Kirche aktuell

Regierungsrätin Jacqueline Fehr zu Staat und Kirche «Ich wünsche mir eine öffentlich präsente Kirche»

Religionsministerin Jacqueline Fehr erläuterte am 24. September die Bedeutung der Kirchen und Religionsgemeinschaften für Staat und Gesellschaft. Ihr grosser Wunsch: «Bleiben Sie im Dialog mit der Gesellschaft. Ihre Stimme wird geschätzt, und sie wird gehört.» Zum Anlass eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AGCK).
25. September 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

Der Zürcher Regierungsrat hatte Ende letzten Jahres mit einem Dokument mit sieben Leitsätzen zum Verhältnis Staat und Religion der Öffentlichkeit seine Positionen vorgelegt. «Religion ist für den Staat eine wichtige gesellschaftliche Ressource», sagte Fehr. «Das Christentum ist zweifellos auch einer der wichtigen Faktoren, die unsere Kultur geprägt haben.» So gebe es viele Werte des Christentums, die für das gesellschaftliche Zusammenleben grundlegend seien.

Umgang mit Internet/Social Media und Umwelt

Als aktuelle Beispiele nannte Fehr einerseits Internet und Socialmedia, die es ermöglichen würden, aus der Anonymität heraus Andere anzugreifen und herabzusetzen. Hier hätten die Kirchen eine Vermittlerfunktion. Ein anderes Feld sei die Umweltzerstörung. Aus der christlichen Perspektive heraus, dass die Erde die Schöpfung Gottes sei, könnten christliche Kirchen hier einen eigenständigen Beitrag leisten. «Ich möchte sie ermutigen, in diesen Bereichen öffentlich und lautstark Position zu beziehen. Bleiben Sie im Dialog mit der Gesellschaft. Ihre Stimme wird geschätzt und gehört», sagte die Regierungsrätin.

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Anerkennungssystem hat sich bewährt

Im Kanton Zürich sind die Evangelisch-reformierte Landeskirche, die Römisch-katholische Körperschaft,  Christkatholische Kirche, die Israelitische Cultusgemeinde Zürich und die Jüdisch Liberale Gemeinde anerkannt. Religionsministerin Fehr. «Wir kooperieren intensiv und gut mit den anerkannten Religionsgemeinschaften, Das System ist für beide Seiten gewinnbringend. Wir profitieren zum Beispiel davon, dass die Kirchen oft schneller und flexibler auf Probleme und Notlagen reagieren können als der Staat. Wir wollen dieses bewährte System deshalb fortsetzen.» Dazu gehöre auch die finanzielle Unterstützung der anerkannten Religionsgemeinschaften, die diese Mittel im gesamtgesellschaftlichen Interesse einsetzen würden.

Nächste Schritte aufgrund wissenschaftlicher Studie

Offener sei die Situation bei den nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften. Auch diese Gruppen wie die Muslime, orthodoxen Christen und andere Gemeinschaften würden Leistungen im Interesse der Gesellschaft erbringen. Auf eine entsprechende Frage meinte Jacqueline Fehr, dass auf Gesetzesstufe angedacht sei, wie auch diese Gruppen vom Staat unterstützt werden können, ohne sie gleich staatlich zu anerkennen. Hierzu gebe es eine wissenschaftliche Studie zur Situation der nicht-anerkannten Religionsgemeinschaften, die aktuell abgeschlossen ist und analysiert wird. Auch dies unterstreiche die Bedeutung der Kirchen und Religionsgemeinschaften für den Regierungsrat.

Zum Anlass eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Kanton Zürich (AGCK ZH). Sie ist mit über 20 Gemeinschaften die grösste ökumenische Plattform im Kanton Zürich.

www.agck-zh.ch

Referat von Regierungsrätin Jacqueline Fehr

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Regierungsrätin Jacqueline Fehr (vorne) und Pfarrerin Bettina Lichtler, Präsidentin der AGCK Zürich. Foto: Gion Pfander