Human Rights Film Festival Zeit für Veränderung
In einer Zeit, in der die Welt unter Spannung steht, in der autoritäre Regime erstarken, Völkerrecht angegriffen wird und Repression zunimmt, bietet das Programm des Human Rights Film Festivals eine besondere Möglichkeit, sich mit einer komplexen Welt und deren Mechanismen auseinanderzusetzen.
Vom Persönlichen zum Universellen
Die Filme des Festivals erzählen von individuellen Schicksalen – und öffnen zugleich den Blick auf globale Zusammenhänge.
Mit dem Openingfilm Letters from wolf street hält der Filmemacher Arjun Talwar aus Indien seiner Wahlheimat Polen den Spiegel vor. Er zeichnet ein vielschichtiges Porträt der Bewohnerinnen und Bewohner einer Warschauer Strasse und schafft zugleich ein universelles Bild gesellschaftlicher Spannungen und politischer Stimmungen im heutigen Europa.
Auch prekäre Fluchtgeschichten und persönliche Schicksale kommen auf die Leinwand: Die junge Künstlerin Soraya aus Afghanistan versucht in A fox under a pink moon den patriarchalen Fängen ihres gewalttätigen Ehemanns zu entkommen und in Writing Hawa porträtiert die Filmemacherin Najiba Noori ihre Mutter, die nach der Machtübernahme der Taliban plötzlich vor den Trümmern ihrer hart erkämpften Unabhängigkeit und Existenz steht – zwei starke Frauen mit einem grossen Altersunterschied, doch ähnlichen und ermutigenden Emanzipationsgeschichten.
Widerstand, Umbrüche & Kunst
Erstmals verleiht das Festival den «Creative Rebel Award». Die Auszeichnung geht an die georgisch-schweizerische Filmperson Elene Naveriani. Das Werk zeichnet sich durch eine eigenständige künstlerische Handschrift und einen sensiblen Blick auf gesellschaftliche Normen, Identität und queere Lebensrealitäten aus.
Das HRFF Zurich zeigt Naverianis Langfilme: I am truly a drop of sun on earth, Wet sand und den Gewinner des Schweizer Filmpreises 2024 Blackbird blackbird blackberry. Zudem lädt der Kontext-Talk «Creative resistance in Georgia» dazu ein, über die Rolle von Kunst und Film in Zeiten politischer Spannungen und deren Einfluss auf kulturelle Freiheit in Georgien zu diskutieren. Der Spielfilm Holy eletricity ergänzt den Fokus Georgien – ein humorvolles und gleichzeitig tiefgründiges Porträt von Menschen am Rande der pulsierenden Hauptstadt Tiflis.
Revolution im Kleinen und Grossen
Vom Südsudan bis nach Myanmar, viele Filme erzählen von den schlimmsten Konflikten unserer Zeit und sind doch voller Hoffnung und Mut zum Widerstand.
«Einige unserer Filme zeigen, wie es gelingt inmitten des hochkomplexen Nahostkonflikts doch eine kleine Revolution anzustacheln.» (Festivaldirektorin Sascha Bleuler)
Im Oscar-nominierten Dokumentarfilm Mr. Nobody against Putin verdeutlicht der aufmüpfige russische Lehrer Pavel, dass Heimatsliebe bedeutet, sein Land und dessen Führung kritisch zu hinterfragen, wenn sie untragbar geworden ist. Auch Pheasant Island beschäftigt sich mit dem Thema Revolution, wenn eigenhändig Menschen in Not gerettet werden, auch wenn dies von der eigenen Regierung kriminalisiert wird.
Menschenrechte in Aktion
Das Festival ist mehr als Kino. Das Rahmenprogramm lädt ein zum Mitdenken, Mitfühlen und Mitmachen. Performances, Lesungen und Gespräche eröffnen neue Perspektiven – mal nachdenklich, mal humorvoll, immer nah am Leben.
Ob bei einem Quizabend, literarischen Begegnungen oder persönlichen Texten für den guten Zweck: Das Human Rights Film Festival schafft Verbindungen zwischen Kunst und Gesellschaft, zwischen Menschen, zwischen Hoffnung und Handlung.

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