Kirche aktuell

Gebetswoche und Wort Gottes Was Malta mit Bibel und Kirche zu tun hat

Was Malta mit Bibel und Kirche zu tun hat
Die Gebetswoche für die Einheit der Christen lenkt unseren Blick nach Malta. Die Ferieninsel ist schon in der Bibel ein Ort tragischer Schicksale von Schiffsbrüchigen, heute mehr denn je. Papst Franziskus erklärt den Abschluss der Einheitswoche zum «Sonntag des Wortes Gottes». Warum?
20. Januar 2020 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

Malta steht wegen seiner korrupten Regierung und deren menschenfeindlicher Flüchtlingspolitik seit Monaten in den Schlagzeilen der Medien. Auch die Gebetswoche für die Einheit der Christen widmet sich noch bis zum 25. Januar den Menschen dieser Insel im Mittelmeer. Malta ist seit jeher mit den Schrecken des Meeres konfronitert: Schiffbrüchige stranden hier immer wieder und sind auf Hilfe und Gastfreundschaft angewiesen.

Schon zu biblischen Zeiten beschrieb der Apostel Paulus in der Apostelgeschichte seinen Schiffbruch vor Malta und seine Rettung (Kapitel 27,1 – 28,19). Hätte sich das Christentum in der antiken Welt überhaupt verbreitet, wäre dem schiffbrüchigen Paulus damals die Aufnahme auf Malta verwehrt worden? Flüchtlinge, deren Boote heute im Meer untergehen, sind auf der Flucht vor Krieg, Naturkatastrophen und Armut. Wo Menschen auf der Flucht stranden, sind die Kirchen gefordert, zusammenzustehen und als Einheit zu handeln – im Bewusstsein, dass die zufällige Begegnung Gemeinschaft über alle Grenzen hinaus fördert.

Diese Solidarität ü¨ber alle Grenzen hinaus will die Gebetswoche für die Einheit der Christen fördern. Für deren Vorbereitung zeichnet ein Päpstlicher Rat und der Ökumenische Rat der Kirchen verantwortlich. Die Texte stammen jedes Jahr aus einer anderen Weltregion. Für jeden Tag der Woche der Einheit der Christen stellt die Vorbereitungsgruppe einen Gebetsimpuls zur Verfügung.

Wort Gottes mahnt zur Einheit

Das Wort Gottes «tut uns den Weg des Miteinanders und der Solidarität auf», schreibt Papst Franziskus in seinem Aufruf, den Sonntag im Anschluss an die Gebetswoche für die Einheit der Christen (26. Januar) als ersten «Sonntag des Wortes Gottes» zu begehen.

«Die Feier des Sonntags des Wortes Gottes ist von ökumenischer Bedeutung, denn die Heilige Schrift zeigt denen, die auf sie hören, den Weg, der beschritten werden muss, um zu einer authentischen und soliden Einheit zu gelangen.»
Papst Franziskus

Das Wort Gottes, so Franziskus, rufe ständig «zur barmherzigen Liebe des Vaters» auf und sei gleichzeitig in der Lage, unsere Augen zu öffnen, damit wir aus dem Individualismus herauskommen, der zu Erstickung und Sterilität führe. Dass dieser Tag nicht einmal im Jahr, sondern einmal für das ganze Jahr stattfinden soll, ist ihm ein wichtiges Anliegen.

Das Wort Gottes wird ja tatsächlich in jedem Gottesdienst des Jahres verkündet. Wenn der Papst jetzt, speziell als Abschluss der Einheitswoche, einen besonderen «Sonntag des Wortes Gottes» einführt, hat das einen Grund. Entgegen aller Widerstände kirchlicher Dogmatiker hüben und drüben, Nostalgikern und Verklärern menschengemachter Traditionen hebt Franziskus das gemeinsame Fundament aller Christen neu ins Bewusstsein, die Bibel, das Wort Gottes.

Die Besinnung auf die Einheit der Christen und auf das Wort Gottes bergen ein gewaltiges Potenzial in sich. Denn: Echte Besinnung auf die Grundlagen des Wortes Gottes ermutigt und ermächtigt zur Einheit unter den Christen – und hat konkrete Konsequenzen für Menschen in Not, aber auch für die Kirchen selbst.