Kirche aktuell

Ein letzter Brief an den verstorbenen Hugo Gehring «Heimgehen, das nimmt dem Tod den Stachel»

Monika Schmid

Frühere Gemeindeleiterin in Illnau-Effretikon

Monika Schmid
Monika Schmid, ehemalige Gemeindeleiterin von Effretikon und Theologin, nimmt mit einem Brief Abschied von Hugo Gehring, ihrem langjährigen Weggefährten in der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.
20. Juni 2023

Lieber Hugo

Du bist heimgegangen, gestern hat mich diese Nachricht erreicht und tief berührt. Hugo ist gestorben! Dieses Wort «heimgehen» habe ich aus meiner Ursprungsheimat, dem Luzernbiet, mitgenommen. Heimgehen, das nimmt dem Tod den Stachel. Sind wir nicht alle auf dem Heimweg? Wohin? Du hast jetzt eine neue Sicht, nicht mehr Stückwerk ist dein Erkennen, so wie auch du nun ganz und gar erkannt bist, gesehen und aufgehoben. Das glaube ich und hoffe es für dich und für alle Verstorbenen.

Ich hätte es dir so gegönnt, dass du noch ein paar Jahre deine Pension hättest geniessen können, vielleicht noch ein paar deiner interessanten Reisen begleiten, denn dafür warst du weitherum bekannt. Ich weiss noch, wie du letztes Jahr um diese Zeit in deine «erste» Wohnung gezogen bist im Konradhof in Winterthur. Vorher hast du nur in Pfarrhäusern gelebt. Du hast Dich so gefreut und gesagt: «So schön habe ich noch nie gewohnt.»

Lange und mutig hast du gekämpft gegen deinen Krebs. Wir vom Vorstand des Dekanates Winterthur waren wohl bei den ersten, denen du von deiner Diagnose berichtet hast. Du warst aufgewühlt, traurig und wolltest auch dies, wie so Vieles, mit dir selbst ausmachen. Du wolltest nicht, dass wir auf deine Nachricht reagieren. Ich hielt mich nicht daran. Mein Herz sprach eine andere Sprache. Ja, ich glaube, wir hatten über den Kirchenkuchen hinaus noch eine andere Verbindung. Ich schätzte dich sehr als Dekan und als unseren Pfarradministrator für die Pfarrei St. Martin.
 
Deine theologische und kirchliche Offenheit und Weitsicht waren wohltuend in der Enge unserer Kirche und unserer Bistums. Du hast mich immer unterstützt in meinem Tun, hast mich in der Dekanenkonferenz und beim Bischof «verteidigt». Und doch hast du es immer sehr genau genommen. Die Ehedokumente, die ich dir zur Unterschrift schickte, hast du intensiv studiert und wenn etwas nicht stimmte, kamen sie zurück. Auf die Sitzungen im Dekanatsvorstand habe ich mich immer gefreut. Deine spirituellen Einleitungen waren geprägt von Glaubenstiefe und theologischer Kompetenz. Ich schrieb mir deine Gedanken jeweils auf und manche Predigt war davon inspiriert. Du konntest auch sehr unterhaltsam sein, dein Erzählen war amüsant und wir vernahmen immer das Neueste aus unserem Bistum…
 
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Hugo Gehring hat die Katholische Kirche im Kanton Zürich geprägt. Foto: Markus Frutig
 

Du hast Geselligkeit geliebt. Eine Sitzung ohne ein vorausgehendes gemeinsames Mittagessen war nur eine halbe Sitzung. Du warst bei allen Fortbildungen dabei und beim Dekanatsausflug, deine Treue zu deinem Dienst, das zeichnete dich aus.

Letztes Jahr im Frühling haben wir dich in der Dekanatsversammlung verabschiedet.

Du wolltest dich auf den September hin pensionieren lassen. Die übliche Verabschiedung mit Präsent und Dank. Doch da fehlte noch etwas. Sehr spontan habe ich ein Paar Gedanken gesprochen und du bist aufgestanden und hast mich mit Tränen in den Augen umarmt. …

Auf meiner Velotour dem Rhein entlang bis nach Holland, ich bin diese Woche zurückgekommen, hat mich ein altes Lied begleitet: «Wer holt uns über ans andere Ufer? Fährmann, Fährmann hol über, hol über.» Du wurdest heimgeholt ans andere Ufer und bleibst in unseren Herzen.

Danke Hugo!

 

Beisetzung und Trauerfeier: Donnerstag, 29. Juni 2023, um 9.00 Uhr, Beisetzung im Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof Rosenberg Winterthur, anschliessend, um 10.30 Uhr, Trauerfeier in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Winterthur.