Kirche aktuell

Vielstimmig Kirche sein Pilger starten mit Petition nach Chur

Am frühen Samstagmorgen ist eine Gruppe mit Theologinnen und Theologen am Zürcher Central aufgebrochen, um nach Chur zu pilgern. Dort übergeben sie dem Bischof eine Petition und bekunden ihre Solidarität mit dem entlassenen urschweizer Generalvikar Martin Kopp.
13. Juni 2020 Katholische Kirche im Kanton Zürich 2 Kommentare

In biblischer Zwölferzahl – je sechs Frauen und Männer – startete am Samstagmorgen um 7 Uhr eine Gruppe mit Theologinnen und Theologen im Herzen der Stadt Zürich zu einem langen Pilgerweg. Herberge findet die Gruppe am Samstagabend in einer Pfarrei am Zürichsee. Martin Kopp wird sich zu einem späteren Zeitpunkt dem Pilgerweg anschliessen.

Seelsorgende, pilgernd unterwegs von Zürich nach Chur
Pilgernd unterwegs von Zürich nach Chur

Dieser wird sie nach Chur führen, genauer: zum stillen Gebet in die Kathedrale und anschliessend auf die andere Seite des Hofplatzes zum bischöflichen Palais. Dort wollen sie am 18. Juni dem Bischof die von 3800 Leuten unterzeichnete Petition übergeben, welche sich mit dem entlassenen Generalvikar Martin Kopp solidarisiert.

Spirituelle Nahrung von Silja Walter mit auf dem Weg

Eine der Pilgernden ist Spitalseelsorgerin Veronika Jehle. Für sie war der Aufbruch sehr bewegend, denn „es herrschte eine gute Stimmung mit der spürbaren Freude, miteinander Kirche zu sein. Gefreut hat mich auch, dass Menschen am frühen Morgen ans Central gekommen sind, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen.“

Für sie ist auch wichtig, dass der Text „Gebet des Klosters am Rand der Stadt“ der Dichternonne Silja Walter vom Kloster Fahr die Gruppe auf dem Weg nach Chur begleitet.

Unter die Füsse nimmt den Weg auch Hella Sodies. Sie ist Seelsorgerin und Pfarreibeauftragte des Pfarrekorats Johannes XXIII. in Greifensee und lässt sich vom strömenden Regen, der kurz nach dem Aufbruch eingesetzt hat, nicht entmutigen. Im Gegenteil, sie versteht das Wetter sinnbildlich für die Situation im Bistum Chur:

„Mit unseren Anliegen fühlen wir uns im Bistum Chur im Regen stehen gelassen. Aber das hält uns nicht davon ab, auf dem Weg zu bleiben.“

Wunsch nach renaturierter Kirche mit Vielfalt

Die witterungsbedingte Unbill war nur von kurzer Dauer und so lud die Natur unterwegs ein, genauer hinzuschauen und nachzudenken.

Biodiversität am Wegrand
Biodiversität am Wegrand

So hat Amanda Ehrler (Präsidentin des Katholischen Frauenbunds Zürich) mit renaturierten Bächen und Landschaften Biodiversität in einer wunderbaren Lebendigkeit angetroffen. Für sie sind diese ein Sinnbild, das sie begleitet:

„Ich wünsche mir eine renaturierte Kirche, die der Vielfalt Raum gibt, eine Kirche, in der ganz unterschiedliches Leben nebeneinander bestehen und sich entfalten kann.“

Seelsorgende sind Brückenbauer
Seelsorgende sind Brückenbauer

Und für Spitalseelsorger Daniel Burger ist die Antwort auf die Frage, warum er nach Chur pilgert ganz einfach:

„Leadership braucht Dialog und Kommunikation. Einen solchen substanziellen und wertschätzenden Dialog vermissen wir seit 40 Jahren in unserem Bistum. Wir wünschen uns einen Dialog, der mehr ist als Nettigkeiten, sondern eine Haltung lebt, die von echter Wertschätzung für Verschiedenheit geprägt ist.“

Wer den Weg nach Chur nicht selber mitgehen kann: Auf unseren Kanälen von Facebook und Instagram begleiten wir die Gruppe auf dem Weg nach Chur. Jeweils am Nachmittag schalten wir als Impression ein paar Fotos und kurze Gedanken auf.