Über uns

Alles gerahmt

Informationsbeauftragter des Generalvikariates
Arnold Landtwing

Schwerpunkte: Kommunikation Generalvikariat, Mitarbeitende in der Seelsorge, Beratung Pfarreien, pastorale Gremien. Katholischer Theologe und Mediator.

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«Wer immer im Bilde ist, fällt nicht so leicht aus dem Rahmen»: Dieses Bonmot des Schauspielers Hans Clarin ist mir diese Woche begegnet und es passt bestens zum heutigen Newsletter, der sich Rahmen aller Art annimmt.
28. Mai 2021


Thema der Woche war zweifellos das Scheitern des Rahmenabkommens mit der EU, das in den Reaktionen die ganze Bandbreite von Emotionen zwischen Frustration, Wut und Triumphgeheul offenlegte. Ich masse mir hier nicht an, zu kommentieren, was in der Strategie der Verhandlungen richtig oder falsch gelaufen ist. Aufgefallen ist mir jedoch der Kommentar von Fabian Schäfer in der NZZ. Nüchtern analysiert er, dass nicht nur der Bundesrat versagt habe, sondern auch die EU ihren Teil zum Scherbenhaufen beigetragen habe. Zu denken gibt ihm dann vor allem, «welch geradezu theologische Hartnäckigkeit Brüssel bei der Unionsbürgerrichtlinie an den Tag legte.» Hmmm… welche Qualität hat denn «theologische Hartnäckigkeit»? Hat in den vergangenen Jahren der Verhandlung ein Diskurs stattgefunden, der, frei von Hierarchien und Macht, in der Grundhaltung darauf angelegt war, einen Konsens zu finden? Ich meine: So, wie in der Kirche, wenn die Glaubenskongregation Stellung bezieht? Uuups! ich glaube, zu erahnen, was Schäfer meint.

Simone Curau-Aepli
Simone Curau-Aepli


Etwas aus dem Rahmen gefallen ist Bischof Joseph Maria. Ein fast eineinhalbstündiges Gespräch mit zwei Journalisten der Luzerner Zeitung verdichteten diese korrekt und präzis in einem grossen Interview. Es reichte der Satz «Wir brauchen in der Führung der Kirche darum auch die Frauen, die vielleicht weniger rational denken und mit der Stimme des Herzens denken», um das Interview berühmt zu machen und die Kommentarspalten zu fluten. «Krass» fand das Zitat die Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds (SKF), Simone Curau-Aepli, um dann im Interview mit kath.ch einzelne Punkte differenziert wie kritisch zu beleuchten. Als der Bischof öffentlich bedauerte: «Ich habe mich leider tatsächlich missverständlich ausgedrückt», anerkannte sie dieses Zeichen und kommentierte auf Facebook: «Ich freue mich sehr, dass Bischof Joseph die Grösse hat, seine eigenen Aussagen kritisch zu hinterfragen und zu lernen. Das ist ein starkes Zeichen für eine Führungskultur, die wir uns in der Katholischen Kirche so sehr wünschen.» Ich meine: so geht lebendige Diskussionskultur. Wen wundert es, dass die Delegierten des SKF Curaus Amtszeit als Präsidentin einen grösseren Rahmen geben wollen und um drei Jahre verlängern?



Keinen zeitlichen Rahmen kennt der Heilige Geist und so kann ich auch nach Pfingsten noch auf den «entriegelten Himmel» aufmerksam machen: «Der Himmel ist schon entriegelt. Wir Menschen entdecken es – mit der Hilfe des Geistes – in einem Prozess, der das ganze Leben umfasst, die ganze Geschichte der Kirche und der Welt.» Dies schreibt Bischof Joseph Maria als Gastbeitrag in der Pfingstnummer von «Christ in der Gegenwart». Wie wenn sie sich miteinander abgesprochen hätten, doppelte Papst Franziskus nach und verordnete der Kirche einen weltweiten synodalen Prozess. Auf diese Dynamik bin ich gespannt, denn ein Entriegeln von verrosteten kirchlichen Strukturtüren dürfte nicht geräuschlos ablaufen.



Den Rahmen gesprengt hat die Stadtzürcher Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart mit dem Entscheid, dem «Marsch fürs Läbe» 2021 eine Kundgebung zu verbieten. Der Statthalter hat sie zurückgepfiffen, um die Versammlungsfreiheit zu schützen. Ob die nächste Instanz angerufen wird, ist derzeit noch offen. Inhaltlich kann man persönlich den «Marsch fürs Läbe» unterschiedlich beurteilen, für die Bewilligung einer Kundgebung gilt jedoch auch für diese Organisation Gleichberechtigung. Damit verbunden ist die Herausforderung, das Leben der Polizistinnen und Polizisten zu schützen, welche die schützen, die für den Schutz des Lebens auf die Strasse gehen.


Lange Nacht der Kirchen
Lange Nacht der Kirchen

Auf die Strasse gehen heute Nacht alle, die neugierig wissen wollen, mit welch weiten Rahmen – ausser natürlich Gottesdiensten – Kirchen überraschen, berühren oder herausfordern können. Bischof Joseph Maria und Kirchenratspräsident Michel Müller sind ökumenisch miteinander unterwegs. Die reformierte und katholische Kirche in Höngg sind mit sphärischen Lichtbildern, Klang- und Duftinstallationen verbunden. Jazzmusik, Tanz und Kirchturmbesteigung laden bis spät nachts zu Entdeckungen ein. Das ganze Programm der "Langen Nacht der Kirchen" gibt es hier.



Coronabedingt nur in begrenztem Rahmen fanden vor einigen Wochen in Fribourg die Beisetzung und der der Trauergottesdienst für den verstorbenen Weihbischof Paul Vollmar statt. Am Samstag setzt ein Gedenkgottesdienst mit dem Bischof in Zürich um 13 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche Höngg ein Zeichen des Gedenkens und der Dankbarkeit. Wer teilnehmen will, muss sich aufgrund der Personenbeschränkung anmelden. Der Gottesdienst wird unter diesem Link auch direkt übertragen.


Surprise
Surprise

Und zum Schluss noch ein symbolischer goldener Rahmen für mein Leibblatt Surprise: Ich gratuliere zur 500. Ausgabe. Mein Abonnement hat immer einen Namen, eine Geschichte, steht irgendwo in der Stadt und macht der Beschreibung des Magazins alle Ehre: «Kein Magazin mit Kling-Bing und Bla-Bla, kein Blatt, das auf Anzeigen schielt und nach Klicks giert. Uns gibt es auf der Strasse, wir roh und reizend und wild und stets mit einem Lächeln.»

Ich wünsche Ihnen – in einem gemütlichen und erholsamen Rahmen – einen gesegneten Sonntag
 
Arnold Landtwing
Informationsbeauftragter Generalvikariat

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Der Inhalt dieses Newsletters gibt die persönliche Meinung des Autors oder der Autorin wieder. Diese muss nicht in jedem Fall der Meinung der Katholischen Kirche im Kanton Zürich entsprechen.