Über uns

Grüss Gott Zürich Stürmische Herbstwoche

Bereichsleiter Kommunikation des Synodalrates
Simon Spengler

Gesamtverantwortung Kommunikation. Katholischer Theologe und Journalist.

Author
Passend zum Herbst erleben wir gerade wieder stürmische Zeiten, in vielerlei Hinsicht. Nicht nur gold-gelbes Laub flattert durch die Lüfte, nein, es kracht gewaltig tief im Gehölz.
23. Oktober 2020 6 Kommentare

Da bittet eine ganze Gruppe von Seelsorgenden, Laien wie Priestern, mit zusammen wohl einigen hundert Jahren Erfahrung und Engagement im kirchlichen Dienst, den Bischof um ein klärendes Gespräch in Folge der Absetzung von Generalvikar Martin Kopp. Ihr Klopfen am Tor der bischöflichen Burg zu Chur bleibt über Wochen und Monate unerhört.

Deshalb klopfen sie etwas heftiger, so dass auch die Öffentlichkeit es hört. Wie reagiert der oberste Hirte? Drohung statt Dialog, Konfrontation statt Kommunikation, Verurteilung statt Verständigung, Donnergroll statt Demut - hier nachzulesen. Nur gut, bewahrte die vielstimmige Gruppe der Seelsorgenden Besonnenheit. In solch einem Sturm der Beschuldigungen versteht keiner mehr die Worte des anderen, jedes Gespräch wird im verbalen Lärm übertönt. Leider fast ein Dauerzustand seit vielen, vielen Jahren.

 

trennlinie.png

 

Einer, der diesen Donnergroll seit vielen Jahren über sich ergehen lassen musste, ist Generalvikar Josef Annen. Er, ein Mann der leisen, aber auch klaren Töne, versuchte immer in seinem Einflussbereich in Zürich und Glarus, den Dialog in der Kirche aufrecht zu halten. Dass dieser permanente Dauerdruck nicht nur Kräfte zehrt, sondern krank macht, musste er am eigenen Leib erfahren. Nun tritt er entkräftet zurück.

Wir wünschen Josef Annen rasche Genesung und neue Lebensfreude in ruhigeren Gefilden, wo der goldene Herbst seine schönen Seiten zeigt. Diese Seiten gibt es im übertragenen Sinn auch in unserer Kirche. Nur gehen sie leider oft im Sturmgeheul unter. Aber es gibt sie! Gott sei Dank – und ein Stück weit auch dank Josef Annen. Herbstzeit ist auch Erntedank-Zeit! Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding und der Doyen der Dekane, Hugo Gehring, würdigen sein Engagement auf unserer Homepage.

 

trennlinie.png

Aufhorchen lässt uns wieder einmal Papst Franziskus, einige hat er wohl regelrecht aufgeschreckt. Im Dokumentarfilm „Francesco“ des russischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski, der auf dem Filmfestival in Rom präsentiert wurde, sagt er doch tatsächlich im Hinblick auf die gesetzliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften: „Homosexuelle sind Kinder Gottes und haben ein Recht auf eine Familie“.

papst1.jpg

„Ehe für alle“ ist zwar in unseren Breitengraden längst gesetzliche Norm, aber in vielen Ländern der Welt überhaupt nicht, im Gegenteil. Auch nicht in Ländern, die sich als „katholisch“ verstehen. Insofern bedeutet das Wort des Papstes schon eine kleine Revolution. Einmal mehr fragt man sich aber, warum er so etwas in einem Film sagt, nicht an einer Bischofssynode oder in einer Enzyklika.

