Kirche aktuell

Impuls zum vierten Ostersonntag Nahrung für Leib und Seele

Delegierter des Apostolischen Administrators für die Bistumsregion Zürich/Glarus
Josef Annen

Dr. theol. Josef Annen ist als Delegierter des Apostolischen Administrators für die Bistumsregion Zürich/Glarus für das kirchliche Personal und die Pastoral in den Kantonen Zürich und Glarus verantwortlich.

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Gerade heute brauchen Menschen Hirten, denn ein guter Hirt sorgt für Nahrung, die den Hunger körperlich und seelisch stillt.
30. April 2020

Wer ist dieser Jesus von Nazareth? Dieser Frage stellt sich das Johannesevangelium.
Eine Antwort heisst: Jesus ist der Gute Hirt (Johannes 10, 1-10). Das Bild vom guten Hirten mag uns heute fremd erscheinen. Für den Evangelisten Johannes war dem nicht so. Schon das Alte Testament spricht von Gott als dem guten Hirten. Da heisst es z.B. in Psalm 23: «Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.»

«Hirten» bedeutet für Nahrung sorgen

Spannend ist, wie Ulrich Zwingli diesen Vers übersetzt. Er schreibt: «Der Herr hirtet mich.»

«Ich gehe mein Vieh hirten», sagt der Bauer, wenn er sich aufmacht, um im Stall seine Tiere zu füttern. Auf uns übertragen heisst das: Gott nährt mich. Zum einen wortwörtlich, wenn Jesus den Jüngern bei der Brotvermehrung sagt: Gebt den Leuten zu essen, denn sie haben Hunger.

Rotary Clubs helfen Bedürftige hirten

Diesem Auftrag Jesu sind fünf Rotary Clubs aus dem Kanton Zürich gefolgt. Bis heute haben sie über 35‘000 Franken Spendengelder an den Verein «Incontro» überwiesen. Mit dieser Hilfe kann Sr. Ariane Stocklin in der Langgasse einen Monat lang warme Speisen und Hygieneartikel an Obdachlose, Drogensüchtige, Flüchtlinge, Prostituierte und sonstige Bedürftige abgeben. Unterstützt wird sie nicht zuletzt von den Zürcher Pfarreien, die Lebensmittelpakete sammeln.

Seelennahrung schenkt Trost

Zum andern geht es Johannes immer auch um die Nahrung für die Seele. In Jesus findet ihr, was ihr sucht. Einer, der sein Leben lang über Gott und die Welt, über den Sinn des Lebens, über Gesellschaft, Staat und Religion nachgedacht und geschrieben hat, ist der Philosoph Immanuel Kant. Er sagt: «Alle Bücher, die ich gelesen habe, haben mir diesen Trost nicht gegeben, den mir dieses Wort der Bibel gab: «Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.»»

 

Wer das Bild des guten Hirten musikalisch meditieren mag: Johann Sebastian Bach hat in der Kantate BWV 85 «Ich bin ein guter Hirt» das Thema wunderbar umgesetzt (Dauer: 17 Minuten).