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45 Tage Corona-Spezial-Fasten

Die Corona-Pandemie hat unsere Fastenzeit bis nach Ostern verlängert. Ein leises Aufatmen gab es gestern nach der Pressekonferenz des Bundesrates.
30. April 2020 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

Ab dem 11. Mai kehrt zumindest teilweise Normalität zurück. Für mich als Mutter im Homeoffice bedeutet das, dass die eine Tochter dann wieder in die Schule gehen wird. Hier zu Hause hat sie fürs Leben gelernt: Wäsche sortieren und waschen und falten kann sie inzwischen wie ein Profi, Zimmer umdekorieren und Nägel in die Wand kloppen ebenfalls.

Allerdings dauert die Zeit des Verzichts an:

  • Kirchliche Feiern wie Taufen, Hochzeiten, Firmung und Kommunion sind nach wie vor zu verschieben.
  • Der normale Sonntags-Gottesdienst wird wohl nicht vor dem 8. Juni stattfinden.
  • Das verordnete Homeoffice geht voraussichtlich noch genauso lang. (So langsam fehlen die Team-Kollegen dann doch (echt jetzt!!))

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Die Corona-Fastenzeit hat uns eine Zeit der zusätzlichen Besinnung beschert – das zeigen auch die Aussagen der kirchlich Engagierten, die wir in unserer Interview-Reihe befragt haben: „Eine Zeit um aufzutanken, nachzudenken und neue Ideen für die Zeit nach dem Lockdown zu finden.“ (Kirchenmusiker Udo Zimmermann)

 „Ich lese Romane und Gedichte in einer sonst selten erreichten Tiefe. Ich kommuniziere auf verschiedenen Kanälen und geniesse die Radiosendungen nochmals mehr.“ (Zeno Cavigelli, Pastoralassistent).

 

Schwester Ariane Stocklin
Schwester Ariane Stocklin

 

 „Ich finde, dass alles irgendwie langsamer um mich herum geworden ist. Unwichtiges fällt weg. Es wird tatsächlich unwichtig.“ (Sr. Ariane, Gassenarbeiterin)

 

Die gesamte Reihe finden Sie hier.

 

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Trotz Fastenzeit gibt es auch österliche Freude – bei den Kirchenleuten, die derzeit in den Spitälern, Kliniken und zu Hause am Krankenbett sind. Palliativ Care-Beauftragte Lisa Palm sagt: „Wir Seelsorgende können den Menschen und ihren Angehörigen nicht nur Trost geben, sondern bei ihnen auch religiöse und spirituelle Ressourcen freilegen.»

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Die Anfragen für Gespräche und Rituale haben zugenommen, die Seelsorgenden sind die „Joker“ im Klinikalltag. Auch ein gutes Gefühl!

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Vom Freud zum Leid: Schon lange vor der jetzigen Krise kriselte es in der Pfarrei und der Kirchgemeinde Regensdorf. Es gab zahlreiche Kündigungen, Kirchenaustritte, Kritik über den Umgangston und den Führungsstil vor Ort. Der Bericht zu einer Administrativuntersuchung der Aufsichtskommision liegt nun vor. Aufsichtsrechtlich relevante Verstösse der Kirchenpflege wurden nicht festgestellt, weshalb die Aufsichtsbehörde keinen Grund für ein Einschreiten sieht. Allerdings sei mit dem Bericht der Konflikt keinesfalls gelöst, schreiben Josef Annen und Franziska Driessen-Reding in ihrer Stellungnahme: „Nötig sind Massnahmen hinsichtlich der Personalführung und des Umgangs miteinander. Hierfür stehen Kirchenpflege, Pfarrer und Bischof in der Verantwortung.“ 

 

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Für den guten Umgang miteinander, dafür schien Paul Bösch zu stehen. Der Redaktor in Kutte, auch wenn er sie längst abgelegt hatte, ist vor einer Woche gestorben. Bösch, ein ehemaliger Kapuziner-Bruder, war lange tätig für das Zürich-Ressort im Tagi. „Möglicherweise war er derjenige auf der Redaktion, der am meisten von den anderen wusste – wenn jemanden etwas beschäftigte, wandte er sich gerne an den empathischen und verschwiegenen Paul,“ heisst es in seinem Nachruf.  Auch von unserer Seite Dank für sein öffentliches und verborgenes Wirken.

 

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Der 1. Mai-Feiertag, Gedenktag von Josef, dem Arbeiter genannt, beschert uns ein langes Wochenende, natürlich zu Hause.

Für das Hirn empfehle ich den Kommentar vom Freiburger Moraltheologen Daniel Bogner heute in der NZZ, der die Einschränkungen durch die Krise verteidigt: „Dem biblischen Erbe in der europäischen Tradition bleiben wir treu, wenn wir das Leben als etwas Heiliges betrachten, das wir mit allen Mitteln zu schützen versuchen, und sei es auf die kontraintuitive Weise des Social Distancing und sogar mit der modernen Gerätemedizin.“

Für das Herz empfehle ich die Worte zum vierten Ostersonntag von Josef Annen, Delegierter des Apostolischen Administrators für die Bistumsregion Zürich/Glarus, der Jesus als Hirten und Ernährer beschreibt.

Für Handwerk und Hunger empfehle ich, dem Tipp im Video von Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding zu folgen: therapeutisches Teigkneten und dann das selbst gebackene Brot essen und sogar teilen – Eucharistie zu Hause.

Einen gesegneten Sonntag wünsche und Durchhalten beim weiteren Corona-Fasten, herzlich Kerstin Lenz

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.