Und was genau meint er mit „Familie“? Auch ein Adoptionsrecht? Für uns als Kirche eine besonders drängende Frage: Warum darf dann ein homosexuelles Paar nicht kirchlich gesegnet werden? Trotzdem bin ich dem Papst dankbar, denn er ermöglicht so zumindest eine offene Diskussion in der Kirche und damit auch eine Meinungsvielfalt, die andere nur zu gern verbieten wollen.

trennlinie.png

 

Meinungsvielfalt herrscht auch gegenüber der Konzernverantwortungsinitiative, über die wir bald abstimmen. Doch hier wird die öffentliche Debatte zunehmend gehässiger und polemischer. Statt Argumente auszutauschen, bestimmen zunehmend Fake News die Schlagzeilen der Gazetten. Vor allem die komplett faktenfreie Behauptung etlicher Initiativgegner, die Kirchen finanzierten diese Kampagne mit Kirchensteuermitteln.

Ich kenne keine einzige kirchliche Körperschaft, welche auch nur einen Rappen Steuermittel für die Kampagne ausgegeben hat. Klar, viele kirchliche Persönlichkeiten bis hin zu den Bischöfen unterstützen ideell das Anliegen – hoffentlich auch! Schliesslich geht’s um Menschenrechte und Gerechtigkeit. Wo, wenn nicht hier, müssen Kirchen Stellung beziehen. Gerade heute hat das auch die bischöfliche Kommission Justitia et Pax getan. Aber was die Stimmbürger am Schluss ankreuzen, das ist ihrer eigenen Vernunft und ihrem Gewissen überlassen. Doch wenn die Argumente ausgehen, sind Polemik und Fake News nicht nur in den USA willkommene Ablenkungsmanöver.

Im Hinblick auf die positiven Umfrageergebnisse zur Initiative dürften die Kirchen in den nächsten Wochen noch einiges mehr an Gehässigkeiten über sich ergehen lassen müssen. Leider auch aus gewissen kirchlichen Federn.

 

trennlinie.png

Kompetenz und Objektivität sind Qualitätsmerkmale der Religionssendungen des Schweizer Fernsehens und Radios. Nun soll auch hier der Sparhammer angesetzt werden: Die Sendezeit für journalistische Religionssendungen im Radio wird drastisch reduziert.

Es geht nicht darum, dass alles so bleiben muss, wie es immer war. Wie alle Medien muss auch SRF seine Sendungen immer anpassen. Aber wenn das im Rahmen einer gewaltigen Sparaktion verkündet wird, läuten die Alarmglocken. Hier geht es wohl nicht nur um einzelne Sendungen, sondern um Personalabbau. Und das heisst Abbau von Fachkompetenz. Das katholische Medienzentrum will diesen befürchteten Kahlschlag mit einer Petition verhindern. Fast 2400 Personen haben bereits unterzeichnet, darunter Christen, Juden, Muslime und generell Interessierte an seriöser Religions-Berichterstattung. Hier können Sie die Petition unterzeichnen.

trennlinie.png

Mit dem Herbst neigt sich auch das alte Jahr langsam dem Ende entgegen. Zeit, sich um einen Kalender fürs neue Jahr zu kümmern. Wie wäre es mit dem info@zhkath.ch erhalten. Es gibt zwei Stück für die ersten beiden, die sich melden.

 

Kalender der Religionen
Kalender der Religionen

 

Es kommen nun ja auch wieder die abendlichen Stunden daheim unter der Kuscheldecke. Gern auch mit einem guten Buch (und einem Glas Wein). Da kann ich Ihnen nur das neueste Werk von Mönch Martin Werlen empfehlen „Raus aus dem Schneckenhaus!“ Vorsicht: Man könnte verführt werden, sich selbst zu hinterfragen. Aber das kann durchaus heilsam sein.

trennlinie.png

Ich wünsche Ihnen allen ein erholsames Herbstwochenende, vielleicht mit einem Spaziergang durch den modrig duftenden Wald. Vielleicht sind Sie wie ich ein Pilzliebhaber. Dann passen Sie gut auf. Nicht alles, was sich aus dem Moder ins Licht der Öffentlichkeit reckt, ist auch geniessbar.

Ihr Simon Spengler

 

Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.