Über uns

Aufstehen für das Leben

Bereichsleiter Kommunikation des Synodalrates
Simon Spengler

Gesamtverantwortung Kommunikation. Katholischer Theologe und Journalist.

Author
Kein Aprilscherz: Der in Illnau aufgewachsene SP-Jung-Politiker Fabio Molina will Gott aus der Verfassung streichen. Mit ehrenwerten Gründen, die trotzdem kurzsichtig sind.
01. April 2021 1 Kommentar

Die ersten Worte unserer Verfassung lauten heute: «Im Namen Gottes, des Allmächtigen.» In diesem Namen geben sich «das Schweizervolk und die Kantone folgende Verfassung…»

Die «advocatio dei», die Anrufung Gottes, soll nun weg, nicht der erste Versuch in dieser Richtung.

 

Doch Molina argumentiert nicht billig auf freidenkerische Art. Er sieht in dieser Anrufung Gottes eine unzeitgemässe Bevorzugung der christlichen Religion gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften. Aber im Text steht gar nix von einem christlichen Gott. Der Gott über der Verfassung ist keiner Religion zugeordnet.

 

Es geht viel mehr um eine rechtsphilosophische Grundsatzfrage: Die Anrufung Gottes ordnet das menschliche Gesetz einer höheren Instanz unter, menschliches Recht und Gesetz gelten nicht aus sich heraus als absolut. Letztlich ist es ein Eingeständnis, dass menschliches Gesetz auch irren kann. Mir scheint dieser grundsätzliche Vorbehalt sehr wichtig. Eigentlich sollte das auch einem linken Politiker, der zudem Geschichte studiert hat, nicht gleichgültig sein. Gibt’s doch gerade auch in der Geschichte der Linken lange Phasen, in denen die Macht des Staates und einer Partei als absolut gesetzt wurden. Mit verheerenden Folgen – gerade für die Linke. Wenn wir in dieser Karwoche der Passion Jesu gedenken und von seinem Prozess vor Pontius Pilatus hören, fallen uns sicher Parallelen auf.

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Bleiben wir noch ein wenig bei den Linken, wechseln aber ins schöne Oberwallis. Dort erscheint seit fast 50 Jahren die kritische sozialistische Zeitschrift «Rote Anneliese». Die Walliser Genossen mit ihrem Spiritus Rector Peter Bodenmann setzen einen Kontrapunkt zu ihrem Zürcher Jungspund. In der neuesten Nummer druckt das Magazin auf vollen 20 Seiten (!) die zentralen Passagen der Enzyklika «Fratelli tutti» von Papst Franziskus ab – auch das kein Aprilscherz! Weil die Oberwalliser Linke diesen Text für eminent wichtig hält im Engagement für weltweite Gerechtigkeit und gegen Nationalismus.

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In den Zürcher Leitmedien, vorab jenem von der Falkenstrasse, erntet der Papst für seine Kapitalismuskritik nur Hähme. In der Partei, die früher das «C «im Namen trug und die sich nun zur inhaltslosen «Mitte» verdünnisiert,  hat wahrscheinlich kaum jemand dieses Papstschreiben gelesen. Auch von den Bischöfen hört man wenig dazu. Anders bei den Linken im Oberwallis. Auch das könnte zu denken geben.

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Schluss mit Politik, kommen wir endlich zu Ostern. Obwohl Auferstehung ja auch mit aufstehen und somit auch mit Aufstand zu tun hat. Aufstand für das Leben in Fülle für alle. Ohne diesen Aufstand für das Leben bleibt jede schöne Osterliturgie frommes Getue.

Ein sehr schönes österliches Zeichen setzen die reformierten Kirchen Zürichs. Die Brunnen der Altstadt sind mit Rosen geschmückt, eine Gospel-Band spielt heute vor den innerstädtischen Altersheimen, schon die ganze Woche ertönt von den Kirchtürmen Grossmünster und St. Peter ein Alpsegen (noch heute um 18.05 Uhr, dann wieder am Ostersonntag nach dem Gottesdienst).

Die Initianten, unter ihnen Pfarrer Christoph Sigrist und Pfarrerin Priscilla Schwendimann von St. Peter, erklären dazu: «Ohne Dornen keine Rosen! Ohne Karfreitag keine Ostern! Im Bild der Rosen wird das Geheimnis des Glaubens gemalt, dass der Aufstand des Lebens an Ostern begonnen hat und zum Jungbrunnen für Aufbruch und Neuanfang wird.» Eine überzeugendere Ausdeutung des Osterfestes in Zeiten bedrückender und totbringender Corona-Pandemie hab ich nirgendwo gelesen.

 

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Weil wir Ostern wieder zuhause verbringen und Gotthardstau wie Tessiner Sonnenterrasse meiden sollten, bleibt vielleicht Zeit für einen guten Film. Ich kann Ihnen «Das neue Evangelium» von Milo Rau nur wärmstens empfehlen. Heute wäre Kinostart gewesen, der ist ins Internet verschoben. Aber mit jedem Download unterstützen Sie ein Kino und beflügeln mit dem schwarzen Jesus, der für bessere Lebensbedingungen der ausgebeuteten Landarbeiter in Süditalien kämpft und stirbt, den österlichen Geist. Zwar wird auch Rau wieder «kruder Marxismus» vorgeworfen, aber das ist ja üblich, wenn jemand soziale Missstände anprangert, über die wir Gesättigten und Wohlanständigen gern hinwegsehen – dem Papst geht’s nicht anders, siehe oben.

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Am anspruchsvollen Film hat mich die Rolle der Zuschauenden beim Filmset fasziniert, auf die Rau immer wieder den Blick der Kamera lenkt. Teils neugierig, teils gelangweilt, teils irritiert, teils interessiert – ich sehe in diesen Zuschauer-Szenen uns alle abgebildet, die wir das Schicksal so vieler Migranten oft anteilnahmslos hinnehmen. Eigentlich wüssten wir ja, dass dort himmelschreiendes Unrecht geschieht. Wenn wir aber im Supermarkt nach der günstigeren Pelatibüchse greifen, ist uns das wieder egal.

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Eine schöne österliche Tradition ist das Osterlachen. Ich lache schon heute über mich selbst, weil ich heute früh auf den herrlichen Aprilscherz von kath.ch hereingefallen bin. Lachen Sie mit!

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Viele von uns werden die Kar- und Osterliturgie online verfolgen. Die Redaktion des forum hat die im Kanton Zürich gestreamten Gottesdienste zusammengestellt.

 

130 Menschen haben auf bischofswuensche.ch dem neuen Bischof geschrieben. Bischof Joseph antwortet nun: «Die Vielfalt der Beiträge von Einzelpersonen, Pfarreien und Missionen bildet auch die Vielfalt unseres Bistums ab. Ich habe sie alle gelesen und danke allen, die mir ihre Freude und Hoffnung, aber auch ihre Sorgen und Ängste anvertrauen.» Und der Bischof schliesst einen Ostergruss an uns alle an: «In der Karwoche durchleben wir Jubel, Enttäuschung und Verzweiflung. Doch das Leben setzt sich durch, der Tod hat nicht das letzte Wort! 

 

Auch ich wünsche im Namen des ganzen Kommunikationsteams frohe, erholsame und allseits gesegnete Ostertage.

Simon Spengler

 

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.