Kirche aktuell

Bistumsleitung braucht neue Köpfe Nur ein neuer Bischof reicht nicht

Werner Inderbitzin

Inderbitzin ist Vize-Präsident der Biberbrugger Konferenz und war von 1992 bis 2004 Regierungsrat des Kantons Schwyz.

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In Chur braucht es nicht nur einen neuen Bischof, sondern auch personelle Veränderungen in der obersten Etage der Verwaltung. Das fordert der Schwyzer alt Regierungsrat Werner Inderbitzin.
30. März 2020 1 Kommentar

Die jüngste Verlautbarung des Apostolischen Administrators Bischof Peter Bürcher vom 28. März an die «lieben Schwestern und Brüder» zur Absetzung von Generalvikar Dr. Martin Kopp bringt keine neuen Fakten zu Tage. Aufschlussreich sind aber die veröffentlichen Beilagen, aus denen klar hervorgeht, dass gegen Dr. Martin Kopp schon lange bevor Bischof Bürcher in Chur eingesetzt wurde, eifrig recherchiert wurde. Daraus darf geschlossen werden, dass die Aktion gegen Martin Kopp vom bischöflichen Delegierten Martin Grichting zusammen mit dem Blickkolumnisten und Bischofssprecher Guiseppe Gracia von langer Hand vorbereitet war.

Wenn man das «Sündenregister», das zur Begründung der Absetzung von Dr. Martin Kopp aufgeführt wird, aufmerksam liest, stellt sich unweigerlich die Frage, warum der Absetzungsentscheid nicht früher gefallen ist. Denn aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass Dr. Martin Kopp sich schon viel früher und pointierter zur Bischofsfrage geäussert hat.

Die Zeit für seine Abberufung war jetzt günstig, denn das aufgebrachte Kirchenvolk darf nicht auf die Strasse. Gäbe es keine Corona-Pandemie, wäre der Hofplatz zu Chur am vergangenen Samstag voll von protestierenden Gläubigen aus der Urschweiz und anderen Gegenden des Bistums gewesen. Der immense Schaden ist nun angerichtet und kann mit Friedensaufrufen nicht mehr geheilt werden.

Ein neuer Bischof genügt nicht

Schuld an den Auseinandersetzungen im Bistum Chur sind gemäss Bischof Bürcher jene Leute, die sich öffentlich und in den Medien zu Wort melden. Dabei müsste er wissen, dass sein engster Mitarbeiter Dr. Martin Grichting sich wiederholt gegen das staatskirchenrechtliche System ausgesprochen hat und viele engagierte Gläubige vor den Kopf stösst. Dabei verkennt er, dass insbesondere in den katholischen Stammlanden dieses System eine uralte Tradition hat. Grichting möchte den Kirchgemeinden und Kantonalkirchen die Hoheit über die Kirchensteuer entziehen. Nach seiner Überzeugung müsste der Bischof auch über die irdischen Güter verfügen. Er vertritt ein klerikales Kirchenbild, nach dem die Laien zu kirchenpolitischen Fragen zu schweigen haben.

Aus meiner langjährigen Erfahrung ziehe ich den Schluss: Wenn das Bistum Chur in ruhige Bahnen geleitet werden soll, braucht es in Chur nicht nur einen Bischof, der ausgleichend wirkt, sondern auch personelle Veränderungen in der obersten Etage der Verwaltung. Mit dieser Ansicht stehe ich bei weitem nicht allein.