Kirche aktuell

Seelsorge für Kranke in der Corona-Krise «Joker im Klinikalltag»

Ob im Spital, in der Klinik oder am Krankenbett zuhause: Seelsorge für Kranke und deren Angehörige ist gefragt wie noch nie.
29. April 2020 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

An allen Spitälern und Kliniken im Kanton Zürich sind Spitalseelsorgende der Kirchen im Einsatz, auch in Corona-Zeiten. Allein von der katholischen Kirche wirken hier rund 40 speziell ausgebildete Personen. Sie treffen auf verunsicherte Patientinnen und Patienten und stark belastetes Gesundheitspersonal: «Das Personal ist froh, wenn es auf die Seelsorgerinnen und Seelsorger zurückgreifen kann», erklärt Sabine Zgraggen, Leiterin der katholischen Spital- und Klinikseelsorge. Manche haben im «Corona-Stab» des Spitals neue Aufgaben erhalten, andere begleiten Familienmitglieder zu den sterbenden Angehörigen. Vor allem die Anfragen der Intensivstationen für Begleitungen und Rituale zum Abschiednehmen stiegen, nachdem die Seelsorgenden dafür gekämpft hatten, auch auf diesen Stationen Besuche machen zu dürfen. «Natürlich halten sich alle Seelsorgende an die hygienischen Vorgaben und haben gemeinsam mit dem Personal die Schulungen besucht», führt Zgraggen aus.

Für Karin Oertle, Seelsorgerin im Waidspital, herrscht in den Spitälern «Novemberstimmung». Besuche von lieben Menschen fehlen, mit denen man Freud und Leid teilen könne – zum Beispiel auf den Gebärabteilungen. So übernehmen die Seelsorgenden eine Vertreterrolle, Gespräche gewännen schneller an Tiefgang.  

Die Seelsorgenden der Dienststelle sind stark präsent in der Krise, machten mehr Angebote. Theologin Zgraggen: «Derzeit sind wir der Joker im Klinik-Alltag, dafür sind viele dankbar.»

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Angestellte mit Existenzängsten

Viele Sorgen werden an die Kirchenleute herangetragen. "Wir haben Zeit für alle", so Zgraggen. «Zu Beginn der Corona-Krise stiegen die Anfragen von Spital-Angestellten exorbitant», erklärt die Seelsorgerin. «Sie hatten Angst vor Ansteckung, aber auch existenzielle Sorgen, da einige Stationen geschlossen wurden.»

Der positive Nebeneffekt der Einschränkungen durch Corona ist, dass die Mitarbeitenden der Spital- und Klinikseelsorge mehr denn je als Teil des Spital-Teams wahrgenommen werden. «Wir erfüllen hier ein Bedürfnis,» so die Leiterin der Stelle. Und fügt hinzu: «Mich beeindruckt sehr, mit welcher Selbstverständlichkeit Ärzte und Pflegepersonal bis ans Äusserste gehen und sich hohen Risiken aussetzen und dass auch die Seelsorgenden zu dieser Gruppe gehören.“

Massiv mehr Anfragen bei Palliativ Care

Vor allem in der Stadt Zürich haben die Anfragen bei der Palliative Care-Helpline seit der Coronakrise stark zugenommen. In zwei Monaten haben die Seelsorgenden gleich viele direkte Besuche sowie kürzere und längere Telefonkontakte in Spitälern und Kliniken realisiert wie sonst das ganze Jahr hindurch.

Die Seelsorgenden des ökumenischen Palliative Care-Teams sind – zusammen mit den Spitalseelsorgenden – die einzigen, welche vom Verbot der Krankenbesuche in Spitälern und Kliniken ausgenommen waren. Die meisten Kontakte werden von der Palliative- oder psycho-sozialen Spitex vermittelt, einige wenige kommen direkt von Angehörigen schwerkranker oder sterbender Menschen. Lisa Palm, Beauftragte für Palliative Care der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, hatte alleine im März und April 40 direkte Besuche, Telefonate und Skype-Begegnungen bei und mit Patienten sowie Angehörigen.

«Was mich am meisten berührt hat», so Palm, «ist das Dasein für schwerkranke und sterbende Patientinnen und Patienten, die in ihrer schwierigen Situation zusätzlich noch mit der Einsamkeit kämpfen. Wir Seelsorgende können diesen Menschen und ihren Angehörigen nicht nur Trost geben, sondern bei ihnen auch religiöse und spirituelle Ressourcen freilegen.»

Mit der Palliative-Care Helpline sind die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Landeskirchen im Einsatz für Schwerkranke und Sterbende, deren Angehörige sowie Ärzte und Pflegende. Die Begleitung ist kostenlos und steht allen Menschen offen.
Palliative-Care Helpline: 044 554 46 66 (Montag bis Freitag, 8-17 Uhr)

 

 

 

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Seelsorger Bernd Siemes in der Kapelle des Unispitals