Kirche aktuell

Aschermittwoch in der Pandemie Auf Signale hören

Professorin an der Theologischen Hochschule Chur.
Hildegard Scherer

Hildegard Scherer ist Professorin am Lehrstuhl für Neutestamentliche Wissenschaften der Theologischen Hochschule Chur. Sie hat neben Theologie auch Englisch studiert und dann eine pastorale Ausbildung absolviert. Scherer promovierte im Fach Neues Testament an der Universität Münster, es folgte die Habilitation an der Universität Bonn.

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Der Aschermittwoch ist ein Signaltag. Man muss gar nicht christlich zu sein, um ihn zu kennen, findet zumindest Hildegard Scherer, Professorin an der Theologischen Hochschule Chur.
16. Februar 2021 3 Kommentare

Der Aschermittwoch läutet eine Zeit ein, in der man Ungewöhnliches tut. Das Fasten, die ernsten Bräuche nach der Fastnacht geben dem Aschermittwoch seinen Charakter und damit auch den guten Vorsätzen kräftigen Schub.

Zu den Signalen des Aschermittwochs gehört in der katholischen Tradition der Gottesdienst mit dem Aschenkreuz. Viele werden dieses Jahr zuhause bleiben und die Asche nicht auf ihrer Stirn spüren: Vielleicht mögen sie sich ein anders Startsignal suchen. Ein gutes Buch darauf zurechtlegen, zum Beispiel. Oder dem Päckchen Taschentücher einen Ehrenplatz geben, damit die Traurigkeit raus darf. Ihnen fällt bestimmt etwas ein.

Umkehr oder Gegenteil? 

Mit dem Aschenkreuz – oder einem anderen Startschuss – beginnt eine Zeit, die in Kirchenvokabeln «Zeit der Umkehr» heisst. Manche haben den Jesusspruch im Ohr: «Kehrt um und glaubt an das Evangelium» (Mk 1,15). Aber was heisst das?

Umkehr klingt nach Kehrtwende. Auf der gleichen Strecke, nur in die andere Richtung fahren. Ins Leben übersetzt, könnte man meinen: Umkehren heisst, ab jetzt das Gegenteil tun. Isst Du gern Schoggi? Dann lass es jetzt sein. Machst Du keinen Sport oder kein Abendgebet? Fang jetzt damit an.

Aber muss es wirklich so schnell gehen mit der «Umkehr»? Im Deutschen schwingt dabei gleich eine Bewegung mit. Umkehren und loslegen. Aber in dieser Fastenzeit, in der schon so vieles anders ist, kann es vielleicht gut sein, sich umzudrehen und dann erst einmal stehen zu bleiben.

Mit Herz durch die Pandemie 

Die Pandemie schafft anspruchsvolle Situationen. Sie hat dem einen oder der anderen schon viele alte Gewohnheiten abgewöhnt. Sich nach diesem Pandemiejahr umzudrehen kann heissen: Die Blickrichtung wechseln. Zurückschauen. Setzen lassen, was da alles war. Viele haben Sorge, dass ihnen allmählich die Puste ausgeht, dass die Belastung überhandnimmt. Wer jetzt zurückschaut, sieht vielleicht, was sie oder er doch alles geschafft hat im letzten Jahr. Wo war inmitten aller Belastung noch Kraft? Was hat Halt gegeben? Gab es im Rückblick auch Entdeckungen? Und zeigt das vielleicht eine Richtung an, in die es sich zu gehen lohnt?

Umkehr muss nicht heissen, auf einem eingetretenen Pfad in die Gegenrichtung zu laufen. Wenn Umkehr ein Kurswechsel der Gedanken und der Taten ist, dann braucht es dazu Ruhe und freie Fahrt. Dann heisst es, auch mal probehalber steuern und sich kreativ austesten. Oder stehenbleiben und einfach nur das Herz aufmachen.