Kirche aktuell

Zum Tod von Tarcisi Venzin Abschied von der Bündner Wettertanne

Im Alter von 87 Jahren ist Tarcisi Venzin verstorben. Als Pfarrer und Dekan hat er viele Jahrzehnte im Kanton Zürich gewirkt. Mit ihm verliert das Domkapitel erneut ein Mitglied. Wir würdigen den Verstorbenen und erklären, wie die Nachfolge im Domkapitel geregelt wird.
11. Mai 2021 Katholische Kirche im Kanton Zürich

Im Alter von 70 Jahren verabschiedete sich Tarcisi Venzin als Pfarrer der Pfarrei Rüti-Tann und zog heim in sein Elternhaus im Bergdorf Dardin/GR in der Surselva. «Ich bin ein heruntergekommener» pflegte er sich mit einem breiten Lachen vorzustellen, wenn er nach seiner Herkunft gefragt oder auf seinen Dialekt mit romanischem Einschlag befragt wurde. Aufgewachsen ist er mit elf Geschwistern im Bündner Oberland. In den Ferien war er barfuss hoch oben unterwegs und hütete Geissen. Diese Erfahrung erdete ihn für sein ganzes Leben.

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Geissalpen oberhalb Dardin

Geissalpen oberhalb Dardin, wo Tarcisi Venzin die Tiere hütete. Foto: zVg

Die Stationen seines Wirkens sind schnell aufgezählt: 8 Jahre Vikar in Horgen, 17 Jahre Pfarrer in Bülach und 16 Jahre Pfarrer in Rüti. An allen Orten war er bei Jung und Alt hoch geschätzt, weil er die Ruhe einer Bündner Wettertanne ausstrahlte, mit einem goldenen Humor gesegnet und als Seelsorger authentisch war. Gottesdienste eröffneter er immer mit dem Gruss «Schön, dass ihr da seid» und die Menschen wussten, dass er es so meinte. Der kürzlich verstorbene Weihbischof Paul Vollmar sagte zu Venzins Abschied in Rüti:

«Viele Menschen durften durch dein Zeugnis den Weg zu einer Kirche finden, die auf Seite der Menschen steht und ihnen Hilfe und Kraft spendet.»

Zwei Mal unternahm die kirchliche Obrigkeit den Versuch, Tarcisi Venzin in grosse Pfarreien ins Bündnerland zu holen. Zwei Mal signalisierte er klar, er wolle in der Diaspora im Kanton Zürich bleiben. Die Würdigungen beim Abschied aus den Pfarreien zeigten den Grund: Tarcisi Venzin war ein ausgesprochener Team-Player, der sich nicht vorstellen konnte, als «Einspänner» (sic!) unterwegs zu sein. Er baute in den Pfarreien die Strukturen auf, gründete Pfarreiräte, vernetzte und hatte vor allem die Grösse, verschiedene Charismen zur Geltung kommen zu lassen. «Me muess mal au öppis Verruckts mache» lautete seine Motivation, wenn er wieder einmal andere mit Kreativität, Visionen und Begeisterung für ein Projekt an Bord holte.

In der Ökumene wirkte er überaus integrativ und einladend. So gehörten verschiedene reformierte Pfarrer zu seinen engsten Freunden und eucharistische Gastfreundschaft war für ihn eine täglich gelebte Selbstverständlichkeit.

Am 10. Mai 2021 ist Tarcisi Venzin im Alters- und Betagtenheim St. Martin in Trun gestorben. Eine ausführliche Biografie mit den einzelnen Lebensstationen findet sich auf der Homepage des Bistums

Beisetzung und Beerdigungsgottesdienst

Freitag, 14. Mai 2021

  • um 16.00 Uhr, Beisetzung auf dem Friedhof der Kirche St. Bistgaun in Dardin, anschliessend,
  • um 17.00 Uhr, Beerdigungsgottesdienst in der Kirche Assumziun da Maria in Breil/Brigels GR.

In der Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit in Tann ZH findet zu einem späteren Zeitpunkt ein Gedenkgottesdienst statt. Die Information zum Termin folgt später.

Todesanzeige

 

Mit dem Tod von Tarcisi Venzin sind jetzt im Churer Domkapitel bereits fünf Sitze vakant (Tarcisi Venzin, Martin Bürgi, Christoph Casetti, Hans Cantoni und Joseph Bonnemain), die es neu zu besetzen gilt. Hier lesen Sie, wie der Prozess einer  Nachfolge für das Domkapitel abläuft.

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Unterwegs beim Maiensäss. Foto: zVg

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Ein aufmerksamer Zuhörer. Foto: zVg

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Priesterweihe von Tarcisi Venzin 1961. Foto: zVg