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Laudato-si-Garten im Kloster Fahr „Alles, was lebt, hat ein Lied in sich“

Novizin im Kloster Fahr
Judith Samson
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Vor den Toren Zürichs erblüht im Kloster Fahr seit diesem Frühling ein neuer Garten. Wesentlich beteiligt an der Gestaltung ist Novizin Judith Samson. Sie erklärt, was es damit auf sich hat.
24. Juli 2021

Die Idee des neuen Gartens geht natürlich auf die Enzyklika „Laudato si“ zurück. Papst Franziskus appelliert darin, im „Schrei der Erde“ auch den „Schrei der Armen“ zu hören, da diese am stärksten von der Klimakrise betroffen sind. In Folge davon gründete sich eine globale katholische Klimaschutzbewegung, die weltweit mit verschiedensten Aktivitäten den Aufruf des Papstes in die Tat umsetzt.

Spektakulär war die Einweihung des Laudato-si-Gartens am 5. Juni 2020, dem Welt-Umwelttag, im Botanischen Garten in Rom. Inspiriert von der Enzyklika hat ein internationales Team diesen Ort der Harmonie zwischen Kunst, Natur, Menschheit und Gott als „Lebende Kapelle“ geschaffen. Das geschah in Kooperation des vatikanischen Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen mit (Landschafts)architektinnen und -architekten, etwa hundert Studierenden der Pennsylvania State University sowie der römischen La Sapienzia Universität, den Vereinten Nationen und der schon erwähnten katholischen Klimaschutzbewegung. Derzeit wird daran gearbeitet, ähnliche „Kapellen“ in der Sahel-Zone und im ecuadorianischen Amazonas einzurichten, zwei besonders verletzlichen Orten auf dem Planeten. Konkret sollen diese Gärten beziehungsweise Kapellen Teil der „Eine Milliarde Bäume-Kampagne“ der Vereinten Nationen sein.

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Laudato si im Fahr

Von dieser weltweiten, ökumenischen und interreligiösen Perspektive wieder zurück ins Kloster Fahr, wo nun der erste Laudato-si-Garten in der Schweiz entstanden ist. Er nimmt eine ganz andere Form an, als die gerade beschriebenen. Es gibt keine vorgegebenen Definitionen, die einen Garten zum Laudato-si-Garten machen, ausser dass sie ökologischen Kriterien entsprechen. So kann auch der eigene Balkon in einer Grossstadt zu einem werden. Im Kloster Fahr ist er im ehemaligen Schulgarten angesiedelt. Dieser ist ein viel besuchter Ort für Erholungssuchende im Limmattal.

Noch immer dient der Propsteigarten zusammen mit den Kräutern aus dem barocken Konventgarten und dem Garten im Klausurbereich der Selbstversorgung der Nonnen, die ihren Speiseplan so weit wie möglich saisonal und regional ausrichten. So gibt es vom Sommer bis zum Herbst beispielsweise eine reiche Auswahl an Früchten, vor allem Beeren aller Art, während sich die Benediktinerinnen den Rest des Jahres vor allem mit Äpfeln als Obst begnügen. Diese werden auf vielfältige Weise verarbeitet.

Nachhaltige Ernährung

Dieses Wissen um diverse Verarbeitungsweisen von Lebensmitteln wurde an der Bäuerinnenschule des Klosters bis 2013 weitergegeben. Dass dieses Wissen nicht verloren geht, ist dem Projekt „Fahr Erlebnis“ ein Anliegen. Mit einer erlebnisorientierten Landwirtschaft will es der Stadtbevölkerung aus der Umgebung, insbesondere den Kindern, den Wert der Landwirtschaft nahebringen. Dabei wird der Landwirtschaftsbetrieb sukzessive von konventioneller auf biologische Landwirtschaft umgestellt.

Schönheit und Harmonie

Ästhetik und Kunst spielen in den Laudato-si-Gärten oft eine wichtige Rolle. So wird er zum Symbol der Einheit mit Gott, mit unseren Mitmenschen und mit uns selbst. Im Kloster Fahr kommt die Kunst zweier Schwestern zur Geltung. Zum einen eine Keramik von Sr. Matthäa Wismer, die die vier Elemente darstellt. Diese sind jeweils einzeln in Form eines Eis, das für Leben und Fruchtbarkeit steht, dargestellt. Schwester Matthäa hat diese ursprünglich im Rahmen ihrer Ausbildung zur Töpferin in den 1970er Jahren angefertigt. Jahrzehntelang schmückte diese Skulptur den Eingang zur Bäuerinnenschule. Anlässlich der Gestaltung des Laudato-si-Gartens unterstützt sie nun die Botschaft des Gartens auf ihre Weise.

Poesie

Eine zentrale Rolle spielen Texte von Silja Walter. Sie liess sich stark durch die sie umgebende Schöpfung in den Klostergärten und im Limmattal inspirieren. So finden sich auf zehn Tafeln entlang der Gartenmauern Lyrik von Silja Walter im Dialog mit Zitaten aus der Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus. Diese laden ein, das Wunder der Schöpfung wahrzunehmen und darin auch ihren Schöpfer und seine Liebe zu uns. Denn für uns alle hat er ja diese Vielfalt geschaffen. Und gleichzeitig hat er uns den Auftrag gegeben, sie zu bewahren.

Angesichts des rapiden Verlustes von Biodiversität, zunehmender Umweltverschmutzung und den immer deutlich spürbar werdenden Folgen des Klimawandels hat Papst Franziskus diesen Auftrag in aller Dringlichkeit betont. Denn „Das Umweltengagement schliesst auch das liebevolle Bewusstsein ein, nicht von den anderen Geschöpfen getrennt zu sein, sondern mit den anderen Wesen des Universums eine wertvolle allumfassende Gemeinschaft zu bilden.“ (LS 220). Silja Walter sagt das aus Sicht einer Spinne so: „Du ein Mensch, ich eine Spinn. Aber weisst du, dass dieselbe schöpferische Kraft in uns beiden lebt und spriesst und durch uns hindurch in alle Milliarden, Billiarden Menschen, Sterne, Blumen, Bäume, Fisch und Spinnen fliesst?“ (GA 8, S. 531).

In diesem Sinne laden wir Sie herzlich ein, bald einmal unseren Garten zu besuchen und sich inspirieren zu lassen.

Video von kath.ch zum Fahrer Laudatio-si-Garten

 

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Judith Samson, Novizin im Kloster Fahr

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Die Initiative zu den Laudato-si-Gärten geht auf die gleichlautende Enzyklika von Papst Franziskus zurück.

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Im Kloster Fahr bei Zürich erblüht seit Frühling 2021 der erste Laudato-si-Garten der Schweiz.

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Kapuzinererbsen erinnern an die Brüder des heiligen Franziskus.

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Die Etagenzwiebel entwickelt skulpurenartige Formen.

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Im Nonnengarten darf sie natürlich nicht fehlen, die Mariendistel. Auch die Bienen laben sich daran. Alle Fotos: Judith Samson, Novizin im Kloster Fahr