Kirche aktuell

«Klerikales Machtgehabe» Aufstand gegen Absetzung von Generalvikar Martin Kopp

Der Apostolische Administrator Peter Bürcher hat den beliebten und weltoffenen Innerschweizer Generalvikar Martin Kopp mit sofortiger Wirkung entlassen. Mit Pfarrer Peter Camenzind, Schwyz, steht auch schon ein Nachfolger bereit. Protest, Unverständnis und heiliger Zorn auf diese neue Demonstration von klerikalem Machtgehabe sind riesig.
19. März 2020 Katholische Kirche im Kanton Zürich 9 Kommentare

Die Innerschweiz verliert nicht nur ihren beliebten Generalvikar, Pfarreien müssen ab sofort auf Kopp als Pfarradministrator verzichten und die Deutschschweizerische Ordinarienkonferenz muss einen neuen Präsidenten suchen. Der Entscheid des Apostolischen Administrators kam völlig überraschend. Auch der Zürcher Generalvikar Josef Annen wurde vom Entscheid völlig überrumpelt:

«Ich erfuhr über dieselbe Pressemitteilung davon wie alle anderen.»

Die Empörung ist gross und die Reaktionen auf die demütigende Absetzung Kopps, der jahrelang auch im Kanton Zürich als engagierter Seelsorger wirkte, sind drastisch.

Franziska Driessen-Reding, Präsidentin des Synodalrates, wird deutlich. Sie bezeichnet die Absetzung von Martin Kopp gegenüber kath.ch als «ein skandalöses klerikales Machtgehabe». Es werde ein engagierter Kirchenmann, der zu seiner Überzeugung stehe, «eiskalt abserviert». Sie dankt Martin Kopp für seine «unbeugsame Haltung» und sein Einstehen für das duale Kirchensystem in der Schweiz. Chur habe ihn dafür abgestraft und zeige damit, dass die jetzige Bistumsleitung das bewährte System mit demokratischer Mitbestimmung des Kirchenvolks abschaffen wolle.

«Verwerflicher Entscheid»

«Als Christ kann ich das Vorgehen des Apostolischen Administrators nicht verstehen», sagt Werner Inderbitzin von der Biberbrugger Konferenz, in der alle Kantonalkirchen des Bistums Chur zusammengeschlossen sind. Die Absetzung Kopps sei ein «verwerflicher Entscheid». Inderbitzin: «Mit einem so verdienten Mann, der sich in der Urschweiz mit übermenschlichem Einsatz für die Kirche Gottes eingesetzt hat, geht man im 21. Jahrhundert nicht um.» Der starke Mann in Chur, Martin Grichting , habe «den Zeitpunkt taktisch klug gewählt, um den unliebsamen Kontrahenten Kopp zu beseitigen», schreibt Inderbitzin. Jener hoffe, die Corona-Krise werde diese «Angelegenheit» rasch in Vergessenheit geraten lassen.

Solidaritätskampagne für Martin Kopp läuft

Dies wird so schnell nicht passieren, Solidaritätskundgebungen mit Martin Kopp sind angelaufen. Es sind wieder einmal vor allem Frauen, die sich ins Zeug legen. So hat Monika Schmid, Pfarreibeauftragte in der Pfarrei Illnau-Effretikon, auf Kopps Absetzung umgehend per Mail an Bischof Bürcher «wütend und enttäuscht» reagiert. Auf Facebook appelliert sie an Pfarrer Peter Camenzind, beim Trauerspiel um die Absetzung von Generalvikar Martin Kopp, nicht mitzumachen und das Amt als interimistischer Generalvikar für die Urschweiz abzulehnen. Die Spitalseelsorgerin Veronika Jehle hat eine Petitions-Plattform eingerichtet, auf der sich Seelsorgerinnen und Seelorger vom Entscheid des Apostolischen Administrators distanzieren können. Selbstverständlich sind auch andere Menschen, die das Anliegen teilen, eingeladen, an der Petition teilzunehmen. Innert kurzer Zeit haben bereits über 100 Personen unterzeichnet.