwoche und Ostern sind dieses Jahr aktuell wie selten. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen besinnlichen und gesegneten Palmsonntag.

 

Arnold Landtwing
Informationsbeauftragter Generalvikariat

 

*Rödeln. Ich danke Kollegin Kerstin Lenz für das Beisteuern dieses lautmalerischen real im Duden existierenden Verbs für angestrengt arbeiten…

 

 Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.

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