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Ein Jahr Beratung an der Palliative-Care-Hotline

Ein Jahr Beratung an der Palliative-Care-Hotline
Das Team der Hotline Palliative-Care (v.l.): Regula Oberholzer, Matthias Fischer, Patricia Machill, Lisa Palm, Daniel Burger
Wenn pflegebedürftige Angehörige nicht nur medizinische, sondern auch spirituelle Bedürfnisse haben, bietet ein Team von fünf katholischen und reformierten Theologinnen und Theologen Beratung und Begleitung. Die Palliative-Care Hotline ist ein Jahr alt. Seelsorgerin Lisa Palm berichtet von den Erfahrungen.
12. Februar 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

Zuerst einmal: Was ist die Palliative-Care Hotline und wen will sie ansprechen?

Die Palliative-Care Hotline ist ein niederschwelliges Angebot für Schwerkranke und deren Angehörige oder ambulante Palliative-Care-Dienste. Speziell ausgebildete Seelsorgerinnen oder Seelsorger sind unkompliziert für eine spirituell-religiöse Begleitung zu erreichen. Nur schon ein Gespräch oder eine einfache Beratung am Telefon bedeuten eine grosse Entlastung. Manchmal ist das Bedürfnis aber auch eine Begleitung zu Hause. Wenn immer möglich, stellen wir dies innerhalb von 24 Stunden sicher. 

Vor einem Jahr startete die Seelsorge-Hotline für Palliative Care und hat in den Medien ein grosses Echo gefunden. Ist sie erfolgreich?

Erfolgreich sind wir, wenn es uns gelingt, durch unsere Begleitung betroffene Schwerkranke und deren Angehörigen zu unterstützen und zu stärken. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies wöchentlich eine Anfrage. Die Situationen sind meist sehr komplex und es braucht noch Zeit, bis das neue Angebot auch in pflegerisch-ärztlichen Diensten an Bekanntheit gewinnt. Im ersten Jahr haben wir viel Zeit investiert, um die Palliative-Care Hotline als neues Angebot vorzustellen. Wir sind zuversichtlich, dass sich die positiven Erfahrungen einer Begleitung herumsprechen und sowohl Beratungen wie Begleitungen zunehmen werden.

Medien zeigten grosses Interesse an der  neuen Helpline Palliative-Care. FOTO: Cécile Reh
Medien zeigten grosses Interesse an der neuen Helpline Palliative-Care. FOTO: Cécile Reh

Wer hat das Angebot genutzt?

Zwei (anonymisierte) Beispiele stehen stellvertretend für viele andere:

Da war der Mann, der durch die Pflege eines schwerkranken Familienangehörigen schwer belastet war. Für ihn war es wichtig, mit jemandem reden zu können, der Zeit hat und sich mit Situationen schwerer Krankheit auskennt. Ein langes Gespräch erleichterte ihn von einem grossen Druck.

Die spezialisierte Spitex machte eine schwer kranke Patientin auf die spirituell-religiöse Begleitung der Palliativseelsorge aufmerksam. Die Frau wünschte sich eine Stärkung in Form von Körpermeditationen, die ich jeweils mit einem Segensgebet abschliesse. Ich besuche sie nun monatlich.

Aus etlichen anderen Anrufen entstand eine längere Begleitung oder auch der Wunsch nach einem Hausbesuch.

Die meisten Anrufe kamen von Mitarbeiterinnen der ambulanten, spezialisierten Spitex. Sie hatten ihren Patientinnen von unserer Seelsorgehelpline erzählt und stellten dann im Auftrag der Betroffenen den Kontakt zu uns her. Zum Teil ergaben sich daraus kurze Begleitungen, einige Male verstarben Patienten auch vor oder nach dem Erstbesuch, manchmal erfolgten Begleitungen auch über Monate hinweg.

Welche Themen beschäftigen am meisten?

Auch wenn schwerkranke Menschen oft zu müde sind für längere Gespräche, hatten sie den Wunsch nach einer Begleitung. Oft wünschten sie eine stärkende Meditation, ein Ritual in Form einer Kommunion- oder Segensfeier. In einigen Fällen konnten wir auch den Kontakt mit der Seelsorge vor Ort herstellen und mit der Pfarreiseelsorge vor Ort abwechselnd Besuche bei der betroffenen Patientin vereinbaren.

Kann es sein, dass die Zurückhaltung gegenüber der Hotline im Tabuthema Sterben/Tod liegt?

Das ist durchaus möglich. Bei vielen herrscht noch die «alte Vorstellung», dass der Seelsorger dann gerufen wird, wenn es um die Beerdigung geht. Unser seelsorglicher Ansatz fokussiert auf spirituell-religiöse Begleitung und Stärkung. Mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten können palliative Patienten noch über Jahre eine gute Lebensqualität haben.

Welche Anstrengungen unternehmen Sie im 2. Jahr, um das Angebot noch bekannter zu machen? Wer kann Sie dabei unterstützen?

Zuerst ist es uns wichtig, verlässlich und professionell zu begleiten und das Vertrauen in die Palliativseelsorge zu festigen. Dann werden wir weiterhin in der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung aktiv sein. Wichtig ist uns, das Gespräch mit den unterschiedlichen Diensten und Palliativanbietern zu suchen. Neu werden wir versuchen, unsere Flyer noch breiter gezielt zu streuen.

Auch der gute und enge Kontakt zu den Pfarreien ist und bleibt uns wichtig. Diese können uns unterstützen, wenn sie auf ihren Webseiten eine Rubrik «Palliative Care-Begleitung» aufschalten, damit die Seelsorge frühzeitig kontaktiert wird - nicht erst, wenn Menschen schon gestorben sind.

Interview im Regionaljournal Zürich-Schaffhausen

Palliative-Care Hotline  (Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr).

  • Für den Kanton Zürich 
    (ausser Stadt Winterthur): Tel. 044 554 46 66

  • Für die Stadt Winterthur: Tel. 052 224 03 80

Weiterführende Informationen zu Palliative-Care:
www.spitalseelsorgezh.ch/palliativseelsorge
www.zhref.ch/themen/palliative-care

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