Sämi Malapati und Martin Schacher haben ihre Stelle angetreten Zwei Neue verstärken das Generalvikariat
Ihr habt beide im August im Generalvikariat angefangen: Du, Sämi, verstärkst das GV zu 100 Prozent in der Organisationsentwicklung im Bereich Pastoral, und Du, Martin, mit 60 Prozent im Bereich Personalentwicklung sowie in der Beratung. Was motiviert Euch für diese Mitarbeit?
Sämi Malapati: Ich habe während meiner zehnjährigen Arbeit als Jugendarbeiter viele engagierte Menschen in den Pfarreien erlebt. Sie haben es verdient, valable Zukunftsperspektiven zu haben. Ich arbeite mich momentan in die verschiedenen Themen Kirchenentwicklung und aktuell in den Bereich Freiwillige ein.
Martin Schacher: Ich bin ja schon seit 2024 zu 40 Prozent im Haus in der Bischofsassistenz tätig. Die Stimmung im Generalvikariat hat mir immer gefallen. Und dann interessiert es mich, Menschen zu fördern und ihre Bedürfnisse zu erkennen. Ich habe bei mir selbst erlebt, was eine kompetente Beratung auslösen kann.
Martin, schaut man sich Deine Erstausbildung als Chemiker an, hätte man tatsächlich nicht vermutet, dass Du diese Aufgabe im Generalvikariat einmal annehmen würdest.
Martin Schacher: Stimmt, wobei in meinem Rucksack auch ein 2024 abgeschlossenes Theologiestudium ist, das mich für ein Jahr als Seelsorger in Ausbildung in die Pfarreiarbeit Liebfrauen führte. Zu meiner Grundausbildung mit Fokus auf dem analytischen Denken ist der Wechsel ins GV bestimmt ein Schnitt. Aber nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten nicht mehr: Denn gemeinsam ist der Chemie und der Personalstelle im GV die Neugier auf die Entwicklung von Prozessen.
Und das findest Du im Aufgabenbereich des Personals?
Martin Schacher: Ja, nehmen wir z.B. die Personalströme an einem Bahnhof und wie man sie am besten lenkt. Solche Dinge faszinieren mich. Da geht es auch um Organisations- und Personalentwicklung im weitesten Sinn. Anders gesagt: um Effizienz. Und auch wenn das Wort in der Kirche vielleicht eher negativ besetzt ist: Ich meine es positiv. Menschen anzuschauen und sie nach ihren Stärken und Talenten bestmöglich zu fördern, damit wir eine gute Seelsorge auch dann sicherstellen können, wenn wir weniger Angestellte haben.
Für Deinen neuen Job drückst Du nochmals die Schulbank, um top vorbereitet zu sein auf die Herausforderungen.
Martin Schacher: Genau, ich besuche eine einjährige Weiterbildung an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), den CAS Moderne Personal- und Organisationsentwicklung.
Sämi, auch Du investierst nochmals in deine Weiterbildung.
Sämi Malapati: Ja, ich mache eine Nachqualifikation am Theologisch-pastoralen Bildungsinstitut TBI im Studiengang Theologie. Auch meine Grundausbildung deutete erst in eine ganz andere Richtung. Ich habe eine kaufmännische Lehre auf dem Notariat in Zürich-Altstetten gemacht.
Und hast Du lange in diesem Beruf gearbeitet?
Sämi Malapati: Ja, bis ich 30-jährig war. Ich habe dort verschiedene Zusatzausbildungen, wie Urkundsbeamter, Grundbuch- und Konkursverwalter, gemacht und war lange beim Kanton Zürich angestellt. Danach wechselte ich zu einer IT-Firma als Assistent der Geschäftsleitung. Schliesslich führte mich mein Berufsweg in die Pfarrei St. Konrad, wo ich etwas mehr als zehn Jahre bis zum jetzigen Wechsel tätig war.
Dein Weg f¨ührte sozusagen von den Gesetzesparagraphen zu den Menschen …
Sämi Malapati: Ja, genau. In allen Arbeitsbereichen hatte ich viel mit Menschen zu tun. In meiner Freizeit war ich immer in der Pfadi aktiv, auch im Notariat habe ich mich gerne um die Lernenden gekümmert.
Du teilst jetzt das Büro mit der Pastoralbeauftragten Judith Weber. Wie eng arbeitet ihr zusammen?
Sämi Malapati: Sehr eng, sie ist selbstredend meine Vorgesetzte. Wir arbeiten zurzeit sehr intensiv am Thema Kirchenentwicklung. Unser System kennt viele Hierarchien; und oft ist viel Wisssen in einem Kopf gefangen. Dieses Wissen müssen wir daher transparenter machen. Gleichzeitig sind auch die Aufgaben komplexer geworden. Kurz: Für dieses Wissen schaffen wir die richtigen Stellen, und Du (blickt zu Martin Schacher) suchst uns dann die richtigen Leute (beide lachen).
Das heisst, es braucht bei einem Jobwechsel auch eine gute Übergabe.
Sämi Malapati: Ja, das ist auch wichtig. Auch bei den vielen verschiedenen Sitzungen, die wir haben, sehe ich aus Sicht der Organisationsentwicklung viel Potential für mehr Effizienz und Möglichkeiten, um schneller zu spürbaren Resultaten zu kommen.
