Kirche aktuell

Bilder, die nicht mehr aus dem Kopf wollen

Lucie Bader

Filmdozentin (Outreach GmbH)

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Ende September startet das Zurich Film Festival - wieder mit einem speziellen Filmpreis der Kirchen. Präsidentin Lucy Bader und ihrer Jury stehen intensive Filmtage bevor.
05. September 2019

Seit der letzten Juryarbeit am Zürcher Filmfestival (ZFF) habe ich einen Reflex, wenn mein Computer nicht funktioniert und ich ihn zum Teufel wünsche bzw. ihn ersetzen möchte: Ich denke an den Gewinnerfilm des Filmpreises der Zürcher Kirchen „Welcome to Sodom“, der das erschütternde Drama in der grössten Elektroschrotthalde der Welt in Ghana dokumentiert, wo auch mein Computer landen würde.

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Unverzüglich weiss ich, dass ich den Computer reparieren werde und nicht sofort einen neuen kaufen muss. Die kraftvollen Filmbilder, die ich damals gesehen habe, bringe ich nicht mehr aus dem Kopf.

Sie rütteln auf, bleiben hängen und beeinflussen seither mein Leben im Alltag nachhaltig.

Der prämierte österreichische Dokumentarfilm von Christian Krönes und Florian Weigensamer verdeutlicht uns anhand des apokalyptisch anmutenden Schauplatzes, wo Tausende von Frauen, Männern und Kinder die in der westlichen Welt ausrangierten Computer und Mobiltelefone auseinandernehmen, wie verantwortungslos wir unseren Elektromüll in ärmste Gebiete der Welt abschieben und „recyclen“.

Wer hat schon von diesem Ort, dem wohl giftigsten Platz der Erde, gehört?

Ein solcher Film ist ein schockierender „Eye-opener“, der uns aufgrund seiner gesellschaftlichen Aktualität und Dringlichkeit zwingt, über die humanitären Folgen der Digitalisierung und unseres globalisierten Handelns nachzudenken. Ein Glück ist es, dass der Film – nicht zuletzt aufgrund des Filmpreises der Zürcher Kirchen – einen Schweizer Filmverleih gefunden hat und ab Ende Oktober in verschiedenen Städten in den Kinos programmiert wird. Zudem wurde er auch in das Programm Kinokultur in der Schule aufgenommen und ist nun mitsamt Unterrichtsmaterial verfügbar.

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Lucie Bader bei der Laudatio an der Preisverleihung 2018

 

Ökumenischer Austausch zum Thema Film

Ich bin gespannt auf das Programm des diesjährigen ZFF und freue mich auf die interessanten Gespräche und Auseinandersetzungen in der ökumenischen Jury. Wiederum darf die Jury aus der Wettbewerbsreihe „Fokus: Schweiz, Deutschland und Österreich“ aus zwölf Beiträgen einen Film auszeichnen, dessen künstlerische Qualität, biblische Sichtweise, christliche Verantwortung und Relevanz in Bezug auf aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzung sie zu überzeugen vermag. Sie wird den Fokus auf das Wesentliche setzen und versuchen, den Akzent auf ethische und humanitäre Verantwortung zu legen, im Wissen darum, dass Filme das Bewusstsein nachhaltig verändern können. An der Preisverleihung am 3. Oktober wird die Jury ihren Entscheid bekannt geben.

 

 

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Jury des ökumenischen Filmpreis mit (v.l.) Lucie Bader, Delia Meyer, Zeno Cavigelli, Thomas Binotto, Andre Marco Bianca

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