Kirche aktuell

100. Geburtstag von Josua Boesch Botschaft in Metall und Wort

Josua Boesch war Goldschmied, reformierter Pfarrer und Eremit. Mit seinen markanten Metall-Ikonen und seinen in Zürcherdialekt übertragenen biblischen Texten inspiriert er auch 10 Jahre nach seinem Tod.
08. Juli 2022 Katholische Kirche im Kanton Zürich

2012 ist er gestorben, vor 100 Jahren geboren: Josua Boesch. Nach einer Lehre zum Gold- und Silberschmied an der Bahnhofstrasse entschied er sich in jungen Jahren dann aber noch für das Theologiestudium und arbeitete als Pfarrer. In den Siebzigerjahren entdeckte er seine erste Ausbildung neu und begann, mit Metallen zu arbeiten. Er experimentierte mit Verbindungen von edlen Werkstoffen wie Gold und Silber mit dem weniger wertvollen Messing und Kupfer. Später kommen Materialien wie Stein, Holz und Keramik dazu.

Was durchs Feuer geht, wird Auferstehung

In einem Interview mit Lorenz Marti (ab Min. 10:15) erklärte Josua Boesch 2012, wie er in diesen Kombinationen Auferstehung erfährt: «Wenn besonders wertvolle und sogenannt wertlose Metalle miteinander durchs Feuer gehen, kommt eine verwandelte Wirklichkeit und die Schönheit von Messing und Kupfer an die Oberfläche. Wenn das Gold und das Silber nicht zu vornehm sind, mit diesem verachteten Metall durch das Feuer zu gehen und sie dann gemeinsam eine neue Gestalt finden, ist das für mich ein Ausdruck von Auferstehung.»

Ikone von Josua Boesch ©Verein Josua Boesch
Der Unverfügbare ©Verein Josua Boesch

Grenzgänger zwischen Kunst, Spiritualität und Theologie

In den 80-er Jahren zieht sich Josua Boesch in das Kloster «Eremo di Camaldoli» zurück, wo er eine eigene ikonografische Form für seine Werke entwickelt. Mit seiner intensiven Suche war er ein ökumenisch offener Grenzgänger, der eng mit katholischen Theologen befreundet war. Bis heute inspirieren seine ins Zürichdeutsche übersetzten Bibeltexte (Psalmen, Johannes-Evangelium) zu einer neuen Sichtweise.

 «Wir haben 2000 Jahre lang vom Gekreuzigten gesprochen, es ist höchste Zeit, dass wir aufrecht gehen (auferstehen), dass etwas Neues beginnt.» Josua Boesch

Die Fotogalerie mit Werken von Josua Boesch veröffentlichen wir im Rahmen dieses Beitrags mit freundlicher Genehmigung des Vereins Josua Bösch.

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Uraufführung Auferstehungsweg, Wanderausstellung, Dokumentarfilm und Symposium

Zum 100-jährigen Geburtstag von Josua Boesch finden zahlreiche Anlässe statt: Eine Wanderausstellung macht vom 10. Juli bis zum 23. Juli im Zentrum für christliche Spiritualität Halt. Sie zeigt eine kleine, repräsentative Auswahl von Ikonen, Texte Boeschs aus Gebeten, Psalmen und Tagebuch. Im Herbst ist eine Vertonung des Auferstehungswegs zu hören und der Filmemacher Luke Gasser hat sich mit der Kamera auf Spurensuche begeben. Sein Film «En Mänsch, wo schnuufet im Geischt – ein Mensch, der atmet im Geist», feiert im September im Rahmen des internationalen Bodenseekirchentages Premiere. Und schliesslich will ein Symposium Spuren für eine in die Zukunft gerichtete Spiritualität aus dem Werk von Josua Boesch orten und zugänglich machen.

«Würde mich jemand fragen, was mich am tiefsten beruhigt, ich antwortete ihm: Schönheit und Stille. Beide gehören für mich zusammen, denn Schönheit verbreitet Stille. Gott muss so unsagbar schön sein.» Josua Boesch

Simon Peng-Keller zeigt in einem Buch «auferstehungsleicht» anhand von Ikonen, Tagebuchauszügen und Gesprächen den künstlerischen Weg Boeschs. Mit dem künstlerischen Schaffensprozess verbindet sich auch ein spiritueller Weg, der in der Tradition christlicher Mystik steht. Die umfassende Gesamtschau von Boeschs Werk  lädt dazu ein, den Weg des Aufbruchs und des Gefunden-Werdens Schritt für Schritt mitzuvollziehen. 

Alle Ortsangaben, Öffnungszeiten, Vernissagen etc. finden sich aktualisiert auf der Homepage des Fördervereins Josua Boesch. Eine Übersicht über alle Veranstaltungen gibt auch der Flyer.

 

Simon Peng- Keller, auferstehungsleicht. Der ikonografische Weg von Josua Boesch. TVZ, 2022 (Erstdruck 1999). ISBN 978-3-290-18470-4