Dazu willst Du eine Brücke zu den Pfarreien schlagen – mit allen 104 Pfarreien im Kanton Zürich und Glarus einen Kontakt herzustellen, stelle ich mir aber schwierig vor …
Sämi Malapati: Ja, das wird auch nicht sofort möglich sein. Ich sehe die Chance vielmehr darin, dass die einzelnen Begegnungen eine Wirkung entfalten und auf die anderen ausstrahlen. Aber sicher ist: Ich werde hoffentlich viel unterwegs sein.
Wo findet man Dich, Martin, im C66?
Martin Schacher: Ich teile mein Büro mit Andrea Müller und arbeite eng mit dem Bereichsleiter Personal Urs Länzlinger zusammen. Zu 40 Prozent bleibe ich allerdings in der Bischofsassistenz im Jobsharing mit Miriam Pacucci. Ich habe also genau genommen zwei Büros im C66.
Die Herausforderungen gerade im Personalbereich sind riesig. 43 Prozent des pastoralen Personals gehen in den nächsten zehn Jahren in Pension, wie ein Monitoring des Bistums Chur gezeigt hat. Da wartet viel Arbeit auf Dich, Martin.
Martin Schacher: In Zukunft wird es sicher nötig sein, dass sich Pfarreien noch mehr vernetzen, wo es möglich ist. Mit weniger Angestellten müssen wir lernen, mit der Situation umzugehen. Pfarreiteams werden bestimmt auch verstärkt auf Freiwillige setzen müssen. Insgesamt soll die Kirche aber auch ein attraktiver Arbeitgeber bleiben. Das fängt auch dort an, dass die bestehenden Angestellten nicht überlastet werden.
Sämi Malapati: Gerade hier setzt auch meine Arbeit an: Ich nehme mich im Generalvikariat ja dem Thema Freiwillige an. Aber auch ich bin der Meinung, dass die Pfarreien ihren bisherigen Dienstleistungskatalog nicht einfach ewig aufrechterhalten können. Gerade hier ist es wichtig, erst einmal die pastoralen Schwerpunkte zu definieren und dann konsequent für diese zu planen.
Sämi, Du hast schweizerisch-indische Wurzeln. Wie sehr hat Dich deine Herkunft geprägt?
Sämi Malapati: Es tat mir gut, dank meiner indischen Familie noch eine andere Realität kennenzulernen. Meine Mutter ist Schweizerin, mein Vater indischer Herkunft. Er hat hier in der Schweiz jedoch eine klassische Karriere bei einer Privatbank gemacht. Vielleicht auch noch interessant: Während mein Vater katholisch ist, ist meine Mutter in der Schweiz in einer reformierten Familie aufgewachsen.
Du, Martin, kommst nicht von so weit her, nämlich aus dem Kanton Schwyz …
Martin Schacher: Inzwischen wohne ich in Zürich. Ja, meine Mutter ist Schweizerin, mein Vater allerdings Ägypter. Er hat als koptischer Christ in seiner Heimat als Minderheit auch Diskriminierung erlebt. Der Glaube – und so auch für mich – war wohl deshalb immer ein starker Teil seiner Identität.
Auf privaten Weiterbildungen bist Du Martin weit in der Welt herumgekommen: nach Italien, auf die Philippinen und nach Japan sowie nach Kalkutta/Indien für einen Sozialeinsatz. Welcher Ort hat Dich am meisten geprägt?
Martin Schacher: Alle Orte, aber ich nenne einmal Japan. Dort hat mich beeindruckt, wie alles durchdacht ist. Sogar die Verpackung vom Fast-Food (lacht). Hier ist vielleicht die Verbindung zu meinem Chemiestudium spürbar: Optimierung interessiert mich wirklich.
Sämi, zuletzt noch etwas ganz Unwichtiges, aber ich bin neugierig: Du trägst immer ein Cap, bezeichnest Dich auch als Mann mit Hut – woher kommt das?
Sämi Malapati: Damit man meine beginnende Glatze nicht sieht (lacht). Nein, es ist einfach so gekommen: Ich trage gerne eine Kopfbedeckung. Und das ist auch praktisch, wenn es so sonnig ist. Wer mich sucht, dem kann man sagen: Sämi? Das ist der dort mit dem Cap.
Interview: Manuela Moser
Drei Fragen an …
Was inspiriert Dich in Deiner täglichen Seelsorge besonders?
Sämi Malapati: Die vielen guten Leute in der Seelsorge, die ich antreffe, und meine eigenen guten Erlebnisse in meiner Heimatpfarrei.
Martin Schacher: Das persönliche Wachstum von Menschen mitzuerleben und ihr Aufblühen zu begleiten.
Welche Herausforderungen begleiten Dich derzeit?
Sämi Malapati: Die vielen neuen Themenfelder innerhalb der Kirche und aus der Perspektive der Pastoral ihre Komplexität zu verstehen.
Martin Schacher: Mich in den neuen Bereich Personal hineinzudenken, ist meine momentane Herausforderung – nicht Überforderung! (schmunzelt).
Woher schöpfst Du Kraft und Trost für Deine Arbeit?
Sämi Malapati: In der Begegnung mit den Menschen, die mir Energie geben. Und im privaten Umfeld bei meiner Partnerin, meiner Familie und meinen Freunden.
Martin Schacher: Trost und Kraft in meinem Umfeld, bei Freunden und Familie. Und – wie unser Bischof Bonnemain – beim regelmässigen Krafttraining. (moa.)
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