Ethikpreis 2025 Sichtbarkeit für ethische Fragen
Im Rahmen der Synode vom 18. Juni hat die Katholische Kirche im Kanton Zürich aus über 25 eingereichten Arbeiten vier im letzten Jahr eingereichte Abschlussarbeiten mit Ethikbezug prämiert. Die ausgezeichneten Studierenden wurden von der Körperschaft sowie den anwesenden Synodalen im jetzigen Rathausprovisorium, der ehemaligen Bullingerkirche geehrt. Mit der Preisverleihung werden ausserordentliche akademische Leistungen belohnt. Wichtig sind für die Kirche aber vor allem auch die ethischen Perspektiven auf reale Problemstellungen in verschiedenen Lebenswelten.
Eine Frage der Moral
Prof. Dr. Alberto Bondolfi eröffnete seine Laudatio mit einer Einführung in die vielschichtigen Herausforderungen der Transplantationsmedizin. Diese ist nicht nur medizinisch höchst anspruchsvoll, sondern wirft auch komplexe moralische und ethische Fragen auf. Damit führte er die Zuhörenden direkt zum Thema der Masterarbeit von Julia Schild: «Sind Herzspenden im Rahmen eines Donation-after-Cardiocirculatory-Death-Verfahrens moralisch legitim?» (UZH).
In ihrer Arbeit untersucht sie, ob Organtransplantationen von Personen, die nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand trotz Reanimationsversuchen verstorben sind, aus moralischer Sicht gerechtfertigt werden können. Für ihre herausragende wissenschaftliche Leistung wird Julia Schild mit einem Preisgeld von 2000 Franken ausgezeichnet.

Eine Bühne für Sternenkinder
Die nächste Auszeichnung, dotiert mit 3000 Franken, gilt Angela Taverna. In ihrer Masterarbeit «Haben Geschwister moralisch das Recht oder den Anspruch zu wissen, dass sie ein Sternenkind als Geschwister haben» (UZH) ergründet sie diese schwerwiegende Thematik umsichtig und eingehend, von den grundlegenden Prinzipien und möglichen Szenarien des Umgangs damit zu den positiven und negativen Auswirkungen. In seiner Laudatio nimmt Prof. Dr. Hanspeter Schmitt die Anwesenden mit in ein Gespräch mit seiner Nachbarin, die selbst von der Thematik betroffen ist. Diese lässt der Autorin ausrichten: «Sie haben Ihre Sache gut gemacht» – wie auch die Kommission hinter dem Ethikpreis stimmen die Anwesenden diesem Sentiment mit lautem Applaus zu.

Eine Geburt ohne Vorurteile
5000 Franken erhalten Smila Duss und Gea Schaulin. Sie setzen sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit mit einem Thema auseinander, dass bei der Geburt keinen Platz haben sollte – ihn aber dennoch einnimmt. Mit «Rassismus in der Geburtshilfe – Interviews mit Hebammen» (BFH) beleuchten die beiden Autorinnen fachlich fundiert ein hochrelevantes Thema, das in der Schweiz kaum erforscht ist. In ihrer Laudatio verweist Adrienne Hochuli Stillhard nicht nur auf die hervorragende Arbeit der beiden Verfasserinnen, sondern auch auf deren Anliegen, dass ihre Arbeit im Leiden vieler von Rassismus betroffenen Personen verankert ist und auf den unermüdlichen Bestrebungen zahlreicher Forschender beruht, die sich in diesem Bereich engagieren. So entschieden sie sich für eine Preisübergabe ohne Bild. Der Preis wird an Gesundheitsorganisationen gespendet, die sich gegen Rassismus einsetzen.
Ein Weg gegen den Strom
Last but not least: Martin Wöllenstein erhält 3000 Franken im Rahmen des Sonderpreises Kunst und Ethik für seine Masterarbeit in Transversal Design. Unter dem Titel «Flowing Upstream – Designs of the Wasteocene» (HGK FHNW Basel) setzt er sich mit einem praxisorientierten Ansatz mit dem Müllkolonialismus zwischen Europa und Westafrika, im Spezifischen mit Ghana, auseinander. In ihrer Laudatio bietet Dr. Dana Sindermann Einblick, wie praxisorientiert Wöllensteins Ansatz tatsächlich ist: Ganz dem Motto «Upstream», also stromaufwärts getreu, organisierte er eine Aktion, bei der die Kostüme eines ghanaischen Karnevals zur Kunstinstallation wurden. Diese Installation hat er dann mit verschiedenen Akteuren per Schiff von Ghana über den Atlantik den Rhein bis nach Basel hochgefahren – gegen den Strom des Müllkolonialismus.

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