Kirche aktuell

Kirche und Klima «Christen bleiben besser am Boden»

Flugverkehr weckt im Tösstal seit Jahren Emotionen. Neu legen Parteien, Organisationen und Initiativen am 4. September in der Gemeinde Turbenthal den Fokus beim Flugverkehr für einmal weniger auf den Lärm, sondern auf die Klimawirkung.
29. August 2019 / Katholische Kirche im Kanton Zürich

 

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«Denn», so der Mitorganisator der Flugverkehrs-Veranstaltung und Präsident der katholischen Synode Felix Caduff, «der Gesamtanteil des Flugverkehrs an der globalen Erwärmung beträgt weltweit je nach Studie 5% bis 8%, in der Schweiz ist der Effekt mit 20% sogar deutlich höher.»

Kerosin muss endlich besteuert werden

Die Veranstaltung sei bereits vor den Klima-Demos aufgegleist worden, so Caduff. «Die Bewegung der Jugendlichen kommt uns natürlich entgegen und bestärkt unser Anliegen.» Klares Ziel des Anlasses mit Input-Referaten zur Klimawirkung des Flugverkehrs, zu Ausbauplänen von Flughäfen und Flugbewegungen, möglichen Alternativen in der Mobilität sowie einer Podiumsdiskussion sei die Sensibilisierung der Leute. «Wir versuchen», sagt Caduff, «die Verknüpfung von Fluglärm-Betroffenen in der Region mit Bundesbern, wo der Nationalrat im Herbst ein neues CO2-Gesetz beraten wird. Es kann zum Beispiel nicht angehen, dass das Kerosin bis heute nicht besteuert wird. Wo liegt denn da die Kostenwahrheit?»

Weniger bedeutet mehr

Wie hat es Felix Caduff denn privat mit dem Fliegen? Er werde künftig nicht mehr fliegen, denn die Flugbewegungen müssten drastisch reduziert werden, sonst bleibe das Pariser Abkommen ein Papiertiger. Dies sei seiner Ansicht nach auch möglich, 86% aller Flüge in Zürich-Kloten sind innereuropäische, bedürfe aber einem Ausbau alternativer Verkehrsverbindungen. Und wie steht es mit dem Essen von Fleisch? «Wir als Familie haben den Konsum von Fleisch massiv reduziert. Aber klar doch: Ab und zu ein feines Stück liegt drin, so dogmatisch sehe ich die Sache nicht. Es geht um das Mass.»

Anfang Juli dieses Jahres ist Felix Caduff für die nächsten vier Jahre zum Präsidenten der katholischen Synode gewählt worden. Wie sollen sich die Kirchen seiner Meinung nach in die Klima-Debatte einbringen? «Die Kirchen müssen Verantwortung übernehmen und beispielhaft vorangehen. Wir müssen die Bewahrung der Schöpfung zu einem unserer wichtigsten Legislaturziele machen. Wir haben zum Beispiel viele Gebäude, die künftig ohne fossile Energieträger auskommen müssen. Zusammen mit den Kirchgemeinden und Pfarreien sollte es uns gelingen, die Menschen dafür zu sensibilisieren, dass ‘weniger’ ‘mehr’ bedeutet. Ich bin davon überzeugt, dass ein bewusstes und massvolles Konsumieren kein Verzicht bedeutet, sondern vielmehr eine hohe Erlebnisqualität verspricht.

Mit dem Zug in den Vatikan

Was sagt der Synodenpräsident Papst Franziskus, der um die ganze Welt fliegt? Was den Bischöfen, welche mit dem Flugzeug in den Vatikan reisen? Und was jenen, die ans nächste europäische Taizé-Treffen nach Breslau jetten wollen? «Will der Papst alle Menschen auf der Welt besuchen, kommt er ums Fliegen nicht herum. Hingegen reist sich bequem mit der Bahn in die Hauptstadt Italiens oder auch nach Breslau, der Kulturhauptstadt 2016.» Christen bleiben also besser am Boden? «Ja, so könnte man es auf den Punkt bringen», meint Felix Caduff schmunzelnd und steigt in den Zug nach Turbenthal.

 

Anlass mit Podiumsdiskussion zu «Auswirkungen des Flugverkehrs auf Klima, Umwelt und Gesundheit», 4. September, 19.30 Uhr, in der Grosshalle, Tösstalstrasse 15, Turbenthal